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Schnürbrüste und andere Modetrends

Königs Wusterhausen Schnürbrüste und andere Modetrends

Kostümhistorikerin Marita Müller spricht über „Manteau, Rock und Mieder“ und Männer als Modegecken im Schloss Königs Wusterhausen. Dazu beleuchtet sie modische Vorlieben in Preußen vor 300 Jahren.

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Marita Müller und Kostümmodel Tina Raccah demonstrierten die Ober- und Unterkleidmode der Barockzeit.

Quelle: Uta Schmidt

Königs Wusterhausen. Spitzen, Schleifchen, Rüschen und Manschetten waren unverzichtbare Modeattribute für adlige Damen und Herren in der Zeit des Hochbarock. In einem unterhaltsamen Vortrag über Modetrends an europäischen Höfen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beschäftigte sich die Berliner Kostümhistorikerin Marita Müller unter dem Motto „Manteau, Rock und Mieder“ mit den modischen Vorlieben in Preußen vor 300 Jahren. Anhand von ausgewählten Gemälden aus dem Schloss Königs Wusterhausen beleuchtete sie vor allem die Mode der Gattin des Soldatenkönigs, Sophie Dorothea, sowie der Prinzen und Prinzessinnen.

Als Kind am Hofe von Hannover habe Sophie Dorothea (1687 bis 1757) bereits von der Mode, die damals unter dem französischen König Ludwig XIV. üblich war, erfahren, so Müller. Zu den wichtigsten Kleidungsstücken dieser Zeit gehörten das mantelartige Oberteil Manteau sowie Rock und Mieder, die sich allerdings – ebenso wie Stoffe, Farben und Zubehör – im Laufe der Barockzeit stark verändert hätten. „Die Modegecken dieser Zeit waren vor allem die Männer“, so Müller zu ihrem Ausflug in die Kostümgeschichte und zunächst die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg. Erst mit der Bildung stehender Heere sei die Uniform auch als Staatsrobe hoffähig geworden. Dazu gehörten Weste und große Aufschläge sowie Kniebundhosen aus edlen Stoffen. Die Damen hätten diesen Trend aufgenommen. Ihre Röcke wurden zudem hüftbetont, sie trugen Reifröcke und Mieder, die optisch die Taille verlängerten.

Doris Schreiter-Schulze und weitere Besucher hatten Spaß an der historischen Modenschau und dem hautnahen Anblick einer „Schnürbrust“

Doris Schreiter-Schulze und weitere Besucher hatten Spaß an der historischen Modenschau und dem hautnahen Anblick einer „Schnürbrust“.

Quelle: Uta Schmidt

Zur Illustration hatte Müller auch das Kostümmodel Tina Raccah mitgebracht, das die komplette modische Ausstattung von Unterkleidern über Schuhe und Hüte bis zur Obergarderobe vorführte. Dazu war sie in ein geblümtes Watteau-Kleid geschlüpft, demonstrierte, wie der Manteau gegen ein Schößchenjäckchen getauscht und der Rock auch mal noch oben gerafft werden konnte. „Kreativität der Trägerinnen war damals schon üblich, um die Kleider immer wieder abzuwandeln“, sagte Müller. Kleider und Stoffe seien kostbar gewesen. Die Historikerin, die selbst historische Kleider für Museen, Bühnen und Tanzstücke entwirft und näht, weiß als Mitglied der Tanzgruppe „Passi nel Tempo“ und des Vereins „Maison Voltaire“ zudem genau, wie sich diese Roben tragen und welchen Aufwand Frau betreiben musste, um sich zu stylen. Beim Schlossfest in Königs Wusterhausen 2011 führte sie ebenso Kostüme und Tänze der Barockzeit vor.

Für die meist weiblichen Zuhörerinnen war der Rückblick auf Modetrends vor 300 Jahren ein großes Vergnügen. Hautnah konnten sie den Aufbau von Miedern und Schnürbrust, dem späteren Korsett, in Augenschein nehmen. Und der achtjährigen Janik staunte nicht schlecht, dass die Prinzen und Prinzessinnen in der Barockzeit wie kleine Erwachsene gekleidet wurden und Knaben am Hofe bis zum fünften Lebensjahr Mädchenkleider tragen mussten.

Von Uta Schmidt

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