Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Putzen im Geschichtsunterricht

Glanz für Oranienburger „Stolpersteine“ Putzen im Geschichtsunterricht

59 „Stolpersteine“ hat der Kölner Künstler Gunter Demnig inzwischen in Oranienburg verlegt. Sie erinnern an jüdische Menschen der Stadt, die von den Nazis deportiert und ermordet worden sind und wo sie gewohnt haben. Damit man auch weiter über ihre Geschichte stolpert, reinigen Schüler des OSZ in Oranienburg die kleinen Erinnerungssteine regelmäßig. So auch am Montag.

Voriger Artikel
Diskussion über Zukunft der Arbeit 4.0
Nächster Artikel
Zug auf den Namen „Oranienburg“ getauft

Sarah Schabanowski, Sarah Schumann, Klara Brajeska und Mathilde Schmohl (v. l.) bildeten eines von vier Schülerteams, die gestern in Oranienburg als „Stolperstein-Putzer“ unterwegs waren.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Mit einer Tube „Elsterglanz“, Schwamm und Wasser brachten Sarah, Mathilde, Klara und Sarah gestern unter anderem die „Stolpersteine“ vor dem Kreistagsgebäude in der Havelstraße 6 wieder zum Glänzen. Um anschließend eine Rose niederzulegen. Geschichtsunterricht der anderen Art für die Schülerinnen der 12. Klasse mit Lehrer Axel Knust, der am Georg-Mendheim-Oberstufenzentrum Englisch und Geschichte unterrichtet.

Seit 2005 erinnern in Oranienburg, Lehnitz und Freienhagen „Stolpersteine" an jüdische Frauen und Männer, die einst in der Stadt zu Hause waren und in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet worden sind. Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat inzwischen 59 dieser Erinnerungssteine vor ihren ehemaligen Wohnhäusern in Oranienburg verlegt – und ist mit seiner Idee der „Stolpersteine“ längst bundesweit unterwegs.

Auf den zehn mal zehn Zentimeter großen Messingplatten, befestigt auf Pflastersteinen, ist der Name der Menschen eingraviert und wo und wann sie ihr Leben verloren. Sofern das bei den Recherchen in Erfahrung gebracht werden konnte. In der Havelstraße 6, wo heute der Kreistagssaal steht, waren einst Therese Mannheim und ihre Kinder Günther und Gerda zu Hause.

Zweimal im Jahr putzen Schüler des OSZ, aber auch Mitglieder der Oranienburger SPD und der Linken die Erinnerungssteine. Initiiert hatte das Projekt einst der Förderverein für interkulturelle Bildung und Begegnung Fibb und das Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt. Minette von Krosigk ist seit Beginn „das Gesicht“ und Hauptförderer der Aktion. Auch gestern begleitete sie die Schüler des OSZ, die sich in vier Teams aufgeteilt hatten, um alle Stolperstein in der Stadt zu putzen.

Vor Kurzem hatte Minette von Krosigk an den Bürgermeister geschrieben mit der Bitte, das Projekt allmählich in die Hände der Stadt legen zu können: „Es ist ihre ureigenste Geschichte“. Hintergrund: Minette von Krosigk möchte sich altersbedingt allmählich zurückziehen. Und sie lebt in Berlin. Dass sie dem Projekt Stolpersteine trotzdem gewogen bleibt, belegt ihr weiteres Engagement: Die Geschichte eines weitere Oranienburgers ist recherchiert, an ihn soll möglichst ab 2017 ein Stein erinnern. „Und man sollte überdenken, ob nicht nur der Toten, sondern auch der Geflüchteten von Oranienburg auf diese Art und Weise gedacht werden sollte“, so von Krosigk.

Bürgermeister Laesicke hat signalisiert, natürlich das Projekt weiterzuführen. Schon bisher hatte der Stadthof die Steine-Verlegung begleitet. Das Putzen im Frühjahr und Herbst obliegt weiter den Schülern des OSZ, in der Stadt ist das Tiefbauamt zuständig.

Von Heike Bergt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg