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Prignitz Wo mit Spaß zusammen gekocht wird
Lokales Prignitz Wo mit Spaß zusammen gekocht wird
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00:46 10.03.2018
Martin Kley zeigt Vanessa, wie sie am besten die Hähnchenbrust mit Frischkäse füllt und mit Bacon umwickelt. Quelle: Beate Vogel
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Giesensdorf

Risotto ist eine fettige Angelegenheit. Zunächst wird Rundkorn-Reis in reichlich Butter angeschwitzt, bis er glasig ist. Darauf gibt es eine Kelle kochend heiße Brühe. Nach und nach wird das klein geschnittene Gemüse zugegeben – in diesem Fall frischer Spargel. Für den ausgebildeten Koch Martin Kley ist außerdem Weißwein am Risotto unverzichtbar. „Risotto ist für mich das Beste an der italienischen Küche“, sagt er und rührt im Topf, damit der Reis nicht anbackt.

Der 46-jährige Martin Kley leitet in der Wohnstätte für Erwachsene mit geistiger Behinderung, die das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) in Giesensdorf bei Pritzwalk unterhält, immer sonntags die Arbeitsgemeinschaft Kochen.

Gäste sind willkommen

Es ist das zweite Jahr der von der Aktion Mensch geförderten AG: „Vergangenes Jahr haben wir vor allem Hausmannskost gekocht, jetzt wollen wir Italienisch probieren“, sagt Martin Kley. Meist kommen etwa 15 Personen in die große Lehrküche der Wohnstätte. „Vorrangig kochen wir mit den Bewohnern, Gäste sind aber willkommen.“ Die Koch AG hat einen inklusiven Charakter. Wer mitkochen will, muss sich nur anmelden.

An diesem Sonntag steht mit Frischkäse und getrockneten Tomaten gefüllte Hähnchenbrust auf dem Speiseplan. Dazu gibt es das Risotto und einen frischen Salat. Für den Nachtisch – Obstsalat mit Eis und Schlagsahne – schnippeln Bewohner und ihre Betreuer fleißig Äpfel, Bananen und Kiwis.

Die gefüllte Hähnchenbrust wird angebraten und kommt später in den Ofen. Quelle: Beate Vogel

Martin Kley zeigt der 19-jährigen Vanessa, wie sie die Hähnchenbrust mit dem Frischkäse füllen und mit einer Scheibe Bacon umwickeln kann. Sie war schon vergangenes Jahr dabei. „Ich mache eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin, da kann ich hier viel dazulernen“, sagt sie. Ratwan aus Syrien hat sich zum ersten Mal eingefunden. Für den 17-Jährigen ist die europäische Küche exotisch: „Wir essen viel Reis, keine Kartoffeln.“ Er kocht an den Wochenenden selbst und will in der AG vor allem Spaß haben.

Zu dritt wird der Spargel geschnitten

Inzwischen ist der Reis aufgequollen, es wird wieder heiße Brühe nachgegossen. Zu dritt schneiden Martin Kley, Vanessa und Ratwan Spargel in den Topf. „Alles muss die gleiche Temperatur haben“, sagt der 46-Jährige. Nebenbei legt er die ersten Hähnchenbrüste zum Anbraten in die Pfanne. Für Ratwan hat er zwei Portionen in einer extra Pfanne vorbereitet – ohne Bacon, weil dieser kein Schweinefleisch isst. Das Fleisch kommt später in den Ofen.

Mitkochen nur nach Anmeldung

Jeden Sonntag ab 10 Uhr findet in der Lehrküche der Wohnstätte Giesensdorf bei Pritzwalk die Koch-AG statt. Wer sein Lieblingsgericht mit anderen kochen oder neue Rezepte kennen lernen möchte, ist willkommen.

Interessenten können sich einfach direkt an die CJD Wohnstätte Giesensdorf wenden: 03395/30 08 90 oder wohnstaette.giesensdorf@cjdprignitz.de.

Martin Kley ist gelernter Koch und hat lange in der Ausbildung gearbeitet, unter anderem in Perleberg. Ein einjähriger Aufenthalt in einer Restaurantküche in den USA hat ihn geprägt: „Das war die härteste Schule meines Lebens“, erzählt er. In der Küche sei nicht eben zimperlich mit dem Personal umgegangen worden – übrigens von einer deutschen Küchenchefin.

Später hat der Koch ein Studium zum Sonderpädagogen absolviert, arbeitete danach bald mit dem CJD zusammen. Gemeinsam mit Wohnstättenleiter Christoph Albrecht hat Martin Kley das Konzept für die inklusive Koch AG geschrieben und bei der Aktion Mensch vorgestellt. Jeder kann sich nach seinen Fähigkeiten einbringen, gerade so wie er kann. Auch der Koch lernt dabei dazu: „Ich hatte einen Jugendlichen dabei, der sollte die Lachsfilets würzen. Am Ende waren sie total versalzen“, erzählt er und schmunzelt. „Wir konnten sie aber noch essen.“

Genießen steht im Vordergrund

Tobi soll inzwischen den Salat waschen. Er hat das Down-Syndrom. Martin Kley erklärt ihm geduldig, wie die Salatschleuder funktioniert. Die beiden haben schon öfter zusammen gekocht. Tobi macht es Spaß, sagt dieser. Die anderen sind mit dem Obstsalat fertig und trinken eine Tasse Cappuccino. „Wir wollen uns hier Zeit nehmen. Es ist schließlich Sonntag“, sagt der Koch. Genießen steht im Vordergrund. Die Bewohner sind begeistert, die Stimmung ist gelöst.

Tobi wäscht den Salat. Er hat schon häufiger mit Martin Kley zusammen gekocht.. Quelle: Beate Vogel

In der CJD-Förderschule für Kinder mit geistiger Behinderung in Hoppenrade leitet der 46-jährige ebenfalls eine Koch AG. Die Ergebnisse sind hohe Schule und können sich sehen lassen – so werden Gäste schon mal mit perfekten Kanapees bewirtet. „Ich glaube, den Kindern wird manchmal zu wenig zugetraut“, findet Martin Kley, „auch wenn der eine oder die andere von der Haptik her nicht alles umsetzen kann.“

Beim Kochen sei das Gute, dass man sofort ein Feedback hat, erklärt der Ausbilder. Klaus Peter soll die Sahne für den Nachtisch schlagen. Es dauert ein bisschen, bis er die Schüssel, den Mixer und die Schlagsahne in Position gebracht hat. Als er fertig ist, steht der Rahm wie eine Eins. Derweil köchelt und quillt der Reis mit den anderen Zutaten schon eine gute halbe Stunde vor sich hin. „Zum Schluss kommt noch richtig satt Parmesan dazu.“ Die Kalorien zählt hier keiner. Sonst würde das Risotto wohl nicht so schmecken.

Alle lernen etwas dazu

Zum Projekt gehöre, dass alle zusammen zwei bis drei Ausflüge im Jahr machen. „Wir wollen an die Basis gehen, gucken, wo Fleisch und Gemüse herkommen.“ So geht es mal zum Rinderstall, mal zum Hofladen, der regionales Gemüse anbietet. „Uns fehlt heute das Bewusstsein, woher unser Essen kommt“, sagt der Koch. Auch er lernt dazu: „Wir haben jemanden dabei, der war Fleischer. Nächstes Mal werden wir Wurst machen.“ Am Ende jedes Treffens fragt Martin Kley, was die Teilnehmer beim nächsten Mal essen wollen. „Immer samstags gehe ich die Zutaten einkaufen.“ Sonntags wird dann wieder gekocht.

Von Beate Vogel

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