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10 Jahre Wohngruppe für Kinder und Jugendliche

Rangsdorf 10 Jahre Wohngruppe für Kinder und Jugendliche

In Rangsdorf kümmert sich seit zehn Jahren ein Verein um Kinder, deren Eltern mit der Erziehung überfordert sind. Die Betreuer geben ihnen im Zuhause auf Zeit Geborgenheit und Normalität. Und sie sorgen für klare Regeln und Strukturen. Ab September soll das Angebot um eine zusätzliche Wohngruppe vergrößert werden.

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Jörg Jankowiak (3. v. l.) und Hans-Jürgen Beck (3. v. r.) leiten die Wohngruppe für Kinder und Jugendliche in Rangsdorf.

Quelle: Christian Zelke

Rangsdorf. Zwei Einfamilienhaushälften, ein Garten, in dem Tomaten wachsen, und ein großer Pool, in dem Kinder schwimmen – Normalität in Rangsdorf. Doch die Erwachsenen heißen hier Betreuer, die Kinder haben eigentlich eine Familie, doch sie leben nicht bei ihr. Seit zehn Jahren gibt es die Wohngruppe des Vereins Jobs.

Fünf Betreuer für acht Kinder

Jörg Jankowiak leitet die Einrichtung. Der 50-Jährige bezeichnet sich selbst als „Ersatzpapa“. Er ist einer von fünf Betreuern, die sich um die acht Kinder und Jugendliche im Altern von neun bis 18 Jahren kümmern. In den ersten Jahren kamen viele aus Berlin, mittlerweile sind die meisten aus Teltow-Fläming. Alle von ihnen haben eine besondere Vorgeschichte.

Pflegekinder in Teltow-Fläming

154 Kinder wurden 2014 im Kreis in Vollzeitpflegeeinrichtungen betreut, 199 in Heimen. 152 Kinder sind in 115 Pflegefamilien untergebracht, so der Jugendhilfebericht 2015.

788 junge Menschen und Familien erhielten im Jahr 2014 Hilfen zur Erziehung.

In 117 Fällen hat das Jugendamt 2014 Kinder in Obhut genommen.

Das Jugendhilfebudget des Landkreises ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen – von 43,5 Millionen Euro im Jahr 2011 auf 50,3 Millionen Euro 2014. Das ist ein Zuwachs um 15,5 Prozent

Mehr als ein Viertel des Budgets entfällt auf Erziehungshilfe, Eltern- und Erziehungsberatung sowie vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.

In der Vergangenheit waren sie häufig verhaltensauffällig, einige neigten zu Gewaltausbrüchen, litten unter Essstörungen oder waren selbstmordgefährdet. Wenn Eltern mit der Situation überfordert sind, schalten sie im besten Fall das Jugendamt ein, das die Kinder dann an Pflegefamilien oder eben Wohngruppen wie in Rangsdorf vermittelt. „Wir versuchen, sozialen Alltag zu leben“, erklärt Jörg Jankowiak seine Arbeit.

Erzieher geben den Kindern Struktur

„Familienanaloge Erziehung“, heißt das im Pädagogen-Deutsch und ist letztlich das, was man sich unter einem normalen Alltag vorstellt. „Wir wecken die Kinder morgens und frühstücken gemeinsam. Dann geht es zur Schule“, sagt der gelernte Erzieher und Sozialarbeiter. Am Nachmittag erledigen alle ihre Hausaufgaben, bevor sie Fernsehen, Computerspielen oder Sport machen. Nicht wenige der Bewohner haben oft monatelang keine Schule mehr besucht. Doch schwänzen gilt nicht. „Wir geben Struktur und sind konsequent. Genau das fehlt bei den meisten“, sagt Jankowiak. In der Wohngruppe gelten für alle die gleichen Regeln und das funktioniere bestens.

Überforderung auch in vermeintlich guten Elternhäusern

Die Kinder stammen keineswegs nur aus schwierigen Verhältnissen. Immer häufiger sind scheinbar gute Elternhäuser mit der Erziehung überfordert. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Trennung, Umzug, gesundheitliche Probleme – die sensiblen Seelen von Kindern und Jugendlichen nehmen größeren Schaden daran als die der Erwachsenen. Dazu kommt die immer unübersichtlichere Gesellschaft und die Ablenkung durch Internet und Computerspiele. „Zuviel ist nicht gut“, sagt Jörg Jankowiak. Deshalb gebe es in der Wohngruppe auch beim Medienkonsum klare Regeln. „Manchmal muss man penetrant sein und auch schon mal die Stimme erheben“, sagt er. Sanktionen wie Handy- oder Spieleverbot ziehen in den meisten Fällen.

In erster Linie wird Geborgenheit vermittelt

In erster Linie gehe es aber darum, den Kindern Geborgenheit zu vermitteln. Die Betreuer setzen auf gemeinsame Aktivitäten, wie gemeinsame Ausflüge und Urlaub in der großen Gruppe. „Unser Ziel ist für jeden ein Schulabschluss oder eine Ausbildung. Sie sollen selbstbewusst sein, wir wollen keine Duckmäuser“, sagt Jörg Jankowiak. Wenn die Jugendlichen mit spätestens 18 Jahren die Wohngruppe verlassen, sollen sie sich selbst im Leben zurechtfinden. Das stelle oft das größte Problem dar. „Wir würden uns eine Möglichkeit zur Nachbetreuung wünschen, damit niemand durchs Raster fällt“, sagt er. Ohne Hilfe seien viele bei der Suche nach Arbeit und Wohnung oft überfordert. Weil es immer mehr betroffene Kinder gibt, eröffnet der Verein im September ein neues Haus in Dahlewitz.

Von Christian Zielke

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