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Zahl der Obdachlosen in der Prignitz steigt

Awo betreut immer mehr Wohnungslose Zahl der Obdachlosen in der Prignitz steigt

Die Geschichten, die Dietra Schwarz erzählt, klingen wie aus dem Fernsehen: Sie betreut mit einer Kollegin im Awo-Kreisverband Menschen, die akut von der Wohnungsnot betroffen oder bereits obdachlos sind. Die Zahl derer, die in diesem Bereich Hilfe brauchen, sei in den vergangenen Jahren gestiegen, sagt sie.

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Nicht nur in Berlin, auch in der Prignitz verlieren immer mehr Menschen ihre Wohnung.

Quelle: dpa

Meyenburg/Pritzwalk. Menschen am unteren Rand der Gesellschaft – das sind die Klienten, die Dietra Schwarz und ihre Kollegin von der Obdachlosenbetreuung und präventiv aufsuchenden Sozialarbeit des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo) betreuen. Sie helfen, wenn der Rausschmiss aus der Wohnung droht. Die Frauen arbeiten landkreisübergreifend für einen Trägerverbund aus sieben Kommunen. Dietra Schwarz stellte ihre Arbeit im Meyenburger Ausschuss für Ordnung und Soziales vor. „Wir bedienen ein Klientel, das keine Lobby hat.“

2003 hat die Awo mit dieser Arbeit angefangen: Sie betreute 75 Klienten präventiv, hatte fünf in der Obdachlosenunterkunft und neun Wohnungsräumungen. „2015 hatten wir 258 Fälle im präventiven Bereich, neun Männer im Obdachlosenheim und elf Räumungen.“ Hauptaufgabe ist die Unterbringung und Betreuung von Wohnungslosen – und natürlich die Verhinderung von Obdachlosigkeit. Die Geschichten, die Dietra Schwarz erzählt, sind manchmal kaum zu fassen: „Das sind genau die Situationen, die man aus dem Fernsehen kennt.“ Die Fälle sind fast immer komplex: Mietschulden, Stromschulden, Gewalt in der Familie, Krankheit, Sucht – alles kommt zusammen.

Die Altersarmut wird steigen

Oft sei es die Unkenntnis darüber, wo man sich Hilfe holen kann. Gerade ältere Menschen lebten mitunter mit ganz wenig Geld – ohne zu wissen, dass sie einen Heizkostenzuschuss oder eine GEZ-Befreiung beantragen können. „Die Altersarmut wird steigen“, sagt die Einrichtungsleiterin. Es sind auch die „übrig gebliebenen Männer“, die völlig hilflos sind, weil sich die Frau um alles gekümmert hatte. Andere geraten durch ihre Sucht – Alkohol, Drogen, aber auch Spiel- oder Kaufsucht – in eine ausweglose Lage. „Arbeitslosigkeit macht krank“, weiß Dietra Schwarz.

Hilfe bei drohender Räumung

Die Obdachlosenbetreuung und präventiv aufsuchende Sozialarbeit bietet der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Prignitz für die Kommunen Groß Pankow, Gumtow, Plattenburg, Meyenburg, Putlitz-Berge, Pritzwalk und – kreisübergreifend – auch für Kyritz an.

Die Beraterinnen leisten Hilfestellung, um die Wohnungslosigkeit von vornherein zu verhindern, beim Verhandeln mit Vermietern, beim Ausschöpfen von zustehenden Leistungen oder der Abwendung von Freiheits- oder Ersatzstrafen. Sie beraten und betreuen wohnungslose Menschen, damit diese den Weg zurück in die Selbstständigkeit finden.

Ansprechpartnerin ist Dietra Schwarz, Hagenstraße 21 in Pritzwalk, Tel.  03395/ 40 01 12, Mail: schwarz@awo-prignitz.de.

Vor allem die Zahl der jungen Leute, die Hilfe brauchen, sei gestiegen. Dort setzt die Prävention der Awo-Mitarbeiterinnen an. „Für diese jungen Leute ist es normal, wenn schon morgens das Bier auf dem Tisch steht, sie können keine Forderungen erfüllen, die die Gesellschaft an sie richtet.“ Das bedeutet, sie können keine Ausbildung machen, keine Anträge ausfüllen oder sich anderweitig engagieren. „Viele der Betroffenen sind hoch verschuldet.“ Auch deshalb beziehen die Awo-Beraterinnen Fachdienste wie die Schuldnerberatung oder den sozialpsychiatrischen Dienst ein.

13 Plätze in Groß Pankow

Wenn alles nichts hilft, kommt der Klient ins Obdachlosenheim. Dafür stehen im Trägerverbund 13 Plätze in Groß Pankow zur Verfügung, von denen laut Dietra Schwarz aktuell neun belegt sind. Hier kommen auch Menschen unter, die eine Haftstrafe abgesessen haben. Denn wer in einer JVA sitzt, „wird spätestens nach einem halben Jahr obdachlos“, sagt die Beraterin. Nach der Haft eine Wohnung zu bekommen, sei schwer: „Auch wenn die Leute eine Arbeit haben, haftet ihnen immer der Makel Straftäter an.“

Nicht immer ist die Arbeit der Frauen erfolgreich, erzählt Dietra Schwarz. So mancher kommt am Ende in der Pflegeeinrichtung in Stepenitz unter. Andere lehnen jede Hilfe ab. Manchmal haben die Frauen aber Glück – wenn jemand am Ende wieder auf eigenen Füßen steht: „Davon zehren wir dann ganz lange“, so Dietra Schwarz.

Von Beate Vogel

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