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475 Jahre bewegte Geschichte

Nächst Neuendorf 475 Jahre bewegte Geschichte

Das Dorf Nächst Neuendorf hat am Wochenende sein 475-jähriges Bestehen gefeiert. 1541 wurde es erstmals urkundlich erwähnt – in einem Steuerregister. Diese und andere Fakten hat Klaus Voeckler zusammengetragen und ein Geschichtsbuch über Nächst Neuendorf geschrieben.

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Klaus Voeckler, Verfasser von „Nicht nur Sumpf und Sand", zeigt die  erste schriftliche Erwähnung von Nächst Neuendorf.

Quelle: Orth

Nächst Neuendorf. 18 Taler und sechs Pfennige hatte „Nestnyendorff“ an das kurfürstliche Amt in Zossen als „Schoff“ zu entrichten. Neben materiellen Gütern war dies eine Steuer, die im Landessteuerregister des Amtes Zossen aus dem Jahr 1541 notiert ist. Diese Niederschrift stellt zugleich die erste urkundliche Erwähnung des Ortes dar. Am Sonnabend feierte das Dorf daher sein 475-jährige Bestehen.

Klaus Voeckler forschte 45 Jahre

Klaus Voeckler kennt sich mit der Geschichte von Nächst Neuendorf aus. Er hat in zahlreichen Archiven geforscht und eine Geschichte von Nächst Neuendorf verfasst. Unter dem Titel „Nicht nur Sumpf und Sand“ wird der zeitliche Bogen von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart gespannt. Ein halbes Leben Arbeit steckt in diesem Buch. „Ich habe 45 Jahre geforscht“, berichtet der pensionierte Schuldirektor. Sein Fach war Biologie, Geschichte seine Leidenschaft.

Slawische Ansiedlung existierte lange vor Ersterwähnung

 Dorffest 475 Jahre Nächst Neuendorf

Dorffest 475 Jahre Nächst Neuendorf

Quelle: Orth

Schon 500 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung existierte dort, wo heute Nächst Neuendorf ist, eine slawische Ansiedlung, so Voeckler. Ihre Spuren wurden aber im 20. Jahrhundert sprichwörtlich dem Erdboden gleichgemacht, man brauchte Ackerland. Vieles aus der Historie konnte Voeckler einem Erbregister aus dem Jahr 1583 entnehmen. Es ist zugleich das älteste erhaltene Erbregister für den Bereich Zossen.

Hartes Leben der Bauern

Das Leben war hart für manche Bauern in der Mitte des 18. Jahrhunderts, berichtet der Chronist. Bauer Pudt etwa geriet in Streitigkeiten mit der Obrigkeit und wurde „exmitiert,“ enteignet und des Ortes verwiesen. Seine Geschichte verläuft sich in Sperenberg, wo er mit seiner Familie hinzog. Die wirtschaftliche Not der Bauern kennzeichnet einen Teil der Geschichte Nächst Neuendorfs. „In der Not hat man das Stroh vom Dach an die Tiere verfüttert“, erklärt Voeckler.

Familie kam aus Sachsen

Das Auf und Ab der Dorfgeschichte kennt auch Bernhard Brenz. Seine Familie ist etwa seit 1540 in dem Ort ansässig. Er ist verwandt mit dem lutherischen Reformator Johannes Brenz. Warum sein Familienzweig sich hier niedergelassen hat, kann Bernhard Brenz nicht mehr genau sagen. Er vermutet, dass im Zuge der Reformation die Familie in das seit Joachim II. protestantische Kurfürstentum Brandenburg umgesiedelt ist.

Dorfgeschichte

Erste slawische Ansiedlung beginnt vor rund 1000 Jahren.

1541 wird Nächst Neuendorf zuerst urkundlich im Landessteuerregister des Amtes Zossen erwähnt.

 

1873 wird das erste Schulhaus eröffnet, 1956 wird es wieder geschlossen.

2000 wird der Frauenverein gegründet, der das Dorf bei kulturellen Veranstaltungen unterstützt.

2016 feiert Nächst Neuendorf sein 475-jähriges Bestehen.

Bernhard Brenz kennt aus Erzählungen und eigenen Erlebnissen die schwere Nachkriegszeit des Ortes. Sein Vater, aus russischer Kriegsgefangenschaft geflüchtet, ist über zahlreiche Umwege wieder in seine Heimat gelangt. Dort waren dann plötzlich 2000 deutsche Kriegsgefangene auf dem Hof untergebracht.

Einwohner erlebte Stasi-Repression

Vater Brenz teilte sich den Hof mit seinem Bruder. Als dieser nach West-Berlin floh, übernahm die Stadt Zossen dessen Hofhälfte, später wurde der Hof zwangsweise der LPG angegliedert.

Auch Bernhard Brenz wurde während der Arbeit von der Stasi abgeholt. Die Ursache war ein Antrag für ein Dauervisum, um die Tante in West-Berlin zu besuchen. „Das wurde als Ausreiseantrag gewertet“, erzählt Brenz. Mehrere Male musste er in die Stasizentrale nach Potsdam. „Manchmal musste ich ein paar Stunden warten und konnte dann wieder gehen.“ Die Ladungen kamen per Anruf, innerhalb einer halben Stunde musste er erscheinen, sonst sei die Polizei angerückt. Eine besonders perfide Situation schildert Brenz, als seine neunjährige Tochter zum Verhör geladen wurde. Sie sollte zunächst alleine zum Verhör, Brenz konnte erreichen, dass die Mutter mitgehen konnte. „Wollen deine Eltern die DDR verlassen?“, lautete die Frage. Heute kann Brenz darüber lachen. Seine Tochter sei schon immer intelligent gewesen. „Ich gehe dahin, wo meine Eltern hingehen“, hat sie geantwortet.

Von Krischan Orth

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