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Prignitz Wunderknabe kuriert in Kehrberg wieder
Lokales Prignitz Wunderknabe kuriert in Kehrberg wieder
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00:36 13.08.2015
Der Wunderknabe wird verhaftet. Quelle: Privat
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Kehrberg

Ein außergewöhnliches Ereignis aus dem Jahre 1734 wird in Kehrberg (Gemeinde Groß Pankow/Prignitz) am Sonntag, 23. August, um 14 Uhr wieder lebendig beim Historienspektakel „Der Wunderknabe zu Kehrberg“. Mehr als 30 Prignitzer Laiendarsteller um den Autor des Stückes und Regisseur Hans Serner bringen das berührende, wechselvolle Schicksal des berühmtesten Kehrbergers Johann Ludwig Hohenstein auf die Naturbühne vor der Kirche.

Das Stück beruht auf der wahren Geschichte eines dreijährigen Kindes, das als vermeintlicher Wunderheiler im Sommer 1734 eine riesige Wallfahrt ins Dorf Kehrberg ausgelöst hatte. Innerhalb von drei Monaten pilgerten etwa 3000 Kranke und Heilsuchende aus allen Himmelsrichtungen nach Kehrberg. Zu dem Ruf, als Sonntagskind und siebter Sohn des Dorfschmiedes in Folge über Heilkräfte zu verfügen, trugen damals Zeitungsberichte, Flugblätter und sogar wissenschaftliche Abhandlungen bei. Der Junge besaß laut Aberglauben ein zweites Gesicht.

Doch der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. ließ die unglaublichen Vorgänge bald beenden: Am 28. August 1734 erschien in dem kleinen Prignitzdorf ein Kommando Soldaten mit geladenen Gewehren. Sie hatten die Order, das Kehrbergische Wunderkind und dessen Familie festzunehmen und nach Berlin in das Untersuchungsgefängnis am Hausvoigteiplatz zu überstellen.

Kordula Hammermeister, im Stück spiel sie eine geizige Heilsuchende, spendiert den Stein, an den die Wunderkind-Gedenktafel kommt. Quelle: Ulrich Fischer

Allein an diesem Tag erwarteten 400 Kranke, die aus nah liegenden wie weiter entfernteren Orten Preußens, aus Mecklenburg, Sachsen-Anhalt und von noch weiter her gereist waren, eine Heilbehandlung vom Dreijährigen. Nur das entschiedene Auftreten des Gutsherren Joachim Detloff von Winterfeld verhütete damals ein Blutbad.

Anlässlich der Aufführung des aufwendigen Schauspiels inmitten barocken Marktreibens wird der Förderverein der Kehrberger Kirche in diesem Jahr eine an einem Naturstein befestigte Tafel enthüllen, die an den Wunderknaben, der schon 1736 starb, erinnert. Den an einer Seite abgeflachten Stein spendiert Kordula Hammermeister. Ihre Familie barg ihn vor zehn Jahren am Rande eines Ackers in der Nähe. Die Kehrbergerin spielt in dem Stück, das Jahr für Jahr mehr Zuschauer in ihr Dorf pilgern lässt, eine reiche, aber geizige Heilsuchende.

Von Ulrich Fischer

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