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So von oben zu schauen

Familie Sperlich und ihr Riesenrad So von oben zu schauen

Noch bis zum Sonntag bietet es den besten Blick über Oranienburg: Das 30 Meter hohe Riesenrad der Schaustellerfamilie Sperlich aus Lutherstadt Wittenberg. Sie sind damit seit fünf Jahren bundesweit unterwegs. Gebaut ist es in Italien. Enrico Sperlich hat es mit entworfen.

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Alexandra und Enrico Sperlich mit Tochter Shirley (r.). Sohn Joel ist in der Comeniusschule

Quelle: Robert Roeske

Oranienburg. In Sachen Oranienburger Skyline macht das Riesenrad von Familie Sperlich dem Nicolai-Kirchturm derzeit Konkurrenz. Noch bis zum Sonntag ist die Schaustellerfamilie aus Zahna-Elster auf dem Schlossplatz anzutreffen: die Eheleute Enrico und Alexandra und ihre Kinder Shirley und Joel (9). „Wir sind eine uralte Zirkusfamilie. In der fünften Generation. Mein Großvater war noch Artist“, erzählt die 19-jährige Shirley.

Wie so ein Tag unter Riesenrad aussieht? Als erstes muss Joel in die Schule. Diese Woche in die Comeniusschule. Anfangs sei ihm der ständige Schulwechsel schwer gefallen, heute sei er meist der Liebling in jeder Klasse, „alle wollen Joel behalten“, sagt Mutti Alexandra stolz. Vormittags geht es für sie zum Einkauf, dann kocht die Chefin für die Familie und die drei Angestellten. Es ist Wäsche zu waschen und zu bügeln im Wohnwagen am Hafen. Derweil werden die Trucks gewaschen, die Scheiben der Riesenradgondeln geputzt. Dann beginnt der Dienst im Kassenhaus bis zum Abend.

25 Jahre hatten Sperlichs einen Grill-Imbiss. Irgendwann hielten sie den ewigen Bratwurstgeruch und Holzkohlequalm nicht mehr aus. Etwas Neues musste als Lebensgrundlage her. In der Schweiz verliebten sie sich in ein Riesenrad. Als der Besitzer dann doch nicht verkaufen wollte, ließen sie ihres im italienischen Melara in Venetien bauen. 30 Meter hoch. Enrico Sperling hat die Technik so verfeinert, dass alles auf drei Trucks passt. Ehefrau Alexandra hat die 20 bunten Gondeln entworfen, die man von drinnen noch ums sich selbst drehen lassen kann. Die Glasscheiben sind seit fünf Jahren Pflicht. Trotz aller Hightech: Der Aufbau dauert zwölf Stunden, der Abbau sieben. Eine verantwortungsvolle Sache. „Da muss jeder Handgriff sitzen, damit nichts passiert“, weiß die Chefin.

Seit fünf Jahren sind sie nun zwischen Rügen, Fehmarn, Stuttgart und Bayern auf Tour. Eine Million Euro hat das Riesenrad gekostet. Bis das abgezahlt ist, muss es sich noch eine Weile drehen. Und so passt Alexandra auch auf, dass da nachts angetüdelte Bierzeltgänger nichts zerstören: „Die schmeiße ich dann raus“, sagt sie resolut.

Nur drei Monate im Jahr lebt die Familie in ihrem Haus in Zahna-Elster, das von beiden Hochwasserfluten 2002 und 2012 heimgesucht wurde: „Zweimal haben wir es von den Grundmauern aus wieder aufbauen müssen.“ Wenn der Winter vorbei ist, im März die Sonne scheint, „dann kribbelt’s, zieht es uns wieder los“, sagt Tochter Shirley, die sich ein anderes Leben nicht vorstellen kann. Sie betreibt bereits einen eigenen Wagen für Crepes und Donuts. Ob sie selbst schon einen Blick auf Oranienburg geworfen haben? „Eigentlich sehen wir uns jede Stadt von oben an“, sind sich Mutter und Tochter einig. Sie wollen es heute nachholen.

Von Heike Bergt

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