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1800 Erinnerungen an den Krieg

Dahmeland-Fläming 1800 Erinnerungen an den Krieg

In vielen Brandenburger Städten und Gemeinden wird am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Vielerorts bilden die Kriegsgräberstätten, als Ort der Erinnerung und der Mahnung, den passenden Rahmen für die Gedenkfeiern. Allein in der Region Dahmeland-Fläming gibt es rund 1800 dieser Erinnerungsorte.

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Auf dem Waldfriedhof in Halbe haben bereits mehr als 24 000 Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Quelle: dpa

Dahmeland-Fläming. In vielen Brandenburger Städten und Gemeinden wird an diesem Wochenende anlässlich des morgigen Volkstrauertages der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Vielerorts bilden die Kriegsgräberstätten als Ort der Erinnerung und der Mahnung den passenden Rahmen für die Gedenkfeiern.

Allein in den Landkreisen Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming gibt es rund 1800 Erinnerungsorte für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges. „In fast jedem Ort in der Region finden wir einen Erinnerungsstein, eine Gedenktafel oder auch einen Ehrenfriedhof, das ist wirklich beeindruckend“, sagt Oliver Breithaupt, Geschäftsführer des Brandenburger Landesverbandes Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Leiter der Bildungs- und Begegnungsstätte in Halbe.

Eine der größten Kriegsgräberstätten

Der Waldfriedhof in Halbe ist mit rund 24 000 Kriegstoten eine der größten Kriegsgräberstätten in Deutschland. Bei den Opfern handelt es sich überwiegend um Gefallene aus der Kesselschlacht von Halbe, aber auch um Deserteure der Wehrmacht, Zwangsarbeiter und Verstorbene aus dem russischen Speziallager Ketschendorf. „Der Waldfriedhof in Halbe ist das wohl prägendste Symbol der Folgen der letzten Apriltage 1945, als tausende Soldaten in Halbe den Tod fanden“, erklärt Oliver Breithaupt.

Mehr als 40 000 Soldaten kamen zwischen April und Mai 1945 in Halbe ums Leben. Aufgrund des Verwesungsprozesses, der durch das warme Wetter beschleunigt wurde, entschied man sich damals dazu, die Leichen noch an Ort und Stelle zu beerdigen. In Einzel- oder Massengräbern. Erst 1951, sechs Jahre nach dem Ende der Kesselschlacht, wurden die im weiten Umkreis von Halbe verstreut liegenden Gräber auf einem zentralen Friedhof vereinigt. Noch immer kommt es immer wieder zu Umbettungen, wenn Leichen etwa bei Bauarbeiten gefunden werden. So wurden seit der Wende noch einmal rund 2200 Tote auf dem Waldfriedhof beigesetzt.

Kesselschlacht von Halbe

Für die Soldaten der Roten Armee, die während der Kesselschlacht von Halbe ums Leben kamen, wurde eigens in Baruth ein sowjetischer Ehrenfriedhof angelegt. Dieser gilt als einer der größten und bedeutendsten russischen Kriegsgräberstätten in Brandenburg. Der 72 Meter breite und 89 Meter lange Friedhof liegt auf einer kleinen Anhöhe entlang der Bundesstraße 96. Der Eingangsbereich wird von zwei Natursteinsockeln eingerahmt, auf denen jeweils ein Panzer des Modells T-34 steht. Die Anlage wurde zwischen 1946 und 1947 errichtet und bildet die letzte Ruhestätte für insgesamt 1208 sowjetische Soldaten. Vor etwa zehn Jahren wurde der Ehrenfriedhof aufwendig saniert. 

Ein ganz besonderer Ort ist auch der Friedhof in Zehrensdorf bei Zossen. „Dieser Ort hat eine einzigartige Geschichte“ sagt Oliver Breithaupt. Fast 900 Tote sind in Zehrensdorf begraben. Darunter auch hunderte muslimische Soldaten, die während des Ersten Weltkrieges auf Seite der Alliierten kämpften. In Zehrensdorf wurden sie begraben, Seite an Seite mit Christen, Hindus und Sikhs. „Die Soldaten, die hier gefangen gehalten wurden, sollten im Grunde umgedreht und dazu gebracht werden, gegen den Feind, also ihre eigenen Leute zu kämpfen“, erklärt Oliver Breithaupt.

206 indische Soldaten

So fanden auf dem Zehrensdorf Indian Cemetry auch 206 indische Soldaten, die während der Kriegsgefangenschaft im Ersten Weltkrieg starben, hier ihre letzte Ruhestätte. Die Anlage ist daher auch der Commonwealth War Graves Commission (CWGC) unterstellt, einer Einrichtung, die in Zusammenarbeit mit der Regierung Großbritanniens für die Errichtung, Bebauung, und Betreuung der britischen Soldatenfriedhöfe in den Ländern des Commonwealth verantwortlich ist. In Deutschland arbeitet die CWGC mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zusammen.

Während der erneuten militärischen Nutzung des Geländes durch die sowjetischen Truppen in der DDR war es allerdings nicht möglich, die Grabstätten zu pflegen. Erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands konnten die Bundesrepublik, das Land Brandenburg und die CWGC die Eckdaten für eine neue Nutzung festlegen. Im Jahr 2002 begannen dann die Arbeiten zur Sicherung und Wiederherstellung des Friedhofs. Die Anlage wurde nach den Vorschriften für britische Ehrenfriedhöfe mit einem Altarstein und einem Hochkreuz versehen. Die Grabsteine wurden aus weißem Kalkstein gestaltet. 

Gedenken an Kriegstote in Halbe

Gedenken an Kriegstote in Halbe.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Dass Kriegsgräberstätten zu DDR-Zeiten nicht immer so gepflegt worden sind, wie es angebracht gewesen wäre, weiß auch Oliver Breithaupt in Halbe. Seit dem Jahr 2002 hat der Volksbund die Pflege der größten und bedeutendsten Anlage in Brandenburg übernommen und verschiedene Maßnahmen zur Verbesserung des Allgemeinzustandes des Friedhofs durchgeführt. 

Doch auch andernorts können sich die Anlagen sehen lassen. „Der Zustand ist insgesamt sehr zufriedenstellend. Ich bin immer wieder begeistert, mit wie viel Engagement sich die Kommunen um die Erhaltung der Kriegsgräberstätten kümmern“, sagt Oliver Breithaupt. Das hänge auch damit zusammen, dass viele Orte direkt vom Krieg betroffen gewesen waren und auch jetzt noch viele Zeitzeugen existieren, für die die Erinnerung und das Gedenken eine ganz besondere Bedeutung haben. Unabhängig davon seien viele Kriegsgräberstätten auch gestalterisch interessant und ein Grund, sich näher mit deren Geschichte zu befassen.

Zentrale Gedenkfeier des Landes

Zum ersten Mal findet in diesem Jahr die zentrale Gedenkfeier des Landes Brandenburg in Zehrensdorf statt. Am heutigen Sonnabend werden unter anderem Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedenken. Zehrensdorf sei dafür genau der richtige Ort, sagt Oliver Breithaupt. „Die unterschiedliche Herkunft, der unterschiedliche Glaube der Toten, die auf einer relativ kleinen Friedhofsfläche in Zehrensdorf ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, machen uns deutlich, dass wir alles tun sollten, nicht erst mit dem Tod an einem friedlichen Neben- und Miteinander in Deutschland zu arbeiten, sondern schon zu Lebzeiten“, sagt Breithaupt.

Von Danilo Hafer

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