Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming 325 Hinweise zu Kindeswohlgefährdung
Lokales Teltow-Fläming 325 Hinweise zu Kindeswohlgefährdung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:30 01.04.2018
Familie Gerstengarbe Quelle: privat
Anzeige
Luckenwalde

Im vergangenen Jahr gingen beim Jugendamt des Landkreises 325 Hinweise zu Kindeswohlgefährdung ein. Wie das Jugendamt auf MAZ-Anfrage mitteilt, wird jeder einzelne Fall sorgfältig geprüft. Selbst solche, die anonym eingehen und sich im Nachhinein als haltlos erweisen.

Schock über anonymes Schreiben

Denn längst nicht bei jeder Meldung ist das Kindeswohl gefährdet – dafür kommt es für unschuldig Verdächtigte zum Spießrutenlauf. Das hat Familie Gerstengarbe erfahren müssen. Die sechs und acht Jahre alten Kinder der Luckenwalder Familie sind in Sportvereinen aktiv. Bei diversen kindgerechten Wettkämpfen messen sie ihre Kräfte mit Gleichaltrigen. „Die Kinder sind gut in der Schule, haben Freunde und werden von uns Eltern in ihrer individuellen Persönlichkeitsentfaltung gefördert und unterstützt“, sagt Lukas Gerstengarbe. Deshalb waren er und seine Frau Adina schockiert, als sie erfuhren, dass am 28. Februar beim Jugendamt in Luckenwalde ein anonymes Schreiben eingegangen war. Darin wird den Eltern vorgeworfen, dass ihre Kinder unterernährt, emotional gestört und unglücklich seien. Angeblich würden die Eltern ihre Söhne mit übertriebenem Ehrgeiz bei Training und Wettkämpfen extrem unter Druck setzen, um sportliche Erfolge zu erzielen, und auch vor Medikamenteneinsatz nicht zurückschrecken.

Anzeige wegen Verleumdung

„Die Ungeheuerlichkeit dieser Anschuldigungen offenbart sich jedem, vor allem aber jenen, die uns und unsere Kinder kennen“, sagt Lukas Gerstengarbe empört. Zum Glück für die Familie konnten die Eltern das Jugendamt vom Gegenteil überzeugen. „Da es offensichtlich ist, dass die anonymen Vorwürfe nicht dem Kindeswohl dienen, sondern darauf zielen unserer Familie Schaden zuzufügen, haben wir sofort nach deren Bekanntgabe bei der Polizei Anzeige gegen wegen Verleumdung und übler Nachrede gestellt“, sagt der Vater, der den Urheber finden will, „es darf nicht sein, dass eine anonyme Anzeige beim Jugendamt zum rechtsfreien Raum für Denunzianten wird, und intakte Familien, vor allem deren Kinder darunter leiden müssen.“

Zusammenarbeit mit dem Jugendamt

Das Jugendamt des Landkreises Teltow-Fläming räumt dem Schutz von Kindern und Jugendlichen höchste Priorität ein. Hinweisen auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung werde unverzüglich in einem festgeschriebenen Kinderschutzverfahren nachgegangen, heißt es auf Nachfrage seitens der Kreisverwaltung. Die Mitarbeiter des sozialpädagogischen Dienstes besprechen im Rahmen einer ersten Gefährdungseinschätzung die Mitteilung und das weitere gemeinsame Vorgehen. „In der Regel wird Kontakt zur Familie und zum Kind aufgenommen, das bedeutet unter Umständen auch, einen unangemeldeten Hausbesuch durchzuführen“, erklärt Marion Lindner, Sachgebietsleiterin im Jugendamt. Man könne niemanden an falschen Aussagen oder übler Nachrede hindern. Betroffene können aber durch eine offene und transparente Zusammenarbeit mit dem Jugendamt dazu beitragen, sachlich aufzuklären und Verdachte auszuräumen.

Hintergrund

Die Zahl der Verdachtsmeldungen zu Kindeswohlgefährdung steigt.

Im Jahr 2015 gingen beim Jugendamt des Kreises 291 Meldungen ein, 2016 waren es 307 und voriges Jahr schon 325 Mitteilungen.

Von den 307 Mitteilungen im Jahr 2016 wurden 101 als akut eingestuft.

Prävention ist nach Expertenansicht das beste Mittel, um Kinder und Jugendliche effektiv vor zu schützen.

Riskante Situationen und Gefährdungen, die im Alltag entstehen, sollen frühzeitig erkannt werden. Familien, aber auch Menschen, denen sich Kinder anvertrauen, finden Hilfe beim Netzwerk Kinderschutz Teltow-Fläming.

„Leider gibt es auch im Landkreis Fälle von Kindesvernachlässigungen und Misshandlungen, die trotz vorhandener Unterstützungsangebote nicht verhindert werden konnten“, sagt Lindner. Diese zeige, dass es Müttern und Vätern nicht immer gelingt, ihrer familiären Aufgabe gerecht zu werden. „Kinder und Jugendliche brauchen Ansprechpersonen in Schulen, Kindergärten, in Arztpraxen und in der Nachbarschaft, die ihre Nöte und Signale wahr- und ernstnehmen“, so Lindner weiter.

Von Margrit Hahn

4523 Erwerbslose waren im Monat März in Teltow-Fläming registriert. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,0 Prozent – die niedrigste bisher in einem Monat März. Im Februar lag sie noch bei 5,2 Prozent.

01.04.2018

Ein Urlaubsabenteuer haben die beiden Ludwigsfelder Viola und Thomas Hickisch vor sich: In einem Oldtimer übers Nordkap rund um die Ostsee.

01.04.2018

Jugendliche beteiligen sich freiwillig an der Sanierung des Lichterfelder Kirchturms. Im Rahmen des Projekts „Jugendbauhütte“ packen sie unter fachlicher Anleitung von ausgebildeten Handwerkern richtig mit an. Die Arbeit an den denkmalgeschützten Bauten kommt bei ihnen gut an.

01.04.2018
Anzeige