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Zukunft des Schlosses unklarer denn je

Demerthin Zukunft des Schlosses unklarer denn je

Die Gemeinde Gumtow will in das im kommunalen Besitz befindliche, sanierungsbedürftige Schloss Demerthin kein Geld mehr stecken, nicht mal mehr für eine Nutzungs- und Sanierungsanalyse. Doch trotz des maroden Gebäudezustands suchen es regelmäßig etliche Touristen ganz bewusst auf.

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Doch nicht nur schwarze Wolken überm Schloss? Das Gebäude wird trotz seines Zustands regelmäßig von Touristen aufgesucht.

Quelle: Anja Schael

Demerthin. Eine Art lebende und offene Baustelle, so könnte man Schloss Demerthin derzeit beschreiben: Während Besucher auf über 400 Jahre alten, original erhaltenen Holzdielen durch die Ausstellungsräume laufen, sind gleichzeitig an Wänden und Decken vieler Räume die freigelegten Arbeiten der letzten archäologischen Untersuchung zu bestaunen. Und zur Ausstellung, den archäologischen Ergebnissen wie auch allgemein zur momentanen Situation des Schlosses ist auf regelmäßig stattfindenden Führungen viel zu erfahren. Diese finden vor allem in den warmen Monaten statt und werden vom Verein Prignitz-Dorf Demerthin organisiert.

Ehrenamtliche können Öffnungszeiten oft nicht abdecken

Nachfrage ist durchaus vorhanden. Mit einem Reisebusunternehmen gibt es Absprachen hinsichtlich der Besichtigungstermine. Darüber hinaus findet immer wieder Laufkundschaft den Weg. „An einem Wochenende im Sommer sind gut 20 bis 30 Leute spontan hier. Oftmals sind das Wander- und Radgruppen, die Halt machen. Wir arbeiten ja alle ehrenamtlich und können die Öffnungszeiten manchmal gar nicht mehr abdecken“, erzählt Eckhard Zempel, der sich um die Führungen kümmert und wie kaum ein Zweiter eine Menge über das Schloss zu berichten weiß. Ob es die historischen Hintergründe sind, durchgeführte Sanierungsmaßnahmen oder aktuelle Veranstaltungen, fast alle Fragen kann er beantworten. Dennoch gibt es da auch diese eine Frage, für die selbst Zempel keine Antwort hat: Die Frage nach der Zukunft des Schlosses.

Es gab zwar in der Vergangenheit verschiedene Überlegungen zur zukünftigen Nutzung, doch ohne ausreichend finanzielle Mittel lässt sich nichts realisieren. Zudem steht das Gebäude unter Denkmalschutz, so dass es Auflagen einzuhalten gilt, „die wiederum für potenzielle Käufer abschreckend wirken können“, wie Eckhard Zempel mutmaßt: „Es müsste zum Beispiel ein zweiter Fluchtweg geschaffen werden. Nur, wie soll der umgesetzt werden?“

Ein Blick an die Decke genügt, um zu wissen, wie es um das gesamte Gebäude bestellt ist

Ein Blick an die Decke genügt, um zu wissen, wie es um das gesamte Gebäude bestellt ist.

Quelle: Anja Schael

Demerthins Schloss ist eines der wenigen Renaissanceschlösser mit so viel original erhaltener Bausubstanz und zählt gerade deswegen zu den 25 wichtigsten Schlössern im Land Brandenburg. Trotz seiner Bedeutung als historisch überaus wichtiges Gebäude konnten sich die Gemeindevertreter auf ihrer letzten Sitzung nicht dazu durchringen, erneut Geld für das Schloss lockerzumachen. Dieses wäre notwendig, um eine Sanierungs- und Nutzungsanalyse in Auftrag zu geben. Verständnis für diese Entscheidung kann Eckhard Zempel durchaus aufbringen: „Wo soll das Geld denn zuerst hin verteilt werden? Alle haben irgendein Anliegen, für das sie Geld brauchen. Ob Schule oder Feuerwehr. Und das Schloss ist für die Öffentlichkeit und Gemeinde nicht so wichtig wie andere Einrichtungen.“

Mit dem Konzept allein wäre es ohnehin nicht getan

Zudem wäre es mit dem veranschlagten Eigenanteil der Gemeinde von rund 1000 Euro für die Analyse auch nicht getan. Spätestens, wenn es konkret an spezielle Baumaßnahmen ginge, müssten wieder Gelder bereitgestellt werden – in deutlich höherem Umfang. So akut gefährdet sei das Schloss ja aber nicht, wie Zempel sagt: „Nach der letzten Sanierung kann das Schloss so, wie es jetzt ist, auch die nächsten 200 Jahre stehen bleiben. Klar, der Putz bröckelt erneut ab, die Zeit dafür ist ja auch rum. Aber das Schloss hat ein neues Dach, das Portal wurde hergerichtet.“

Vielleicht finde sich ja aber doch schon eher jemand, der eine Menge Geld übrig hat und „sich in das Schloss verliebt“. Zempel wünscht sich dann jedenfalls „eine denkmalgerechte Nutzung, die der Geschichte und der Öffentlichkeit gerecht wird und die das Schloss über die nächsten Jahrhunderte bringt“.

Bis es so weit ist, bietet es sich weiterhin an, aus der Not eine Tugend zu machen und die Besucher in den aktuellen Stand der Sanierung mit einzubeziehen: „So, wie die verschiedenen alten Wandbemalungen derzeit noch über- und nebeneinander zu sehen sind, das gibt es kaum woanders.“

Von Anja Schael

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