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175 Jahre Firma Bär

Jüterboger Traditionsunternehmen 175 Jahre Firma Bär

Wer wissen will, welch geschickte Hände ein Klempnermeister in früheren Zeiten haben musste, wird bei der Firma Bär auf dem Jüterboger Markt fündig. Die alte Werkstatt auf dem Hof dient heute als kleines Museum und Abstellkammer. Stolz blicken Timo Bär und sein Vater Rolf auf die 175-jährige Geschichte des Familienunternehmens zurück.

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Rolf Bär mit seinem Sohn Timo, der den Familienbetrieb seit 2005 als Ein-Mann-Unternehmen führt.

Quelle: Foto: Uwe Klemens

Jüterbog. Moderne Bäder und Heizungsanlagen gibt es heutzutage an fast jeder Ecke. Wer bei Firma Bär am Jüterboger Markt vorbeischaut, bekommt außerdem auf Wunsch eine große Portion Stadtgeschichte präsentiert. 175 Jahre ist es her, dass Klempnermeister und Firmengründer Otto Bär hier zum ersten Mal seine Handwerkskünste offerierte. Bis jetzt wird das Unternehmen von seinen Nachkommen weitergeführt.

Vor allem dessen Urenkel Rolf Bär, der die Firma vor neun Jahren an seinen Sohn Timo übergab, ist es zu verdanken, dass die meisten historischen Dokumente erhalten blieben. „Immer wenn Zeit ist, sichte und ordne ich alles“, das hatte sich der 77-Jährige schon während seines Berufslebens vorgenommen. Zeit war selten. Erst jetzt im Ruhestand kommt er Stück für Stück dazu, alles zu sortieren, damit auch seine Nachkommen später wissen, wer in den Dokumenten gemeint und auf den vergilbten Fotos zu sehen ist.

Um Haaresbreite hätte Rolf Bär dabei beinahe das 175. Firmenjubiläum verpasst, das schon Ende November war. Doch wie die meisten Dokumente, ist auch der Kaufvertrag in Sütterlin-Schrift verfasst, die Rolf Bär nur schwer lesen kann. Ein Bekannter, der ihm beim Übersetzen hilft, entdeckte das Datum in letzter Sekunde. 700 Thaler hatte Otto Bär am 27. November 1840 seinem späteren Schwiegervater für Haus und Werkstatt gezahlt. Ob’s die Tochter obendrauf gab und wie viele Mitarbeiter das Start-up-Unternehmen hatte, ist nicht überliefert.

Zur Jahrhundertwende übernahm Friedrich-Heinrich Bär das Geschäft. Als er mit 31 Jahren starb, führte es seine Frau Hulda weiter, bis der gemeinsame Sohn Fritz-Christian alt genug war, um in Vaters Fußstapfen zu treten. Als Fritz-Christian 1943 „für Führer und Volk“ fiel, war es mit Rolf Bärs Mutter Charlotte erneut eine Frau, die das Geschäft am Laufen hielt.

Seine Lehre absolvierte Rolf Bär bei Klempner Alfred Nagel, der einst Lehrling im Hause Bär war. Nach absolvierter Meisterprüfung wurde Rolf Bär Chef der Firma, die er bis zu zwölf Mitarbeiter aufstockte und um ein Geschäft für Glas, Porzellan und Kunstgewerbe erweiterte.

Nach der Wende hat auch Rolf Bär allerhand Lehrgeld zahlen müssen. „Zu DDR-Zeiten habe ich nicht eine Mahnung schreiben müssen, damit war es nun vorbei“, blickt er auf die schwierigen 90er Jahre zurück. 20 000 D-Mark verlor er durch einen einzigen, zahlungsunwilligen Kunden. Auch die kleineren Ausfälle summierten sich rasch und sorgten für schlaflose Nächte.

Den Ärger und Stress wollte sich Timo Bär nicht antun, er ist zufrieden mit dem, was er als Alleinstreiter bewältigen kann. „Wäre ich größer, müsste ich unsichere Sachen machen, damit die Firma läuft. So kenne ich im Prinzip alle Kunden persönlich und hab’ noch nie böse Überraschungen erlebt“, sagt er. An wen er einmal die Firma weitergeben könnte, darüber hat sich der 45-Jährige noch keine Gedanken gemacht, denn seine Tochter hat eigene berufliche Vorstellungen und Enkel sind derzeit nicht in Sicht.

Von Uwe Klemens

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