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Teltow-Fläming 300. Jubiläum der Baruther Glashütte
Lokales Teltow-Fläming 300. Jubiläum der Baruther Glashütte
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19:48 08.05.2016
Die Bergparade am Sonntag war der Höhepunkt des Jubiläumsfestes zum 300. Geburtstag der Baruther Glashütte. Quelle: Peter Degener
Glashütte

Glas fasziniert den Menschen. Es ist ein mystisches und widersprüchliches Material, das hart und gleichzeitig zerbrechlich sein kann. „Der Zauber gefrorenen Lichts“ wohne ihm inne, sagte der Designer Wilhelm Wagenfeld. Bei der Metapher vergisst man die Glut, die zu seiner Erzeugung nötig ist. Für den österreichischen Schriftsteller Georg Rendl war das Glasmachen „die härteste Arbeit auf der ganzen Welt“. Wer in diesem Fach über 50 Jahre alt wird, wäre ein Wundermann. Die Baruther Glashütte feierte am Wochenende mit einem großen Fest sogar ihren 300. Geburtstag und erlaubte im Museumsdorf den Blick auf die Faszination des Werkstoffs Glas, ohne dabei die Mühen des Handwerks zu vergessen.

Museumsleiter erhält das Fahnenband von Minister Albrecht Gerber (SPD) Quelle: Peter Degener

„Glück auf, Baruth!“ lautete der Wunsch von Bergmann Hans-Jürgen Schmidt bei der Eröffnung des 2. Landestreffens der Berg- und Hüttenleute, das anlässlich des Jubiläums in Glashütte stattfand. Die Verbindung der beiden Traditionsberufe – Bergbau und Glasproduktion – geht auf die Öfen zurück, die in den europäischen Glashütten lange Zeit ganze Wälder verschlangen. Ab 1800 wurde deshalb die Lausitzer Braunkohle zum Motor der hiesigen Glasindustrie. „Pro Tag wurden hier 200 Zentner Kohle verfeuert, aber auch der Sand und das Soda für das Glas werden bergmännisch hergestellt“, erklärt Georg Goes, der das Museum in Glashütte leitet.

300 Bergmänner bei Parade

Mit 300 Bergmännern schritt Goes zum Höhepunktes des Festes am Sonntagnachmittag in der Bergparade von 28 Traditionsvereinen mit. Aus den Händen von Brandenburgs Wirtschafts- und Energieminister Albrecht Gerber (SPD) empfingen die Bergmänner Fahnenbänder zur Erinnerung an das Treffen. „Glasklar“ werde hier, „dass Industrie und Energieproduktion untrennbar sind“, sagte der Minister. Mit der Kraft ihrer Lunge und Hände hätten die Glasmacher aus Baruth in den vergangenen 300 Jahren „Wertschöpfung auf höchstem Niveau“ und „regelrechte Kunstwerke“ geschaffen.

Bürgermeister dankt Glashütteverein

Dass dies noch immer so ist, ist laut Baruths Bürgermeister Peter Ilk (parteilos) vor allem dem ehrenamtlichen Engagement des Glashüttenvereins, der ab 1991 die technischen Denkmale des Ortes bewahrt hat, und dem Landkreis Teltow-Fläming zu verdanken, der sich seit einigen Jahren als Eigentümer engagiert und den Fortbestand damit erst ermöglicht habe.

Eine Glasausstellung zeigte die Produkte aus Glashütte Quelle: Degener

In der drei Jahrhunderte dauernden Geschichte waren die Glashersteller stets auf Innovation angewiesen. Besonders modern erwies sich die Baruther Glashütte Mitte des 19. Jahrhunderts. „Damals ging hier der erste Siemens-Gasgenerator auf dem europäischen Kontinent in Betrieb“, erzählt Museumsleiter Goes. Diese Erfindung löste ein Problem, das erst durch die Kohle in den Öfen aufgetreten war – eine ungewollte Verfärbung des Glases. Es herrschte „Handlungsdruck“, sagte Goes, „aber auch wenn man hier mitten im Wald war, so war man doch nicht hinterwäldlerisch.“

5000 Besucher beim Fest

Für die rund 5000 Besucher des Festes wurde mehr als nur Glas zum Verkauf angeboten. Auf dem ersten Kunsthandwerkermarkt seit vielen Jahren zeigten sich Aussteller aus der Region und dem Museumsdorf selbst, in dem mittlerweile auch Hersteller von Keramik, Wollsachen, Schmiedewaren und Grafikdesign ansässig sind.

Kinder beim Fest in Glashütte Quelle: Degener

Unter den Besuchern war auch Daniel Menzel, Geschäftsführer des Tourismusverbands Fläming, der am Wochenende feststellen konnte, dass am östlichen Rand des Flämings „ein ehemaliges Industriezentrum nun mit Kreativität belebt wird.“ Statt wie in einem reinen Museumsdorf werde hier auch gelebt und dabei werden sogar hochwertige Souvenirs hergestellt, sagte Menzel. Er will die Qualitäten des Ortes verstärkt im Tourismuskonzept des Flämings nutzen, so dass die Gastronomen das Baruther Quellwasser ihren Gästen künftig vielleicht aus echten Glashütte-Karaffen servieren können.

Glasproduktion in der Neuen Hütte

Fast unbemerkt ging während des Festes die Glasproduktion in Handarbeit in der sogenannten Neuen Hütte vonstatten. Auf der Bühne der historischen Ofenhalle war es mindestens 60 Grad heiß, als Belinda Hasler dort den Zuschauern die Technik der Glasmacherei erklärte.

Belinda Hasler ist eine von vier angehenden Glasmachern in Deutschland Quelle: Peter Degener

Keine 70 Menschen in ganz Deutschland beherrschen dieses Handwerk noch, das die 23-Jährige derzeit im dritten Ausbildungsjahr erlernt. Neben ihr werden zurzeit in ganz Deutschland nur noch drei weitere Menschen zu Glasmachern ausgebildet. Das handwerklich hergestellte „gefrorene Licht“ ist trotz der Jahrhunderte alten Tradition eine Kostbarkeit, die zerbrechlicher ist als jemals zuvor.

Von Peter Degener

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