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Woidke plaudert aus seinem Leben

Der Ministerpräsident in Perleberg Woidke plaudert aus seinem Leben

„25 Jahre Brandenburg“ lautete der Titel eines Themenabends mit Ministerpräsident Dietmar Woidke im Perleberger DDR-Geschichtsmuseum. Dabei stellte sich Woidke vielen Fragen und nahm auch Stellung zur Flüchtlingskrise. Sein Fazit: Viele Ängste sind übertrieben. Aber er sehe auch die schwierige Situation, das Land sei an der Belastungsgrenze.

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Dietmar Woidke (Mitte) im DDR-Geschichtsmuseum, Hans-Peter und Gisela Freimark begrüßten ihn.

Quelle: Michael Beeskow

Perleberg. „25 Jahre Brandenburg“ war der Themenabend mit Dietmar Woidke im DDR-Geschichtsmuseum in Perleberg betitelt. Tatsächlich wurde der Mittwochabend eine muntere Diskussionsrunde, in der sich der Ministerpräsident einem breiten Fragenspektrum stellte und munter aus seinem Leben plauderte. Gisela und Hans-Peter Freimark vom Museum nahmen Dietmar Woidke ins Kreuzverhör wie auch zahlreiche Fragesteller aus dem Publikum.

Wie wird man Ministerpräsident?, war eine dieser Fragen. „Da kann man nichts planen“, verriet Dietmar Woidke. Noch vor drei Jahren habe er keine Ahnung gehabt, einmal Ministerpräsident werden zu können. Sein einziger „Plan“ bestehe darin: „Wo man ist, die Arbeit gut zu machen und zwar mit etwas Demut.“ Ministerpräsident zu sein, sei für ihn eine „riesengroße Ehre“.

Dietmar Woidke berichtete von seiner Schulzeit, dem Grundwehrdienst in der NVA, der Studienzeit in Berlin und wichtigen politischen Stationen. Doch dann drängten die aktuellen Fragen, allen voran die Flüchtlingskrise in den Mittelpunkt der Diskussion. „Ich bin Christ und sage, man muss Schwächeren helfen.“ Doch er sieht auch eine schwierige Situation und das Land an der Grenze der Belastbarkeit. Unterbringung, Verpflegung und gesundheitliche Betreuung seien durchaus zu schaffen. Die eigentliche Herausforderung bestehe in der Integration der Flüchtlinge. Inwieweit die Integration gelinge, entscheide darüber, ob die jetzige Flüchtlingskrise zu einem Gewinn für die Gesellschaft wird. Außer Frage steht für Dietmar Woidke der Bedarf an Fachkräften in Brandenburg und auch das „demografische Bäumchen“ in Deutschland verlange nach jungen Leuten. Die Prignitz wie auch seine Heimatregion Spree-Neiße seien in den nächsten Jahren mit am stärksten vom Bevölkerungsrückgang betroffen. Nach neuester Prognose schrumpft die Einwohnerzahl in der Prignitz bis 2040 um 30 Prozent.

Mit Verwunderung verfolge er die Diskussion auf Bundesebene, gestand der Ministerpräsident. Den Streit um die Bezeichnungen Transitzone und Reisezentrum empfinde er als philosophisch. Wenn nur 50 Prozent der Flüchtlinge Sprachunterricht geboten werden kann, dann ist das zu wenig. „Die Inte­gration stößt hier auf Grenzen“, erklärte Dietmar Woidke. Es sei voraussehbar, wenn Menschen – egal ob Flüchtling oder nicht – jahrelang dasitzen und nur die Wand ansehen, dann auf dumme Gedanken kommen. „Wir brauchen Beschäftigung, sonst kommt alles, was wir nicht wollen.“

Dietmar Woidke sprach sich dagegen aus, nur weil Wohnblocks etwa in der Prignitz leer stehen, hier viele Flüchtlinge unterzubringen. Es müsse auch eine Perspektive bestehen, dass die Leute hier eine Arbeit finden. Ansonsten würden sie ohnehin wieder abwandern.

Dietmar Woidke hält ein geordnetes Verfahren bei der Aufnahme von Flüchtlingen für dringend geboten. Und: „Deutschland kann die Probleme nicht alleine lösen.“ Er sprach sich für eine Rückkehr zum Dublin Abkommen III aus, das die Bundesrepublik am 5. September einseitig außer Kraft gesetzt habe. „Der Staat muss als Staat handeln.“ Das Abkommen besagt, dass in jenem Land, in dem Flüchtlinge ankommen, sie auch registriert werden, und von dort in der Europäischen Union verteilt werden.

Die Ängste vieler Menschen angesichts der Flüchtlinge hält Dietmar Woidke für deutlich übertrieben. Sie beruhen vor allem auf Vorurteilen. Wie schon das Wort sage, geht es hier um ein Urteil, bevor man etwas kenne. Der Ministerpräsident: „Wichtig sind Begegnungen, dass man sich kennen lernt.“

Von Michael Beeskow

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