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20 Jahre FÖJ im Waldhaus

Blankenfelde 20 Jahre FÖJ im Waldhaus

Natur statt Uni oder Ausbildung – ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) ist für junge Leute eine Möglichkeit, sich auszuprobieren. Im Waldhaus Blankenfelde hat man seit 20 Jahren Erfahrung mit den „Ökis“. Clara Meyer hat im September ihr FÖJ begonnen.

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Mit Kindern im Wald – so sieht der Arbeitsplatz von Clara Meyer (2.v.r) derzeit aus. Sie absolviert ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Waldbaus.

Blankenfelde. Als vor 20 Jahren der erste „Öki“ seinen Dienst antrat, war Clara Meyer noch nicht geboren. Die 18-Jährige absolviert seit Anfang September ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) im Waldhaus Blankenfelde. „Landart“ steht an diesem Morgen auf dem Programm – Kunst aus der Natur in der Natur. Künstler sind die Schüler einer vierten Klasse der Ingeborg-Feustel-Grundschule. Sie sollen im Wald alles sammeln, woraus man ein Kunstwerk erschaffen kann. „Sucht mal, was ihr findet“, sagt Clara Meyer und innerhalb weniger Minuten schleppen die kleinen Hände die seltsamsten Dinge aus dem Wald: Stöcker, Steine, allerhand Unrat und Tierhaare. Die Lehrerin rümpft die Nase. Clara Meyers Schützlinge haben ein Auge aus Kieselsteinen gelegt, die Augenbrauen bestehen aus Gräsern.

Viele Zielgruppen

Seit Anfang September verbringt die Kleinbeerenerin fast jeden Tag im Wald. Mal betreut sie Schulkinder, mal kommen Kindergärten. Das Waldhaus bietet sämtlichen Altersgruppen die Möglichkeit, die Natur zu entdecken. Und wer dem Kindesalter entwachsen ist, kann selbst zum Pädagogen werden – so wie Clara Meyer. „Die Arbeit mit den Kindern ist toll“, sagt sie. Dazu jeden Tag frische Luft – das gibt es in keinem Hörsaal oder Büro.

Im Frühjahr hat sie ihr Abitur in Ludwigsfelde gemacht. „Danach wollte ich eine Pause vom Lernen“, sagt sie. Das kommende Jahr möchte sie nutzen, um sich Gedanken über die Zukunft zu machen. „Ich weiß noch nicht, was ich studieren möchte“, sagt sie. Vielleicht in Richtung Ökologie oder Biologie, vielleicht auch etwas mit Kindern. „Ich lerne hier ja auch was. Deswegen ist es kein vergeudetes Jahr“, sagt Clara Meyer.

Kein verschenktes Jahr

Mit dieser Einstellung entspricht die junge Frau dem typischen „Öki“, so werden die FÖJ-Absolventen genannt. Sabine Zimmermann vom Landschaftspflegeverein hat sie in den vergangenen 20 Jahren alle betreut. Die Motive der jungen Leute haben sich mit den Jahren kaum verändert. Viele wissen nicht, was sie nach der Schule machen sollen und nehmen sich ein Jahr Auszeit. Annähernd gleich geblieben sind auch die Vorbehalte der Eltern, die wollen, dass ihr Kind gleich nach der Schule studiert. „Es ist kein verschenktes, sondern ein gewonnenes Jahr“, sagt Sabine Zimmermann. FÖJ bedeutet Arbeit: 40 Stunden in der Woche von morgens bis abends, auch bei schlechtem Wetter im Wald. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit verlange man jedem Öki ab.

Als Gegenleistung lernen die jungen Leute verschiedene Bereiche kennen. Morgens sind die Kinder da, nachmittags geht die Arbeit im Büro oder im Natursportpark weiter. „Als Öki sollte man auch mal einen Zeitungsbericht oder Werbetext verfasst haben“, sagt Sabine Zimmermann. Man habe sich zu einer guten Schule für Lehrer und Erzieher entwickelt.

Größte Veränderung im Lauf der Jahre ist die Zahl der Bewerber. Sie sinkt kontinuierlich, vor allem bei den Männern. „Manchmal bewerben sich nur zwei Leute in einem Jahr“, sagt Sabine Zimmermann. Viele Jugendliche wollen nach der Schule unbedingt ins Ausland. Clara Meyer hat sich bewusst für den heimischen Wald entschieden. Dort hilft sie den Kindern, sich zu orientieren, während sie selbst nach Orientierung sucht.

Von Christian Zielke

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