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Wölfe bedrohen Existenz der Schäfer

Land Brandenburg Wölfe bedrohen Existenz der Schäfer

Wegen des Wolfes bangen Brandenburgs Schäfer um ihre Existenz. Die Schäfer haben Sorge, dass Wölfe immer öfter ihre Tiere reißen. Das wurde beim Runden Tisch deutlich, zu dem der Schäferverein Prignitz geladen hatte. Der Verein fordert von der Politik klare Reaktionen auf die jüngsten Vorfälle.

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Märchenfrau Gudrun Derlin aus Hamburg mit Herdenschutzhund Sarplaninac. Neben ihr Schäfer Olaf Kolecki aus Falkensee.

Quelle: FotoS (2): Andreas König

Buchholz. 29 Tiere hat Schäfer Marc Mennle verloren – innerhalb von 48 Stunden. „Das waren Wölfe, da bin ich absolut sicher“, sagt der Schäfer, der in Sadenbeck lebt und seine Herde an der Elbe im Großraum Wittenberge hütet. So wie ihm geht es vielen Schäfern in der Prignitz und im ganzen Land Brandenburg. Die Stimmung im Saal der Gaststätte Prignitzer Hof in Buchholz ist sehr emotional.

Mehr als 80 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesland, aber auch vereinzelte Gäste aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und sogar aus Hamburg sind gekommen, um ihrem Ärger über die Wolfsrisse und die aus ihrer Sicht unzureichende Antwort aus der Politik Luft zu machen. Von der Landesregierung ist niemand der Einladung des Schäfervereins Prignitz gefolgt. Immerhin sitzen die Bundestagsabgeordnete der Linken, Kirsten Tackmann sowie ihre Landtagskollegen Thoma Domres (Linke) und Gordon Hoffmann (CDU) im vollen Saal.

Kalb in Karstädt gerissen

Knut Kucznik, Vorsitzender des Schafzuchtverbandes Berlin-Brandenburg bittet die Runde um ein Bild der Lage, was den Wolf angeht: „Wir wollen heute beraten, wie wir die Wiederansiedlung des Wolfs ertragen können“, sagt er. „Das Fass ist am Überlaufen.“

Lothar Pawlowski aus Karstädt, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Prignitz, gehört zu den vom Wolf geschädigten Tierhaltern. „Wir müssen eigentlich als Halter dafür sorgen, dass keine Tiere aus dem Betrieb hinaus kommen. Jetzt müssen wir uns dagegen wehren, dass Raubtiere eindringen“, sag er. Der Wolf habe in Karstädt ein Kalb gerissen und „etwa 20 Kilo Fleisch gefressen“, berichtet der Landwirt.

Schäfermeister Marc Hennle hat zwei Wolfsrisse in 48 Stunden erlebt

Schäfermeister Marc Hennle hat zwei Wolfsrisse in 48 Stunden erlebt.

Quelle: Andreas König

Das wisse er so genau, weil das Geburtsgewicht des Tiers mit 25 Kilo gemessen wurde. Nachdem der Räuber mit dem Kalb fertig war, seien noch 13,5 Kilo übrig gewesen. „Eine Entschädigung kriegen wir nicht, weil der Mitarbeiter den Kadaver vom Fundort weggebracht hat und angeblich keine DNS-Proben genommen werden können. Aber wer zahlt uns die Sekundärschäden, wenn die Herde aus Angst vor dem Wolf ausbricht, wenn Zaunanlagen niedergetrampelt werden, die Tiere auf die Straße oder gar aufs Gleisbett laufen?“, fragt der Karstädter.

Zu viele ungeklärte Fälle

Die Entschädigung, mit der Tierhalter rechnen können, beträgt maximal 15 000 Euro. Aber die gebe es nur, wenn eindeutig nachgewiesen sei, dass Wölfe die Nutztiere gerissen haben. „Abgedeckt von dieser Summe sind auch nur die Kosten für die gerissenen Tiere, den Tierarzt und die Tierkörperbeseitigung. Mit dem Zaunbau und anderen Maßnahmen werden wir allein gelassen“, klagt Lothar Pawlowski.

Ob die offizielle Zahl der in Brandenburg lebenden Wölfe, 120 bis 140 Tiere, nicht viel zu niedrig sei, fragt ein Schäfer aus der Lausitz. Das Wolfsmonitoring, mit dessen Hilfe die Zahlen erfasst werden, sei höchst kompliziert. Wenn der Rissgutachter kommt und schreibt als Ursache des Risses: „Wolf nicht ausgeschlossen“, dann gilt das noch nicht als Bestätigung. Erst die Formulierung „Riss Wolf“ sei eindeutig und werde als Beweis für die Existenz der Tiere gewertet. In einem zehn mal zehn Kilometer großen Umkreis müssten erst zehn solcher unbestätigten Ereignisse registriert werden, ehe sie einem Wolf zugeordnet würden. Da falle zu viel durchs Raster, hieß es.

Herdenschutzhund soll helfen

Marc Mennle aus Sadenbeck, der im Namen des Schäfervereins Prignitz den Runden Tisch mitinitiiert hat, nannte noch eine andere Konsequenz der Wolfsübergriffe. „In der Nähe der Elbe gibt es viele Touristen. Deren Sicherheit kann man gar nicht gewährleisten.“ Eine von anderen Rednern mehrfach geforderte Übertragung des Jagdrechts auf die Wölfe lehnt er allerdings ab. „Dann müssen die Jagdpächter für Wolfsschäden haften. Das kann zur Folge haben, dass sich Reviere, in denen Wölfe leben, nicht mehr verpachten lassen“, sagte der Schäfer.

Gudrun Derlin aus Hamburg hat nur drei Schafe und viele Hühner. Sie tritt mit ihren Tieren als Märchenfrau in Erscheinung. Aber aus Angst vor Wolfsrissen hat sie sich einen kroatischen Herdenschutzhund angeschafft. „Der Sarplaninac ist herzensgut, aber wehe, er wittert Wölfe“, sagt sie.

Politik müsse Probleme ernst nehmen

„Die Wölfe, die uns vor Jahren versprochen wurden, sind ja nicht die Tiere, die wir jetzt erleben“, sagt Schafzuchtverbands-Vorsitzender Knut Kucznik. „Die Wissenschaftler sagten, der Wolf sei Scheu, würde nicht über Zäune springen und vor Menschen fliehen. Die Wölfe, die uns heimsuchen, können damit nicht gemeint sein.“ Die Politik müsse das Problem ernst nehmen und dürfe nicht dafür sorgen, dass Rissereignisse verschwiegen würden.

„Wölfe sind streng geschützte Tiere“, sagt Torsten Hennig vom Biosphärenreservat Flusslandschaft-Elbe. „Aber wir verstehen auch die Sorgen der Schäfer und anderen Tierhalter.“ Er hofft, dass Herdenschutzhunde und Zäune ausreichend abschreckend wirken.

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Von Andreas König

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