Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Teltow-Fläming Abschied in ein neues Leben
Lokales Teltow-Fläming Abschied in ein neues Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:59 20.08.2014
Selbstverständlich für Doreen: der ganz normale Haushalt. Quelle: Jutta Abromeit
Ludwigsfelde

Doreen nimmt die Wäsche ab. Sie bügelt, macht sauber, telefoniert mit Freunden. Alles ganz normal. Dabei war der Start ins Leben des heute 18-jährigen Mädchens alles andere als das, was die meisten für normal halten: Fünf Kinder werden vom Vater verlassen, sind der Mutter zuviel. Die will „auch mal ihr eigenes Leben führen“, wie Doreen erzählt. Die Großeltern nehmen die Kinder der Tochter zu sich. Doch auch sie schaffen solch einen Alltag irgendwann nicht mehr, die Gesundheit spielt nicht mehr mit. Sie wehren sich, die Geschwister ins Heim zu lassen. Doch das Jugendamt spricht ein Machtwort, „zum Kindeswohl“.

Kein Kontakt zur Mutter

Das jüngste Kind findet Pflegeeltern, vier Geschwister kommen ins Märkische Kinderdorf Ludwigsfelde. Da ist Doreen, die Zweitälteste, zwölf Jahre alt. Die große Schwester bleibt nicht lange. Die anderen, drei Schwestern und ein Bruder, leben seit sechs Jahren „genauso behütet, wie andere Kinder bei ihren Eltern“, erzählt Doreen. In einer der Wohngruppen umsorgt und betreut von Erziehern. Wo ihre Mutter ist, das weiß sie nicht. Die jüngste Schwester, die hat noch Kontakt, erzählt Doreen. „Sie schreibt zwar immer noch, dass sie uns vermisst. Aber glauben kann ich ihr das nicht mehr, sonst hätte sie doch vieles anders gemacht.“

Doreen spricht leise, aber bestimmt. So, wie sie alles andere tut – zart und energisch gleichzeitig. Man nimmt ihr ihre Worte ab. Schaut in zwei braune Augen, die offen und geradezu in die Welt blicken. Als Hotelgast von dieser jungen Frau umsorgt sein? Gut vorstellbar. Auch für Rosemarie Pätsch. Zweieinhalb Jahre betreute die Erzieherin auch Doreen. „Ein pflegeleichtes Mädchen; da gibt es für uns viel, viel schwierigere Fälle. Und immer ehrgeizig. Immer kommt sie allein mit allem klar“, erzählt die Pädagogin. Erinnert sich nicht, dass Doreen mal verschlafen oder irgendeine Pflicht versäumt hätte. Dass diese junge Frau anders als so viele andere Jugendliche den Kontakt zur Mutter nicht sucht, „das scheint eine Art Selbstschutz, um an schlimme Gefühle nicht erinnert zu werden“, so Rosemarie Pätsch.

"Zwei Kinder wären schön"

Doreen ist im zweiten Lehrjahr, lernt im Vierseithof Luckenwalde und will Hotelfachfrau werden. Dazu muss sie für den Frühdienst um 4.30 Uhr aufstehn, 6.30 Uhr ist Schichtbeginn in der Kreisstadt. Dass sie in der Branche eine Festanstellung bekommt, das weiß sie. Und auch sonst sieht ihr Leben „normal“ aus, findet sie: Seit einem Jahr hat sie einen festen Freund. Kinder? Ja natürlich, die will sie haben. Aber ob mit dem jetzigen Partner, „das wird sich zeigen. Zwei Kinder wären schön, eins wird doch verzogen“, sagt sie. „Und ich will für meine Kinder da sein und einen guten Job machen, damit sie’s nicht schlecht haben.“

Das Kinderdorf

Gegründet wurde das Märkische Kinderdorf Ludwigsfelde im Juni 1991 als Verein, dem Heim an der Allendestraße wurden Gemeinnützigkeit und Mildtätigkeit anerkannt.

Von den 53 Plätzen für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche sind derzeit 42 belegt. 31 pädagogische Fachkräfte, drei Verwaltungsangestellte, eine Psychologin und sieben Techniker und Hauswirtschaftskräfte betreuen die Bewohner in sechs Wohngruppen. Außerdem gibt es drei Zwei-Personen-Außenwohngruppen.

Nun ist Doreen dabei, Abschied zu nehmen. In wenigen Tagen endet nicht nur ihre Zeit im Märkischen Kinderdorf, dem Ludwigsfelder Heim für sozial benachteiligte junge Menschen. Doreen verabschiedet sich fürs Erste auch aus der Stadt – die junge Frau zieht nach Luckenwalde, in den Ort ihrer Ausbildung.

Für Rosemarie Pätsch ist bei diesem Abschied „Wehmut dabei, natürlich, aber ansonsten ein wirklich gutes Gefühl. Denn so jung wie Doreen schaffen den Schritt ins eigene Leben nicht so viele.“

Von Jutta Abromeit

Folgen Sie uns auf Facebook!

Aktuelle Nachrichten und Fotos aus den Landkreisen Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald finden Sie auf unserer Facebook-Seite.  Folgen Sie unserer Seite und diskutieren Sie mit uns über aktuelle Artikel oder geben Sie uns Hinweise, worüber wir berichten können.

Hier kommen Sie direkt auf unsere Facebook-Seite: www.facebook.com/dahmelandflaeming.

Werden Sie Fan von der MAZ bei Facebook!

Teltow-Fläming Sven Petke für Tempo 30 vor der Hohenseefelder Kita - Landtagsabgeordneter unterstützt Bürgerinitiative

Eine zeitweilige Tempo-30-Zone vor der Hohenseefelder Kita und bauliche Tempo-Bremsen vor den Bushaltestellen an den Ortseingängen – mit diesen beiden Lösungsvorschlägen unterstützt nun auch CDU-Landtagskandidat Sven Petke die Hohenseefelder Bürgerinitiative, die sich für mehr Verkehrssicherheit in ihrem Ort einsetzt.

20.08.2014
Teltow-Fläming MAZ-Interview mit Pater Anselm Schadow zur Jubiläumsfeier der Luckenwalder Josephkirche - „Die Gemeinde ist sehr rührig"

Vor 100 Jahren wurde die katholische Josephkirche in Luckenwalde fertig gestellt. Im September wird gefeiert. Pater Anselm Schadow freut sich besonders auf das Jubiläum. Im MAZ-Interview spricht er über die Feier und wie sich die Gemeinde darauf vorbereitet. Außerdem verrät er, auf welchen Gast er sich besonders freut.

20.08.2014
Teltow-Fläming Zuckertüten-Paten sammeln Geld für Zossener Abc-Schützen - Zähltag im Rathaus

Die Zuckertüten-Patenschaften machen wieder Schule in Zossen. Am Dienstag war Zähltag im Rathaus. Am Ende konnte sich die Aktiven um Clarissa Böhm über 846,76 Euro für die Abc-Schützen freuen. Das Geld hatten Kunden in rund 100 Schultüten-Sammelbüchsen gesteckt, die einige Wochen in Geschäften in der Stadt standen.

20.08.2014