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Zweifache Mutter wegen Brandstiftung im Gefängnis

Brände in Wittenberge Zweifache Mutter wegen Brandstiftung im Gefängnis

Im Sommer 2017 brannte es wieder und wieder in Wittenberge. Mehr oder weniger durch Zufall wurde eine Frau auf frischer Tat ertappt. Für das Landgericht Neuruppin steht fest, dass die heute 40-Jährige diejenige war, die für die Brandserie in Innenstadt verantwortlich ist. Sie verurteilte die zweifache Mutter, die die Taten bestritten hatte, zu sechseinhalb Jahren Gefängnis.

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Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Wittenberger Bahnstraße

Quelle: Feuerwehr Wittenberge

Wittenberge/Neuruppin. Für Oberstaatsanwalt Andreas Pelzer war klar: Niemand anderes als Sylvia S. war diejenige, die mit ihren Brandstiftungen einen ganzen Stadtteil von Wittenberge in Angst und Schrecken versetzte.

Für sechseinhalb Jahre ins Gefängnis

Das sah die dritte große Strafkammer des Landgerichts Neuruppin genauso. Sie verurteilte die 40-Jährige am Freitag für zehnfache Brandstiftung zu einer Gesamtstrafe von sechseinhalb Jahren. Lediglich vom Vorwurf, den Brand am 10. April 2017 in der Bäckerstraße gelegt zu haben, sprach das Gericht die Angeklagte frei.

„Die Tat weicht vom übrigen Tatbild ab und liegt zeitlich deutlich vor den anderen “, sagte die Vorsitzende Richterin Grit Burzer. Demnach begannen die Brandstiftungen am 14. Mai 2017 und hörten erst auf, als Sylvia S. einen Monat später erwischt und festgenommen wurde. Jedenfalls endeten die Brände, die die Handschrift der Angeklagten trugen.

Brände in Wittenberge endeten mit der Verhaftung der Angeklagten

„Nach ihrer Festnahme gab es in dieser Art und Weise keine Brände mehr in Wittenberge. Das ist ein Indiz dafür, dass auf der Anklagebank keine Unschuldige sitzt“, sagte Pelzer. Als solche hatte sie sich vor Gericht darstellen wollen.

Stoffreste, die an einem Brandort gefunden wurden, hatte sie zwar als abgelegte Kleidung ihrer Töchter, die sie im Keller aufbewahrt hatte, wieder erkannt. Ihre Version, dass ihr die Sachen gestohlen worden seien, glaubte ihr das Gericht nicht. Auch nicht ihre Geschichte, wie es zu dem Feuer kam, bei dem sie letztendlich ertappt worden war. Das sei aus Versehen passiert, durch eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe, die zufällig auf ihrer mit Papier und Stoff gefüllten Tasche landete. Auch dass die Brände in ihrer räumlichen Nähe waren, sprach für sie als Täterin. Als sie in der Wohnung ihrer Mutter übernachtete, brannte es dort. „Es brennt ausgerechnet dort, wo sich die Angeklagte gerade aufhält“, so Pelzer. Das alles sei kein Zufall.

Motiv für die Brandstiftungen liegt im Dunkeln

Was die 40-Jährige, die bisher unbescholten durchs Leben gegangen ist, zu den Taten bewegt hat, darüber konnten Gericht und Staatsanwaltschaft nur Vermutungen anstellen. War es Frust, wie sie es bei der Polizei gesagt hatte? Ihre Arbeit wurde ihr gekündigt, sie hatte Streit mit dem Nachbarn, die jüngste Tochter zog aus, in der Liebe lief es nicht wie erhofft, die Mutter bedurfte zunehmend mehr Pflege: „Das sind alltägliche Probleme, die viele andere auch zu verarbeiten haben“, sagte Pelzer.

Auch das Gericht rätselte über ein mögliches Motiv. Durch die Brände in ihrer Wohnortnähe habe die Angeklagte Aufmerksamkeit von ihren Töchtern bekommen, die sich besorgt zeigten. Doch „letztlich wissen wir es nicht genau“, sagte Richterin Grit Burzer.

Enorme Schäden

Durch die Taten kam es zu massiven Sachschäden, in einem Fall waren es 100 000 Euro. 37 Menschen mussten evakuiert werden. „Hier ging es nicht darum, mal jemandem einen Schrecken einzujagen, sondern gezielt Häuser anzuzünden“, so Pelzer Es sei nur glücklichen Umständen zu verdanken, dass die Brände relativ schnell entdeckt wurden, bevor Menschen ernsthaft zu Schaden kamen. Der Staatsanwalt beantragte eine Strafe von acht Jahren, die Verteidigerin, die nur die letzte Tat für bewiesen hielt, eine Bewährungsstrafe.

„Bei der Gesamtschau aller Umstände haben wir keinen Zweifel, dass Sylvia S. die Täterin war. Sie hat zehn Verbrechen begangen. Deshalb kam eine zu milde Strafe nicht in Frage“, sagte Burzer.

Von Dagmar Simons

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