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7000 Jahre alter Kumpf aus Jüterbog

„Fund des Monats“ im Landesmuseum 7000 Jahre alter Kumpf aus Jüterbog

Mit einer neuen Technologie und Lebensweise kamen vor 7000 Jahren Menschen aus dem Süden an die Nuthe bei Jüterbog und begannen mit Ackerbau und Viehzucht, während die Alteingesessenen noch als Jäger und Sammler ums Überleben kämpften. Von dem Beginn dieser neuen Ära erzählt ein altes Gefäß aus Ton – der Jüterboger Kumpf.

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Dieser Kumpf ist der Beweis, dass im Fläming vor 7000 Jahren Menschen lebten.

Quelle: Detlef Sommer

Jüterbog. Die Niederung der Nuthe zwischen Jüterbog und Bochow „ist ein uraltes Siedlungsgebiet“, sagt Norbert Jannek, der Leiter des Jüterboger Stadtmuseums. Tausende keramische Scherben im Bestand seines Hauses zeugen davon, dass dort auf ein paar hundert Metern Flusslänge schon tausende Jahre vor Christus Menschen lebten und dabei Ackerbau und Viehzucht betrieben. Was er am liebsten hätte, wäre ein vollständig erhaltenes Zeugnis aus Jüterbog, das als Zeuge dieser frühen Menschheitsgeschichte in der Dauerausstellung dienen könnte.

Eine Müslischale der ersten Landwirte

Tatsächlich existiert so etwas und es stammt sogar aus Jüterbog. Ein 7200 Jahre altes Gefäß, ein sogenannter Kumpf, wurde bereits 1979 an der Nuthe nördlich von Bochow entdeckt. Mit 17 Zentimetern Durchmesser ist er mit einer Müslischale vergleichbar – ein archäologischer Schatz. „Das ist der älteste Beleg für die Anwesenheit von sesshaften Menschen im Land Brandenburg“, sagt der Historiker Michael Schneider über die kleine Schüssel.

Hintergrund

2008 wurde das Archäologische Landesmuseum im sanierten Paulikloster eröffnet.

Der Dominikanerorden hat das Kloster und die Kirche errichtet. Er war seit dem 13. Jarhundert in Brandenburg nachweislich aktiv.

1560 gingen Kirche und Kloster in den Besitz der Stadt über und der letzte Dominikanermönch der Einrichtung wird schriftlich erwähnt.

Das Landesmuseum beherbergt etwa 10 000 Exponate aus 130 000 Jahren Kulturgeschichte Brandenburgs.

Der erhaltene Kumpf ist derart selten, dass er vom Archäologischen Landesmuseum gerade zum „Fund des Monats“ gekürt wurde. Dieses Museum befindet sich im Paulikloster in Brandenburg an der Havel. Dort ist der grau-beige Kumpf Teil der Dauerausstellung. Am Donnerstag wird seine Bedeutung in den Mittelpunkt gerückt. Dann wird Historiker Schneider in einer 30-minütigen Kurzführung die Bedeutung des Gefäßes erläutern.

Liniendekoration als Zugehörigkeitssymbol

Zwischen einigen Rissen des Tongefäßes kann man regelmäßige Linien erkennen. „Es ist ein Relikt der sogenannten Linienband-Kultur“, erklärt Schneider, „diese Linien hatten nicht nur dekorativen Charakter, sondern dienten wahrscheinlich als Ausdruck der Zugehörigkeit zu einer Sippschaft, ähnlich wie die Stoffmuster bei schottischen Clans.“ Der Kumpf wurde noch nicht mit einer Töpferscheibe hergestellt, sondern besteht aus Ton-Würsten, die spiralförmig übereinander gelegt und dann mit der Hand verstrichen wurden. Vor dem Brand des Tons wurden die Linienmuster eingedrückt.

Migranten aus dem Süden brachten neue Technologie

„Der Kumpf ist außergewöhnlich, weil er für eine neue Lebensweise steht. Statt von mobilen Jägern und Sammlern wurde so etwas von sesshaften Menschen genutzt“, sagt Schneider. In diesem Falle waren es Migranten aus dem aus dem Süden, welche die neue Technologie an die Nuthe brachten. Diese Kolonisatoren kamen aus dem mitteldeutschen Raum in die Region und begannen, das Land zu bestellen. „Das ist der Beginn der keramischen Tradition, denn die sesshafte Lebensweise war auf Vorratshaltung angelegt. Das Getreide musste aufbewahrt werden.“ Dazu diente der Kumpf.

Ein Trost für Norbert Jannek kann nur sein, dass der Fund aus Jüterbog auch über ganz Brandenburg hinausgehende Bedeutung hat – selbst die älteste Linienbandkeramik im deutschen Raum in so einem Zustand ist nur etwa 300 Jahre älter.

Kurzführung: Donnerstag, 14. April, um 16 Uhr im Archäologischen Landesmuseum, Neustädtische Heidestraße 28, 14476 Brandenburg. Eintritt ins Museum: 5 Euro, ermäßigt, 3,50 Euro.

Von Peter Degener

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