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Teltow-Fläming Abschlepper von Beruf
Lokales Teltow-Fläming Abschlepper von Beruf
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00:19 30.11.2017
Tag und Nacht auf der Straße im Einsatz: Andreas Wagner vom Abschleppdienst Witt hilft bei Pannen und Unfällen weiter und macht seinen Job sehr gerne. Quelle: Christina Koormann
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Königs Wusterhausen

Im fahlen Morgenlicht liegt kurz vor dem Ortsschild Wildau ein totes Wildschwein an der Grünauer Straße. Der Peugeot 5008, der links daneben steht, hat mit Sicherheit einen Totalschaden. „Das arme Tier“, sagt der Fahrer, der eine Warnweste trägt und ratlos schaut. „Es war so schnell da und rannte über die Straße, ich konnte gar nicht mehr reagieren.“ Gegen 7.30 Uhr war der Berufspendler auf dem Weg zur Arbeit mit dem Wildschwein zusammengestoßen – und mit dem Schrecken davongekommen. „Da haben Sie noch Glück gehabt“, sagt An­dreas Wagner, Fahrer des ADAC-Abschleppdienstes Witt. „So was kann ins Auge gehen.“

Mit geübten Handgriffen macht sich der 46-Jährige an die Arbeit und hat den Unfallwagen nur wenige Augenblicke später auf das Abschleppfahrzeug befördert. Wagner bittet den noch immer geschockten Mann auf den Beifahrersitz des Abschleppers und bringt ihn mitsamt dem Auto zur nächsten Peugeot-Werkstatt nach Adlershof. Dort erreicht ihn gleich der nächste Auftrag: In Berlin-Köpenick läuft Benzin aus einem Opel, die Ursache ist unklar. „Mal sehen, was wir da haben“, sagt der hochgewachsene Fahrer und macht sich auf den Weg.

Voller Körpereinsatz: Weil der Motor nicht mehr läuft, befestigt Andreas Wagner eine Seilwinde unter dem Auto, um es auf den Abschlepper zu ziehen. Quelle: Christina Koormann

Wagners Job ist nichts für schwache Nerven: Tag und Nacht arbeitet der „Kraftfahrer für den Abschleppbereich“ bei Wind und Wetter zwischen der A13 bis Starkow, der A12 und der A10 zwischen Adlershof und Köpenick. Er birgt Autowracks, beseitigt Ölspuren, schleppt Fahrzeuge ab und transportiert sie in eine der etwa 200 Werkstätten im Umkreis seines „Reviers“. Neben den wöchentlichen Schichten ist er am Wochenende in ständiger Rufbereitschaft, arbeitet manchmal sieben Tage durch. Trotzdem will der Königs Wusterhausener nichts anderes mehr machen. „Ich bin zwar angestellt“, sagt Wagner, „aber vor Ort muss ich alleine entscheiden, was zu tun ist.“ An die harten Arbeitszeiten hat er sich gewöhnt. „Natürlich ist es ärgerlich, wenn man nachts bei zehn Grad minus aus dem Tiefschlaf gerissen wird, aber die Leute suchen sich die Panne oder den Unfall ja auch nicht aus.“

Im Auftrag des ADAC wird Wagner als einer von zwölf Kollegen des Wildauer Abschleppdienstes Witt zu den Einsätzen gerufen. Mehr als 6000 Aufträge gehen über den ADAC durchschnittlich pro Jahr allein in diesem Unternehmen ein. Daran lässt sich ablesen, dass die drei ADAC-Abschleppdienste in Dahme-Spreewald und sechs in Teltow-Fläming rund um die Uhr zu tun haben, um die zahllosen Pannen und Unfälle zu bewältigen.

Rettungsgasse? Fehlanzeige

Wie lange ein Einsatz dauert, ist vorher nicht abzusehen, weshalb Andreas Wagner nie weiß, wann er nach Hause kommt – der Acht-Stunden-Arbeitstag ist nur schwer einzuhalten. „Wenn meine Schicht um 17 Uhr zu Ende ist und um 16.45 Uhr ein Unfall passiert, gehe ich ja nicht nach Hause und sage, ich habe jetzt Feierabend“, sagt Wagner. Vorfälle, insbesondere auf der Autobahn, haben immer Priorität. Montags und freitags passiere am meisten, nachts ist weniger Verkehr, doch dann treten die Fahrer stärker aufs Gas.

Normalerweise kommt der Abschleppdienst als letztes an einen Unfallort – Polizei und Notfallwagen haben dann ihre Arbeit schon erledigt. „Wir räumen den Schrott weg“, sagt Wagner. Immer wieder ärgert er sich darüber, dass keine Rettungsgasse gebildet wird. „Es ist doch wirklich nicht schwer, Platz zu machen – wir haben leider kein Blaulicht. Wenn die Wege verstellt sind, kann ich nur hupen und hoffen, dass die Leute aufwachen.“

Dass sein Job auch darin besteht, den Weg wieder frei zu räumen und somit stockenden Verkehr auch wieder aufzulösen, verstünden manche Leute nicht. Und so koste ein Einsatz auf der Autobahn oft viel Zeit.

Abschleppen eines Wagens nach einem Wildunfall. Quelle: Christina Koormann

„Ich erlebe sehr oft, dass Leute sauer sind, weil sie länger auf uns warten müssen als erwartet“, sagt Andreas Wagner. Nicht immer kann die vom Kundenservice angegebene Wartezeit eingehalten werden. „Zu Recht sind Kunden dann wütend, aber wenn jemand ausfallend wird, stehe ich da drüber“, sagt er. An Unfallorten seien Menschen oft unter Schock. „Wir haben auch psychologische Arbeit zu leisten“, sagt der Fahrer. „Ich versuche deshalb immer ruhig und so sachlich wie möglich zu sprechen.“ Ein kurioses Erlebnis hat sich dem 46-Jährigen besonders eingebrannt: Ein 19-jähriges Mädchen hatte einen schweren Unfall, bei dem sich ihr Wagen überschlagen hatte. „Sie ist ohne einen Kratzer ausgestiegen und hat nur geweint“, sagt Wagner. „Und als ich zu ihr sage, sie hätte keinen Grund zu weinen, sondern zum feiern, weint sie noch mehr und sagt, sie hätte sich am Vortag neue Radkappen in Bärchenform aufziehen lassen – und die seien jetzt kaputt.“

Der Opel in Köpenick hat eine kaputte Benzinleitung. Die Insassen, ein Paar aus der Nähe von Göttingen, werden mit dem Auto zur gewünschten Werkstatt gefahren. Es folgen ein Lagerschaden auf der A10 bei Rangsdorf, ein defekter Zündverteiler in Altglienicke und ein kaputter Kupplungsgeberzylinder in Köpenick. Es ist erst früher Mittag. Wagner sagt: „Eigentlich fahre ich nur den ganzen Tag durch die Gegend und schaue aus dem Fenster – aber dabei habe ich auch ein Quäntchen Verantwortung.“

Von Christina Koormann

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