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1159 Züchter von Stallpflicht betroffen

Dahmeland-Fläming 1159 Züchter von Stallpflicht betroffen

Als Vorbeugung gegen den Vogelgrippe-Virus H5N8 ist in den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald gebietsweise eine Stallpflicht erlassen worden. Verhängt wurde die Stallpflicht bisher nur in Gebieten mit vielen Zugvögeln oder mit starker Geflügelkonzentration. Betroffen sind trotzdem mehr als 1000 Züchter und Halter.

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Stallpflicht gilt in betroffenen Gebieten auch für Gänse.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. Mario Schwanke ist beunruhigt. Seit Tagen liest er von der Vogelgrippe. Erst waren es verendete Wildvögel am Plöner See, bei denen das H5N8-Virus nachgewiesen wurde, dann Schwalben am Bodensee, letztlich mussten 30 000 Tiere in einem norddeutschen Betrieb gekeult werden.

Schwanke, Chef der Jüterboger Agrargenossenschaft, hat 800 Weidemastgänse, die wichtig für das Weihnachtsgeschäft sind. Die Gänse verbringen ihre Tage üblicherweise auf der Weide, und Schwanke könnte ihnen das auch weiterhin erlauben. Der Landkreis hat zwar am Montag Risikogebiete ausgewiesen, innerhalb derer Geflügel im Stall zu verschwinden hat. Jüterbog gehört aber nicht dazu.

Schwanke lässt die Gänse dennoch im Stall. „Wir haben Angst, dass sie geschlachtet werden müssen“, sagt er. Die Stallhaltung sei zwar mühsam und auch für die Tiere nicht schön. Sie müssen auf Diät gesetzt werden, weil sie nur mit Mastfutter schnell zu fett werden. „Das ist ein Mehraufwand“, sagt Schwanke. Aber nichts im Vergleich zu einem H5N8-Fall im eigenen Bestand.

Für Vögel gefährlich, für den Menschen wohl nicht

Der H5N8-Virus, darauf weisen Veterinärämter und das Bundesinstitut für Risikobewertung hin, ist für Vögel hochansteckend. Eine Übertragung auf Menschen ist nicht nachgewiesen und unwahrscheinlich. Die Gefahr besteht eher darin, dass bei einem Befall ganze Bestände gekeult werden müssen, was bei Zuchtbetrieben schnell zu fünfstelligen Zahlen und hohen Verlusten führen kann. Deshalb wurden sowohl Gebiete zu Risikozonen erklärt, in denen Zugvögel rasten, als auch solche, in denen es viel Geflügel gibt. In diesen Gebieten müssen alle Tiere in den Stall, egal ob es sich um zwei Hühner eines Kleingärtners oder eine Zuchtanlage handelt. Betroffen sind in Teltow-Fläming 420, in Dahme-Spreewald 739 Geflügelhalter.

Stark betroffen ist die Region um Königs Wusterhausen, wo 2,3 Millionen Stück Geflügel gehalten werden, und wo mit der Bestenseer Landkostei GmbH einer der größten deutschen Hühnerei-Produzenten sitzt. Geschäftsführer Richard Geiselhart musste in der vorigen Woche reagieren. Die Tiere in Bestensee und Umgebung leben zwar alle in Ställen. Landkostei produziert auch Freiland-Eier in Mecklenburg-Vorpommern.

Dort wurde am Donnerstag die Aufstallung angeordnet. „Die Hühner sind jetzt in einem Stall mit einem Kaltscharr-Raum untergebracht“, sagt Geiselhart. Die Eier können trotzdem zwölf Wochen lang als Freiland- oder Bio-Eier verkauft werden. Erst danach müssten sie als Bodenhaltung deklariert werden. „Wir gehen davon aus, dass das Thema in spätestens sechs Wochen erledigt ist, dann sind die Zugvögel weg und die Gefahr sinkt.“

Halter bleiben entspannt

Generell scheinen die Halter entspannt zu reagieren. Die Rassegeflügelzüchter halten an ihrer Kreisschau in Luckau fest, Gänsebauer Mario Huschke aus Gräbendorf vertraut auf die Schutzwirkung eines Wintergartens am Gänsestall, die meisten Halter kennen die Situation ohnehin. Schon vor zwei Jahren war Vogelgrippe aufgetreten, damals wurden die selben Risikogebiete ausgewiesen.

Nicht einmal Gerhard Triebandt macht sich Sorgen, obwohl er allen Grund hätte. Er ist Eigentümer einer Straußenfarm in Neuheim, und Strauße lassen sich – genau wie Nandus – nicht in einen Stall pferchen. Sollte die Stallpflicht auf Jüterbog ausgeweitet werden, dann müsse er eben eine Ausnahmegenehmigung beantragen, sagt Triebandt. „So einfach ist das.“

Auch Silke Neuling, Amtstierärztin von Teltow-Fläming, hält nichts von Hektik. Neuling: „Man ist als Veterinär bei jeder Tierseuche sehr besorgt. Aber man muss die Dinge ruhig angehen. Panik hilft in Krisensituationen niemandem.“

Geflügelhalter, die ihre Tiere noch nicht beim Landkreis gemeldet haben, werden gebeten, das nachzuholen.

Von Oliver Fischer

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