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Kunstfälscher Beltracchi stellt in Bergsdorf aus

Ausstellung im Mühlenhaupt-Museum beginnt Sonntag Kunstfälscher Beltracchi stellt in Bergsdorf aus

Maler Wolfgang Beltracchi ist mit Fälschungen berühmt geworden. Dafür ist zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden. Beltracchi malt auch eigene Bilder. Wer sie ausstellt, riskiert seinen Ruf. Im Mühlenhaupt-Museum in Bergsdorf werden bald Beltracchi-Bilder zu sehen sein, Museumsleiterin Hannelore Mühlenhaupt erklärt im MAZ-Interview warum.

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Wolfgang Beltracchi

Quelle: dpa

Bergsdorf. In einem der spektakulärsten Kunstfälscher-Prozesse der Nachkriegszeit wurden Wolfgang Beltracchi und seine Frau Helene 2011 wegen bandesmäßigen Betrugs zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihre Strafe haben sie abgesessen. Am Sonntag eröffnen beide eine Ausstellung im Mühlenhaupt-Museum Bergsdorf.

MAZ: Wer in Deutschland Beltracchi zeigt, riskiert den Ausschluss aus dem Bundesverband der Galerien und seinen Ruf. Haben Sie keine Sorge?

Hannelore Mühlenhaupt: Ich stehe dazu, dass wir Beltracchi zeigen. Wir sind auch nicht im Bundesverband der Galerien, sondern in dem der Museen. Ich finde dieses Ausstellungsverbot, mit Verlaub gesagt, bigott.

Ist es überzogen?

Mühlenhaupt: Wenn Bilder begehrt sind, kommt es immer zu wundersamer Vermehrung. Der Kunstmarkt hat immer alle Augen zugedrückt und alle haben gut daran verdient. Als aufflog, dass er Bilder kopiert hat, stand nur er in der Schusslinie. Das finde ich nicht in Ordnung.

Steht zur neuen Ausstellung: Hannelore Mühlenhaupt

Quelle: Lüderitz

Wie sind Sie mit ihm zusammengekommen?

Mühlenhaupt: Ich fand das Phänomen Beltracchi immer sehr interessant. Er kommt mir vor wie ein Eulenspiegel. Als sein Buch auf den Markt kam, haben wir mit ihm Kontakt aufgenommen und ihn letztes Jahr zu einer Lesung nach Bergsdorf eingeladen.

Zur Person

Wolfgang Beltracchi fälschte über mehr als drei Jahrzehnte Bilder großer Meister – Matisse, Dürer, Rembrand – und war damit sehr erfolgreich.

Für den Kunstmarkt ist Beltracchi seit dem Skandal eine Persona non grata. Wer seine Bilder ausstellt, wird aus dem Bundesverband deutscher Galeristen ausgeschlossen.

In Bergsdorf zeigt er eigene Arbeiten; „Im Dunkel der Wälder". Die Ausstellung wird Sonntag um 15 Uhr eröffnet.

Da war er noch nicht frei?

Mühlenhaupt: Da war er noch auf Freigang. Die Lesung war sehr interessant. Die Leute haben bis nachts hier gesessen und diskutiert. Dann haben wir ihn spontan gefragt, ob er bei uns ausstellen möchte. Und zu unserer Überraschung hat er gleich zugesagt.

Bewundern Sie Beltracchi für seinen Werdegang?

Mühlenhaupt:Es spricht für Findigkeit und Intelligenz. Aber auch für die Verführbarkeit der Kunstwelt.

Wird er in Bergsdorf eigene Arbeiten zeigen?

Mühlenhaupt: Ja, ausschließlich. Er möchte Arbeiten zeigen, die sein Signum tragen. Er ist stolz darauf. Seine Skulpturen werden bei uns das erste Mal in Deutschland überhaupt gezeigt.

Die Kunst ist noch auf dem Weg?

Mühlenhaupt:Wir erwarten Mittwoch den Transport. Die Kunst kommt aus Südfrankreich über München nach Bergsdorf.

Welche Reaktionen gab es auf die Ankündigung, Beltracchi stellt in Bergsdorf aus?

Mühlenhaupt:Sehr viele und sehr positive. Seit Januar rufen die Leute an und fragen, ob sie Karten für die Vernissage vorbestellen können. Auch ausländische Medien, etwa aus der Schweiz, haben sich angekündigt. Alle sind neugierig und fasziniert von einem, der den Kunstmarkt so lange genarrt und auch entzaubert hat.

Haben Sie keine Sorge, überrannt zu werden?

Mühlenhaupt: Wetter und Bahnstreik regeln das auf natürliche Weise. Aber das Gelände ist groß genug. Wir werden auch den Garten aufmachen.

Was glauben Sie, hätte Ihr verstorbener Mann, Kurt Mühlenhaupt, zu all dem gesagt?

Mühlenhaupt: Er hätte sich über diese Geschichte amüsiert und köstliche Worte gefunden. Kurt hatte immer etwas übrig für Außenseiter. Er war selbst einer. Ich sehe es auch als unsere Aufgabe als Museum, solchen Leuten eine Plattform zu geben. Man muss gucken, was derjenige zu sagen hat.

Sind Sie denn überzeugt von dem, was Beltracchi macht?

Mühlenhaupt: Würden wir nur zeigen, wovon wir hundertprozentig überzeugt sind, dann würden wir nur Kurtchens Sachen ausstellen. Mir gefallen Beltracchis Arbeiten, besonders die Skulpturen.

Imponiert Ihnen Beltracchi?

Mühlenhaupt: Mir imponiert sein Selbstbewusstsein und die absolute Liebe zu seiner Frau Helene. Man kann ihn eigentlich nicht ohne seine Frau sehen.

Hat er schon einen Mühlenhaupt kopiert?

Mühlenhaupt: Leonardo da Vinci und Mühlenhaupt würde er nicht kopieren, die rentieren sich nicht.

Interview: Cindy Lüderitz

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Film
Der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi bei der Arbeit.

Der Jahrhundertfälscher lässt sich bei seinem Handwerk über die Schulter schauen. Minutiös zeigt Wolfgang Beltracchi, wie er einen Max Ernst fälscht - und mit "Beltracchi" signiert.

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