Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Prignitz „Xavier“ riss 300 000 Bäume in der Prignitz um
Lokales Prignitz „Xavier“ riss 300 000 Bäume in der Prignitz um
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 12.01.2018
Sturm Xavier entwurzelte in der Prignitz, hier an der B 107 südlich von Glöwen, über hundert Jahre alte Bäume. Quelle: Fotos (4): Andreas König
Anzeige
Bad Wilsnack/Gadow

Waldreich und Westgrenze: Diese beiden Faktoren führten dazu, dass die Prignitz vom verheerenden Sturmtief „Xavier“ am 5. Oktober am härtesten getroffen wurde. Ein Vierteljahr nach „Xavier“ haben die Oberförstereien Bad Wilsnack und Gadow die Schäden erfasst und zum Teil bereits mit dem Beräumen begonnen.

Doch wie viele Bäume entwurzelten, knickten und stürzten der Sturm und sein Nachfolger „Herwart“ um? „Wir gehen davon aus, dass die beiden Stürme, vor allem aber ’Xavier’, in der Prignitz 224 500 Festmeter Holz geworfen haben“, sagt Hans-Ulrich Seifert, der Leiter der Oberförsterei Bad Wilsnack. Das sind knapp 300 000 Bäume, wobei das Nadelholz und dabei vor allem die Kiefer mit 75 Prozent des Windbruchs den Löwenanteil stellen. „Getroffen hat es naturgemäß vor allem die Privatwaldbesitzer“, ergänzt Hans-Ulrich Seifert.

Vor allem starke Bäume betroffen

Bedauerlich sei, dass es vor allem starke Bäume getroffen hat, die noch in voller Blätterpracht standen. „Der Sturm kam ungewöhnlich früh im Jahr, was zur Folge hatte, dass die Bäume das Laub noch nicht abgeworfen hatten und dem Sturm damit mehr Angriffsfläche boten“, sagt der Forstfachmann.

Nach dem aktuellen Holzpreis haben die beiden Stürme Bäume im Wert von 11,4 Millionen Euro umgerissen. Inzwischen sind bereits die ersten 50 000 Festmeter eingeschlagen und gerückt, das heißt, zum Abtransport bereitgestellt worden. „Besondere Beihilfen oder Versicherungen gegen Elementarschäden gibt es für Waldbesitzer nicht“, erklärt Hans-Ulrich Seifert. Die Waldbesitzer müssen aus dem Ertrag des Holzverkaufs nicht nur die Schäden, sondern auch Lohnunternehmen und andere Nebenkosten begleichen.

Während sich die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaften in aller Regel eigener Mitarbeiter oder Lohnunternehmen bedienen, betreuen die Forstmitarbeiter auf Wunsch die Privatwaldbesitzer in ihren Revieren.

50 Prozent Laubwald betroffen

„Bei uns gibt es die Besonderheit, dass zu etwa 50 Prozent Laubwald betroffen ist“, sagt Bernd Kugler, Leiter der Oberförsterei Gadow (Amt Lenzen Elbtalaue). Da höhere Laubbäume vor allem als Schirm für die jüngeren Laubbäume dienen sollten, mit deren Hilfe der Wald umgebaut werden soll, hat der sturmbedingte Fall der Riesen in den Revieren der Oberförsterei Gadow auch vielfach Zäune niedergerissen. „Wir hatten gehofft, dass es auch für die Beseitigung dieser Schäden Fördermittel gegeben hätte, aber da ist wohl nichts vorgesehen“, bedauert Bernd Kugler.

Für die Prignitz wäre das besonders wichtig, denn kein Kreis in Brandenburg hatte unter den 2017er Herbststürmen mehr zu leiden. 112 000 Festmeter riss „Xavier“ allein im Bereich der Oberförsterei Bad Wil­snack. Damit ist sie landesweit die mit dem meisten „Windwurf“, wie es in der Forstsprache heißt. Auf Platz 2 folgt Gadow mit 92 000 Festmetern. Das Revier mit den drittmeisten Sturmschäden, Dippmannsdorf bei Bad Belzig, hat mit 40 000 Festmetern noch nicht einmal halb so viel Windwurf.

„Der Folgesturm ’Herwart’ warf im Bereich der Oberförsterei Gadow weitere 40 000 Festmeter“, wie Bernd Kugler sagt.

Hans-Ulrich Seifert, Leiter der Oberförsterei Bad Wilsnack. Quelle: Andreas Koenig

„Der Wald wird sich schon wieder erholen“, zeigte sich Hans-Ulrich Seifert optimistisch. Mit dem Durchforsten, also dem Schlagen hiebsreifer Bäume, sei man ohnehin noch nicht am Ziel. Aber die Wiederaufforstung sei ein gewisses Problem. „Verpflichtend ist sie für Waldbesitzer erst ab Flächen von 0,5 Hektar“, sagt Hans-Ulrich Seifert. „Dennoch wirtschaften wir immer noch in der Nachhaltigkeit.“ Das bedeutet, es wachsen mindestens so viele Bäume nach, wie gefällt werden. Daher spricht viel dafür, dass die sogenannte Naturverjüngung dafür sorgen wird, dass die Wälder wieder nachwachsen. Darunter versteht man das natürliche Nachwachsen junger Bäume auf freien Flächen. Dieses Naturphänomen machen sich die Forstleute seit jeher zunutze, um Bestände wieder aufzuforsten.

Sturm Xavier wütete in der Prignitz Quelle: Andreas König

Dennoch ist es schade um die vielen Bäume, die vor allem „Xavier“ auf dem Gewissen hat. „Viele von ihnen waren 120 Jahre und älter“, sagt der Leiter der Oberförsterei Bad Wilsnack.

Beräumt werden müssen die gefallenen Bäume ohnehin. „Jetzt in der kalten Jahreszeit gibt es zum Glück kein Problem mit Insekten“, sagt Hans-Ulrich Seifert. Doch bis April sollten die trockenen Stämme weitestgehend aus den Wäldern verschwunden sein. Sonst kann sich der Kiefernprachtkäfer, auch bekannt als Borkenkäfer, verstärkt darin ausbreiten. Und dessen massenhaftes Auftreten kann für eine waldreiche Gegend wie die Prignitz eine fast ebensogroße Bedrohung darstellen wie ein oder zwei wütende Herbststürme.

Von Andreas König

Der Rettungsdienst behandelte am Montagmittag in der Hamburger Straße in Perleberg eine Person mit dem Verdacht einer Kohlenmonoxidvergiftung. Daraufhin alarmierte man die Feuerwehr, um die Wohnung auf Gas zu überprüfen. Nach dem Hinzuziehen von Energieversorger und Schornsteinfeger konnte Entwarnung gegeben werden.

11.01.2018

Fünf Kampfhunde der Rasse Pitbull, die laut Polizei im Land Brandenburg nicht gehalten, gezüchtet oder verkauft werden darf, sollen in einer Gartenanlage in Meyenburg entdeckt worden sein. Polizisten und ein Hundefänger kümmerten sich um die Sicherung der Tiere.

08.01.2018

Weil er mehr als zwei Millionen unversteuerte und unverzollte Zigaretten aus Polen in Meyenburg und Umgebung verkauft haben soll, muss sich ein 50-jähriger Vietnamese derzeit vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Doch es kam nicht einmal zur Verlesung der Anträge.

11.01.2018
Anzeige