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Wolfsabwehr: Hunde unter Schafen

Porep Wolfsabwehr: Hunde unter Schafen

Seit der Prignitzer Schäfer hohe Verluste in seiner Schafsherde hinnehmen musste, bewachen jetzt Herdenschutzhunde seine Tiere. Hartwig Stockfisch aus Porep ist mit den Hunden zufrieden, obwohl ihm klar ist, dass auch sie keinen 100-prozentigen Schutz vor dem Wolf bieten können.

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Aufmerksam beobachtet die Herdenschutzhündin, wer dort über den Zaun steigt. Sie kann liegen bleiben, es ist nur der Schäfer.

Quelle: Cornelia Felsch

Porep. Schäfer Hartwig Stockfisch steigt über den elektrisch geladenen Weidezaun zu seinen Schafen. Sofort reagiert eine der beiden Hündinnen und kommt ihm freudig entgegen. Die weißen Haare wehen im Wind und lassen das Fell weich und den Hund keineswegs gefährlich aussehen. Doch auch wenn sie den Eindruck erwecken – Kuschelhunde sind es keineswegs. Auf der Weide haben sie eine wichtige Aufgabe zu erledigen, sie sollen als Herdenschutzhunde die Schafsherde vor den Wölfen schützen.

Die tierischen Leibwächter stehen seit 2009 im Dienste des Schäfers. Sie leben mit den Schafen und verteidigen diese gegen Eindringlinge. Dass sich Hartwig Stockfisch dazu entschloss, die Hunde in die Herde zu integrieren, hatte eine traurige Ursache. Von Juli 2008 bis zum Beginn des darauffolgenden Jahres hatte er 46 tote Schafe und 70 Verletzte zu beklagen. Sechs Wolfsübergriffe dezimierten seine Herde beträchtlich. „Noch heute denkt er mit Grausen an den Anblick der sich ihm bot, als er die Tiere entdeckte. „Wölfe geraten ja in einen regelrechten Blutrausch, wenn sie 25 Schafe in einer Nacht reißen. Die Tiere versuchen noch zu flüchten, auch wenn schon die Därme heraushängen. Das sind fürchterliche Bilder“, sagt der Schäfer.

 Auf seine Hündin kann sich Hartwig Stockfisch verlassen

Auf seine Hündin kann sich Hartwig Stockfisch verlassen.

Quelle: Cornelia Felsch

Damals stellte der Landesschafzuchtverband drei Herdenschutzhunde für Hartwig Stockfisch zur Verfügung. Sie kamen aus der Schweiz. Etwas misstrauisch beobachtete der Schäfer zu Beginn das Verhalten der Neuzugänge, die erst einmal für kurze Zeit und angeleint zu den Tieren gelassen wurden. „Es war schon erstaunlich“, sagt Stockfisch. „Bereits nach drei bis vier Tagen haben sich die Schafe von den Hunden nicht mehr stören lassen, wenn diese durch die Herde gelaufen sind. Ich habe sogar beobachtet, wie der Hund einem Schaf des Maul geleckt hat.“ In dieser kurzen Zeit hatten sich die Schafe bereits an die Hunde gewöhnt.

Der Einsatz von Herdenschutzhunden ist keineswegs eine neuzeitliche Erfindung. Bereits im Mittelalter verrichteten die Tiere diese wichtige Arbeit. Mit Hütehunden haben sie allerdings nichts gemeinsam. Während der Hütehund auf Signale des Schäfers reagiert, die Herde treibt, einzelne Tiere oder die ganze Herde umkreist, dirigiert und lenkt, bleibt der Herdenschutzhund an seinem selbst gewählten Platz. Er entscheidet eigenständig, was zum Schutz seiner Herde notwendig ist, während der Hirte sich auf die wachen Sinne und den Instinkt seiner Hunde verlässt.

Die beiden Hündinnen stammen ursprünglich aus Italien

Die beiden Maremmano-Abruzzesen-Hündinnen von Hartwig Stockfisch stammen ursprünglich aus Italien. Dort wurde die Rasse gezüchtet, um Weidetiere vor Wölfen, Bären und anderen Raubtieren zu schützen. Schon ganz jung werden die Hunde auf Schafe geprägt, viel stärker als auf den Menschen; sodass sie die Schafe als ihre Familie ansehen. „Am besten ist es, wenn die Hunde auch in der Herde geboren werden“, sagt der Schäfer. Doch nicht jeder Hund ist für diese Aufgabe geeignet. „Es gibt Hunde, die anfangen, mit den Lämmern zu spielen. Das kann für die jungen Schafe tödlich ausgehen. Deshalb ist eine Selektion wichtig. Derartige Tiere sind als Herdenschutzhunde nicht zu gebrauchen.“

Ein junger Herdenschutzhund kostet etwa 1000 Euro

Der 65-Jährige schwört auf seine Hundedamen. Mutter und Tochter haben in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet, die Hundetochter stammt bereits aus eigener Zucht. „Ich hatte acht Jahre lang keine Probleme“, sagt er. Natürlich ist es für den Schäfer recht arbeits- und kostenaufwändig, doch der Schutz seiner 700 Schafe ist ihm das wert. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings nicht“, sagt er. Zweimal am Tag müssen die Hunde gefüttert werden. „Und man sollte auch möglichst zwei oder drei Hunde halten, damit sie sich miteinander beschäftigen können.“ Das ist eine teure Angelegenheit, ein junger Herdenschutzhund kostet etwa 1000 Euro, für ein ausgebildetes Tier muss man schon bis zu 4000 Euro aufbringen.

Im September feiert Hartwig Stockfisch sein 50-jähriges Schäferjubiläum, für ihn ein erfreuliches Ereignis, eine andere Arbeit hätte er sich nicht vorstellen können. Weniger optimistisch betrachtet er die gemeinsame Zukunft mit dem Wolf: „Der Wolf wird auf die Dauer lernen, dass der Mensch für ihn kein Feind ist und er wird immer mehr die Scheu verlieren. Dann wird es vielleicht noch mehr Probleme geben.“

Das Land Brandenburg fördert neuerdings die Anschaffung von Herdenschutzhunden, die nach den Richtlinien der „Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde“ gezüchtet, ausgebildet und geprüft wurden. Am 13. Juni unterzeichneten Agrarminister Jörg Vogelsänger und die Arbeitsgemeinschaft eine entsprechende Rahmenvereinbarung. Danach wird der Kauf eines jungen Tieres mit bis zu 1000 Euro unterstützt, der eines ausgebildeten Hundes mit bis zu 3000 Euro.

Von Cornelia Felsch

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