Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Abstieg in den Bunker

Wünsdorf Abstieg in den Bunker

Zum Abschluss des Schlachten-Kunstfestivals können die Besucher nochmal Musik und Kunst an ungewöhnlichem Ort erleben. Die Ausstellung „I am safe“ läuft noch bis Sonntag in der Neuen Galerie, dort wird am Samstagnachmittag auch die Finissage eröffnet. Und danach geht es dann in den Bunker.

Voriger Artikel
Keine Rettungsgasse: Retter müssen zu Fuß zur Unfallstelle
Nächster Artikel
Wildunfälle auf der B115

Adrian Palka und Wolfram Spyra schufen eine bedrückende Installation zu sowjetischen Gulags mit filmischen und poetischen Elementen.

Quelle: Karen Grunow

Wünsdorf. Ein Tango nach Mozarts „Don Giovanni“ wird am Samstag die Finissage zur Ausstellung „I am safe“ in der Neuen Galerie in Wünsdorf einläuten. Der Tag wird es, wie schon die Eröffnung, in sich haben. Die in Wünsdorf allgegenwärtigen Bunkeranlagen werden erneut zum Ort künstlerischer Auseinandersetzung. „Gehen Sie mit uns die Traumpfade, Soundpfade der Geschichte hinunter“, lädt Emily Pütter ein zum gemeinsamen Abstieg in den Zeppelin-Bunker. Sie ist nicht nur selbst als Künstlerin derzeit in der Neuen Galerie und dann bei den Interventionen am Samstag präsent. Sie ist außerdem die künstlerische Leiterin des vom Landkreis geförderten Festivals „Schlachten“, das erstmals vor zwei Jahren in Luckenwalde zum Thema Flucht und Vertreibung veranstaltet wurde und nun eben mit „I am safe“ Fragen der Sicherheit stellt.

Elektro-Tango auf dem Cello

Kristoff Becker wird auf seinem Cello jenen neu komponierten Elektro-Tango spielen und damit gewissermaßen den sehnsuchtsvollen Takt vorgeben für die Suche nach Sicherheit. Wer sich sicher wähnt, fühlt sich auch frei. So jedenfalls lassen sich die Tanzbilder von Khadija Tnana interpretieren, einer marokkanischen Künstlerin, die kürzlich als Stipendiatin im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf war. Terrorismus sollte ihr Thema dort sein, stattdessen tanzte sie, frei und ungezwungen, erspürte sich als kraftvolle Frau und hielt das in zahlreichen Bildern fest. Noch bis Sonntag sind diese in der Neuen Galerie zu sehen. Für die Ausstellung dort hat Beret Hamann Wünsdorfer gefragt, ob sie sich sicher fühlen. Ein Busfahrer reckt einen Daumen nach oben, einen nach unten – „jein“. Andere demonstrieren Unerschrockenheit, Daumen hoch, zeigt etwa Marion: „Also ich kann nur positiv über Wünsdorf berichten.“ Andere sprechen diffus über Ängste vor „den neuen Bewohnern hier“ oder Unwohlsein „wegen der ,Rechten’“.

Visionen von Schmetterlingen

Visionen von Schmetterlingen huschen über einen geöffneten Koffer, Stimmen sind zu hören, die ein Gedicht erzählen über die Taiga. Die Klangkünstler Adrian Palka und Wolfram Spyra haben mit „Bark and Butterflies“ eine Installation geschaffen, mit der sie Bezug nehmen auf eine eigene Reise nach Sibirien, bei der sie den Spuren eines Kriegsfamilien-Tagebuchs folgten zu einem einstigen Arbeitslager. Sie greifen Erinnerungen von Menschen in Gulags auf, die Rinde und Schmetterlinge aßen, um zu überleben. Wer eintritt in die roh gezimmerte Hütte, um den wie mit Habseligkeiten gefüllten offenen Koffer mit der in der Taiga gesammelten Rinde genauer zu betrachten, wird umfangen von einem Wispern. Das ist in seiner fortlaufenden Monotonie so beklemmend wie der Raum selbst, durch dessen dünne Latten von draußen das Licht hineingleißt, das doch nicht aus der Verlorenheit des Waldes hinausführen kann.

„Lasst die Wiesen stehen!“

Emily Pütter selbst hat sich der Tierwelt angenommen. Dass längst Insekten nicht mehr sicher sind, führt sie vor mit einem riesigen Gemälde einer bunt leuchtenden Blumenwiese. Davor steht ein Rasenmäher, bereit zum Einsatz, nur der Stecker muss noch in die Dose. „Lasst die Wiesen stehen“, fordert sie programmatisch. Immer wieder sind in der Galerie Kleidungsstücke zu sehen, fantasievolle Sicherheitsklamotten, die zur Vernissage in einer Performance vorgeführt wurden. Bei der von Tatiana Saphir konzipierten Fashion-Show liefen auch Leute aus der Region mit, sogar ein Feuerwehrmann in realer Schutzkleidung war dabei.

Abschluss im Bunker

Performativ wird nun auch der Abschluss des Kunstfestivals am Samstag, denn nach Tango, Lesung und geführtem Rundgang werden sich Jorinde Splettstößer und Marlon Denzel van Rooyen von der Initiative „Savvy contemporary“ in einer performativen Lesung mit „Strategien der Sicherheit“ in Afrika befassen. Beginn für die Aktionen in der Neuen Galerie ist um 15 Uhr. Nach gut anderthalb Stunden werden die „I am safe“-Akteure und -Besucher gemeinsam zum Zeppelin-Bunker gehen. Michael Neil, der mit Emily Pütter das Schlachten-Festival begründet hat, wird dann um 17 Uhr mit Kristoff Becker ein Stück Luigi Nonos neu interpretieren. Nono hatte „No hay caminos, hay que caminar“ (es gibt keinen Weg, es gibt nur das Gehen) dem russischen Filmregisseur Andrei Tarkowskij gewidmet. „Die Leute sollen sich einfach mal darauf einlassen, so etwas zu hören“, findet Emily Pütter, die danach gemeinsam mit den Malern Bernhard Ailinger und Grzegorz Pleszynski zu Musik malen wird. Insgesamt, schätzt sie, dauere das Programm im Bunker etwa eine dreiviertel Stunde. „Warm anziehen, da sind nur zehn Grad“, empfiehlt sie.

Die Austellung „I am safe“ kann noch bis Sonntag in der Neuen Galerie in der Gutenbergstraße 1 in Wünsdorf besichtigt werden. Geöffnet ist von morgen bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Karen Grunow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg