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Zweite Chance für Storchenküken

Wernikow Zweite Chance für Storchenküken

Die eigene Mutter soll zwei ihrer Storcheneier absichtlich aus dem Nest in Wernikow geworfen haben. Ein Ei blieb am Boden heil, es soll nun künstlich ausgebrütet werden. Ob das Küken eine Chance hat und was dann mit ihm passieren könnte, darüber berichtete Angie Löblich von der Wildtierauffangstation Struck im Gespräch mit der MAZ.

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Die Tat mit der Webcam aufgezeichnet: Ein Ei hat den Rauswurf aus dem Storchennest nicht überstanden und ist zerbrochen.

Quelle: privat

Wernikow/Struck. Von Osterbräuchen schien diese Storchenmutter in Wernikow wenig zu halten. Am Ostersonntag hatte das Tier zwei seiner Eier aus dem Nest geworfen – wahrscheinlich mit Absicht, wie Aufnahmen einer Webcam nahelegen. Anwohnerin Christina Tißen hatte die beiden Eier auf der Wiese unter dem Nest gefunden, eines war bereits zerbrochen. „Ich habe beim Durchstöbern der Webcambilder beobachtet, wie die Storchenmutter die Eier aus dem Nest geworfen hat“, sagte die Wernikowerin.

Für das zweite Ei war es hingegen noch nicht zu spät. Christina Tißen hatte noch am selben Tag die Wildtierauffangstation Struck bei Meyenburg über den Fund informiert. „Die haben das Ei abgeholt und wollen es nun künstlich ausbrüten lassen“, berichtete Tißen.

Für die Wildtierauffangstation ist das künstliche Ausbrüten von Vögeln nichts Neues. „Bereits im vergangenen Jahr hatten wir vier Meiseneier ausbrüten lassen", blickt Mitarbeiterin Angie Löblich zurück. Aus drei der vier Eier seien dann tatsächlich kleine Meisen geschlüpft. Ein Mann aus Waren an der Müritz hätte die Eier vorbeigebracht.

Ein Ei hat den Rauswurf nicht überstanden

Ein Ei hat den Rauswurf nicht überstanden.

Quelle: privat

Dass die Station, die es seit 2013 in Struck gibt, nun ein Storchenei ausbrüten lassen will, ist Angie Löblich zufolge aber neu. „Nach zehn Tagen sehen wir erst, ob das Ei wirklich befruchtet wurde“, erklärt sie. Wenn nicht, sei alle Müh’ vergebens gewesen. Sollte es jedoch gelingen, den kleinen Storch schlüpfen zu lassen, könne er nach sechs bis acht Wochen in ein Storchennest zu anderen Küken gesetzt werden. „Störche könne nicht zählen und ihren Nachwuchs auch nicht riechen“, sagt die Stationsmitarbeiterin. So könne es gelingen, das Tier von Storcheneltern aufziehen zu lassen – vielleicht sogar von den eigenen in Wernikow. Mit jedem anderen Vogel könne man das jedoch nicht machen. „Den würden die Storcheneltern dann wahrscheinlich töten“, vermutet Angie Löblich.

120 Wildtiere leben gerade in Struck

Erfahrungen mit aus dem Nest geworfenen oder gefallenen Storchenküken hat die Wildtierauffangstation reichlich, wie Angie Löblich berichtet. Jedes Jahr würden zahlreiche Küken aufgepäppelt. Übrigens nicht nur Störche, auch Eulen, Schwäne oder Greifvögel. Darüber hinaus noch Wildsäugetiere wie Eichhörnchen, Marder oder Waschbären. „Die dürfen wir allerdings nicht wieder auswildern“, informiert Angie Löblich. Und weil die Tiere deshalb dauerhaft in der Station leben müssten, würden keine weiteren Waschbären mehr aufgenommen.

Das heile Ei wird gerade künstlich ausgebrütet

Das heile Ei wird gerade künstlich ausgebrütet.

Quelle: privat

Insgesamt leben in der Wildtierauffangstation Struck derzeit an die 120 Tiere. Neben den Waschbären sind auch drei Störche Dauergäste bei Angie Löblich. „Die drei Vögel haben Kippflügel“, sagt sie. Diese machten sie fluguntauglich und darum nicht auswilderungsfähig. „Sowas bekommt man bei Jungtieren mit Bandagen möglicherweise wieder hin“, erklärt die Tierexpertin. Doch diese drei Störche seien zum Zeitpunkt der Aufnahme in Struck schon fast ausgewachsen gewesen.

Ob der kleine Storch aus dem Wernikower Ei auch auf natürliche Weise groß wird oder ob er überhaupt zur Welt kommt, das will Angie Löblich die kommenden Tage beobachten. „Es wäre schön, wenn der kleine Storch es schaffen und dann quer durch die Welt wieder zurück in die Prignitz fliegen könnte“, sagt sie.

Von Christian Bark

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