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Prignitz Wo 39 Eichen wie Streichhölzer umknickten
Lokales Prignitz Wo 39 Eichen wie Streichhölzer umknickten
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02:15 27.10.2017
Dieses Haus hat der Sturm schwer getroffen: Ein umgefallener Baum hat ein Loch ins Dach gerissen. Quelle: Bernd Atzenroth
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Lenzersilge

Noch war die Straße offiziell abgesperrt, aber eine Durchfahrt schon möglich. Dabei offenbarte sich das ganze Ausmaß der Zerstörung, die der Sturm Xavier hinterlassen hatte. Zwischen Laaslich und Lenzersilge (Gemeinde Karstädt) waren ganze Alleereihen von Bäumen vollständig abgeknickt, und der Ort selbst ähnelte auch zehn Tage nach Xaviers Wüten optisch eher einem Kriegsgebiet. Häuser mit metergroßen Löchern im Dach, Nebengelasse, die unter darauf liegenden Bäumen verschwanden, hochgedrückter Asphalt auf den Straßen und eingedrückte Zäune, dazu überall Bäume, Bäume, Bäume auf Wegen und Wiesen.

Torsten Jacob, seines Zeichens Amtsdirektor in Bad Wilsnack/Weisen, lebt in Lenzersilge und wird diesen Tag sicher nicht vergessen. „Das war schon sehr heftig“, sagt er, „und das, nachdem wir schon zweimal im Ort in diesem Jahr Hochwasser hatten.“ Das traf, wie er erzählt, insbesondere einen neuen Anlieger aus Hamburg, dem nun an seinem Haus auch noch der Zaun massiv beschädigt wurde. Mancher Bewohner hatte auch Glück, so der Besitzer eines alten reetgedeckten Hauses, der das Dach in diesem Jahr gerade hatte erneuern lassen und keinen Schaden erlitt. „Wir hatten 43 Stunden lang keinen Strom“, erinnert sich Jacob.

Nicht der erste Schaden wurde in diesem Jahr an diesem Grundstück verzeichnet – es gab im Sommer auch schon Hochwasser. Quelle: Bernd Atzenroth

Insbesondere traf die Windhose am 5. Oktober aber die Allee, die von Lenzersilge in Richtung Laaslich führt. Hier wurden 39 dicke Eichen komplett entwurzelt. „Die Kreischaussee wurde 1898 erbaut“, weiß Torsten Jacob, „mancher Baum könnte seitdem gestanden haben.“ Sicher seien einige Bäume vorgeschädigt gewesen – in den vergangenen Jahren tat hier der Eichenprozessionsspinner. Nichtsdestotrotz fielen sie nun im vollen Laub stehend einfach um. Allein die Tatsache, dass die L12 gut zehn Tage für den Durchgangsverkehr komplett gesperrt war, zeigt die Dimension, die das Geschehen allein an dieser Stelle hatte.

Im Gemeindegebiet von Karstädt, wozu Lenzersilge gehört, hatten alle 17 Wehren nach dem Sturm Großeinsatz. Bürgermeister Udo Staeck und Gemeindebrandmeister Maik Hortig zeigten sich stolz darüber, wie schnell die Einsatzkräfte in der komplexen Lage an vielen Orten gleichzeitig agierten, angesichts dessen, dass auch die viel befahrene B5 freigeräumt werden musste und in Karstädt ein Regionalzug im Bahnhof gestrandet war.

Kräfte des Landesbetriebs für Straßenwesen beseitigen Schäden. Quelle: Bernd Atzenroth

Schon die Alarmierung der Einsatzkräfte war ein Problem, weil der Strom sofort ausgefallen war, so dass eine zweite Alarmierung per Handy nötig wurde. Während es aber dennoch gelang, die meisten Straßen wieder befahrbar und Orte wieder erreichbar zu machen, kamen die Einsatzkräfte mit der herkömmlichen Technik zwischen Laaslich und Lenzersilge nicht mehr weiter. Hortig berichtet, dass er dafür über das Einsatzlagezentrum mit dem THW in Kontakt getreten sei.

Zunächst mussten sich die Einsatzkräfte über den Acker und dann sogar zu Fuß in das Gebiet vorkämpfen – es war ja nicht auszuschließen, dass vor allem auf der Allee noch Menschen zu retten waren. Nicht nur dank THW und Feuerwehr, sondern auch vieler privater Firmen, die Radlader und Traktoren zur Verfügung stellten, konnte der Ort schnell wieder befreit werden, Staeck und Hortig fühlen sich allen Helfern zu großem Dank verpflichtet. Die Zufahrt nach Lenzersilge von Wittenberge und Lanz aus war noch am gleichen Abend frei, und in der anderen Richtung nach Laaslich dann am Folgetag.

Herausgerissen liegen die Alleebäume neben der Straße. Quelle: Bernd Atzenroth

Doch wurde die Sperrung für den Durchgangsverkehr dennoch tagelang aufrechterhalten – schließlich waren permanent noch Bäume abzutransportieren, mussten herausgerissene Asphaltstücke wieder nachgebessert werden und war die Straße auch schlicht zu reinigen. Danach war immer noch viel zu tun, vor allem für die Mitarbeiter des Landesbetriebs für Straßenwesen. Doch wer eine weitere Woche danach noch einmal durch den Ort fuhr, konnte auch sehen, wie viel die Einsatzkräfte geleistet haben. Dabei sind alle Beteiligten angesichts des Ausmaßes der Schäden über eines froh: Dass hier kein Mensch zu Schaden gekommen ist.

Von Bernd Atzenroth

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