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Prignitz Wurzelzahn zieht Stubben aus der Deichtrasse
Lokales Prignitz Wurzelzahn zieht Stubben aus der Deichtrasse
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00:17 08.10.2016
Der Bagger mit dem Wurzelzahn reißt die riesigen Stubben aus dem Boden der Deichbaustelle. Quelle: König
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Breese

Als wäre es Unkraut reißt der Baggerarm den riesigen Baumstumpf aus der Erde. Baggerfahrer Carsten Gutschmidt rüttelt und schüttelt den Stubben, Erdbrocken fliegen durch die Luft. Der Gigant scheint sich gegen diese Art Wurzelbehandlung zu wehren, doch es nützt alles nichts – er landet zusammen mit den Resten seiner Artgenossen auf großen Haufen.

Zuerst kommt der Tierschutz

Das Baufeld für den jüngsten Abschnitt im Breeser Deichbauprojekt nimmt Gestalt an. Gefällt wurden die Bäume entlang der 845 Meter langen Trasse bereits. Jetzt kommt es drauf an, den Boden für den eigentlichen Deich zu bereiten. Gesäumt wird die Trasse auf beiden Seiten von Amphibienschutzzäunen. Naturschutz-Dienstleister Peter Gruhn aus dem mecklenburgischen Pampin begleitet und überwacht die Arbeiten aus naturschutzfachlicher Sicht.

Zwei Altarme der Stepenitz sollen wieder an das heutige Flussbett angeschlossen werden. Quelle: Andreas König

„Die Trasse hier vor der großen Stepenitzwiese ist ökologisch bei weitem nicht so wertvoll und artenreich wie beispielsweise der Rehwischdeich“, sagt der Biotopexperte. Dennoch gilt es allerhand Getier davon abzuhalten, ins Baufeld zu hüpfen oder zu kriechen. Ökologisch herausragend waren mehrere Vorkommen der roten Waldameise. Biologin Christina Grätz von der Firma Nagola Re aus Jänschwalde in der Lausitz hat die geschützten Insekten aus der Gefahrenzone gebracht und in den umliegenden Waldgebieten wieder freigelassen. Ansonsten hat Peter Gruhn bisher einige Blindschleichen, Erdkröten, Waldeidechsen und Ringelnattern gefunden.

Viel Müll liegt in der Erde

Während der Bagger von Carsten Gutschmidt mit dem Wurzelzahn genannten Greifer weiter Stubben um Stubben rodet, wird einige hundert Meter weiter in Richtung Wiesen bereist für die Zeit nach dem Deichbau gearbeitet. Baggerfahrer Harald Selau, gleichfalls Mitarbeiter der Osterburger Baufirma, planiert den Verlauf des künftigen Stepenitzarms. Den Erdaushub fährt Norbert Zühlke von der Firma Osters und Voß ab und kippt ihn an vorher festgelegte Stellen ab. Dort sollen Erdmieten entstehen, die ihrerseits wiederum Kleingetier Lebensraum bieten.

Umwelt-Dienstleister Peter Gruhn überprüft einen Schutzzaun. Quelle: Andreas König

Unterdessen wächst die Zahl der Stubbenhaufen entlang der Deichtrasse immer weiter. Geradezu bizarr ragen die entwurzelten Baumreste in die Luft. Wo bereits Erde ausgehoben wurde, zeigt sich, dass der Boden in und um Breese seit Generationen gern dazu genutzt wurde, diversen Abfall darin zu vergaben. Wie im einige Kilometer entfernt gelegenen Bauabschnitt, der noch immer nach Bombenresten abgesucht wird, finden sich Bauschutt, alte Teppiche, Gerümpel und sonstiger Zivilisationsmüll in den Erdschichten. Auf der anderen Seite holt sich die Natur in geradezu atemberaubendem Tempo verlorenen Lebensraum zurück. „Schon kurz nach der Abholzung kamen Eidechsen und andere Kleintiere, die besonnte Plätze mögen“, erklärt Peter Gruhn. Hauptziel des Anschließens der Stepenitz-Altarme sei es, „Struktur in die Landschaf zu bekommen. Nur mit vielfältigem Gelände sei zu erreichen, dass auch eine vielfältige Flora und Fauna erhalten bleibt oder sich neu ansiedelt.

2020 soll alles fertig sein

Doch das vorrangige Ziel sämtlicher Bauarbeiten ist ein verbesserter Hochwasserschutz. Der jüngst begonnen Abschnitt soll verhindern, dass die Stepenitz – von Elbewasser angeschwollen – durch den Wald fließt und die Straße überflutet. 2013, im Jahr der letzten großen Flut, wäre genau das beinahe passiert, hätte nicht ein Bewohner des Ortes die ganze Nacht lang Sand auf die Straße gebaggert.

Das Gesamtvorhaben des kombinierten Deich- und Straßenbaus in Breese kostet 15 Millionen Euro, die Munitionsbergungskosten nicht mitgerechnet. Bis 2020 sollen sämtliche Arbeiten abgeschlossen sein.

Von Andreas König

Inzwischen hat sich der Einrichtungsleiter für die beiden Seniorenheime der Stephanus Wohnen und Pflege, Bernd Bartel, gut eingearbeitet. Er hatte Ralf Knacke abgelöst. Bartel ist es ein Bedürfnis, dass die Bewohner in Pritzwalk und Stepenitz sich wohlfühlen, „ein selbstbestimmtes und angenehmes Leben“ führen.

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