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Abwechslung im Hühnerstall

Bestensee Abwechslung im Hühnerstall

In einer Aufzuchthalle der Firma Landkost-Ei in Bestensee leben rund 25 000 Legehennen. Damit es den Tieren gut geht und sie weniger gestresst sind, müssen die Mitarbeiter regelmäßig für Abwechslung im Stall sorgen. MAZ-Volontär Danilo Hafer hat sich einmal selbst als „Hühner-Erschrecker“ versucht.

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MAZ-Reporter Danilo Hafer versuchte sich als Stimmungsmacher – das kam bei den Hühnern aber nicht so gut an.

Quelle: Gerlinde Irmscher

Bestensee. Plastiküberzieher für die Schuhe und ein blauer Hygieneanzug. Ohne diese Grundausstattung darf ich den Hühnerstall in einem Waldstück bei Bestensee nicht betreten. Denn dies ist keineswegs ein gewöhnlicher Stall, wie ihn der Nachbar im Dorf auf seinem Grundstück besitzt. Dieser hier ist etwas größer. Viel größer, um genau zu sein. 25 000 Hühner leben allein in der Halle, vor deren Tür ich mir nun die Sch

Damit es den Tieren gut geht und sie ein stressfreieres Leben haben, betreibt Richard Geiselhart eine besondere Art der Tierbetreuung. Allgemein wird die Tätigkeit als „Hühner erschrecken“ bezeichnet. Doch das trifft es im Grunde nicht ganz, erklärt mir der Geschäftsführer. „Es geht darum, die Tiere mit dem Menschen vertraut zu machen und ihnen den Stress zu nehmen.“ Zwei- bis dreimal am Tag gehen daher Mitarbeiter durch die Aufzuchtanlagen und „erschrecken“ die Hühner. Das ist nun auch meine Aufgabe.

Petra Brose erklärt die Funktionsweise der Futteranlage

Petra Brose erklärt die Funktionsweise der Futteranlage.

Quelle: G.I.

Nachdem ich endlich in den Anzug geschlüpft bin, schließt Mitarbeiterin Petra Brose die Tür zum Stall auf. Die 55-Jährige arbeitet schon seit elf Jahren hier und kennt sich mit den Hühnern bestens aus. Gemeinsam mit Petra Brose werde ich gleich durch den Stall gehen und lernen, wie man Hühner professionell erschreckt oder eben auch nicht. Zunächst betreten wir einen Vorraum. Es ist warm, aber dennoch luftig. Natürlich riecht es nach Hühnern. Allerdings viel intensiver als in einem normalen Stall. Dennoch ist der Geruch nicht so unangenehm wie erwartet. Die Aufzuchthalle ist 80 Meter lang und in vier Gänge unterteilt, die jeweils voneinander getrennt sind. Wir entscheiden uns für einen der Mittelgänge, dort sind rechts und links des Ganges mehrere Etagen, auf denen die Hühner sitzen. Doch auch im Gang selbst herrscht ein gewaltiges Hühneraufkommen. Ich frage mich für einen Moment, wie wir dort nur durchkommen wollen. Werden die Hühner gleich wie wild umherflattern und mir möglicherweise auf den Kopf hüpfen? Wird der ganze Stall eingestaubt sein durch die wilden Flügelschläge, so dass wir nichts mehr sehen, geschweige denn atmen können? Ich bin etwas verunsichert.

25000 Hühner leben in einer Halle  – wenn sie ankommen, sind sie gerade einen tag alt

25000 Hühner leben in einer Halle – wenn sie ankommen, sind sie gerade einen tag alt.

Quelle: G.I.

Doch Geschäftsführer Richard Geiselhart erklärt mir: „Früher wären die Tiere schon völlig aufgescheucht gewesen, wenn wir vor der Halle laut geredet hätten, inzwischen sind sie schon viel ruhiger.“ Das stimmt. Nur einige der weißen Hennen schauen in unsere Richtung, der Großteil aber scheint sich überhaupt nicht für uns zu interessieren. „Vor einigen Jahren wäre das unmöglich gewesen, da hätten die Hühner jetzt schon alle am anderen Ende der Halle gesessen“, sagt auch Petra Brose.

Nachdem ich mir noch eine kleine Schelle ums Handgelenk geschnallt habe, kann es losgehen. Langsam öffnet Petra Brose die große Gittertür. Kaum stehen wir drin, geht auch schon die Aufregung los. Nicht nur bei mir, auch bei den Tieren. Sie scheinen vor uns zu flüchten. Rechts, links, vor und hinter uns. Die Hühner halten lieber einen ausreichenden Sicherheitsabstand. Drei Personen auf einmal und dann auch noch Fremde, das ist doch etwas zu viel für die Tiere. „Sie wissen nicht, was wir vorhaben und sind deshalb etwas aufgeregter als sonst“, erklärt Petra Brose. Wir gehen vorsichtig weiter. Schön langsam, damit die Tiere genügend Zeit haben, den Weg vor uns frei zu machen. Schnell wird mir klar, dass es beim Hühner erschrecken gar nicht darum geht, die Hühner wirklich zu erschrecken. Viel wichtiger ist es, für Abwechslung zu sorgen. Nach einigen Metern kommen wir an einem Windspiel vorbei. Eines dieser Utensilien, die für die gewisse Abwechslung sorgen sollen. „Das Windspiel macht immer eine andere Melodie, das ist jedes Mal etwas Neues für die Tiere“, so Brose. Im Vorbeigehen berühre ich kurz das Band des Windspiels und erzeuge eine klimpernde Melodie. Die Hühner bleiben entspannt. Na ja. So entspannt eben, wie man sein kann als Huhn, wenn gerade fremde Menschen durch ihren Stall laufen. Doch es scheint, als würden die Hühner, je länger wir uns in dem Stall aufhalten, immer ruhiger werden. Einige halten es nicht mal mehr für notwendig, von der Stange, die sich direkt am Gang befindet, aufzustehen. Ich muss schon ein bisschen zu Seite treten, um an dem Huhn vorbeizukommen. Denn Platz macht es nicht.

13 Wochen ist diese Legehenne jung

13 Wochen ist diese Legehenne jung.

Quelle: G.I.

Zwischendurch klimpere ich immer wieder ein bisschen mit meiner Glockenschelle herum. Einige Mitarbeiter würden den Hühnern auch Lieder vorsingen, sagt Petra Brose. Doch singen kommt für mich nicht infrage, dafür bin ich einfach zu schlecht. Das möchte ich selbst den Hühnern nicht zumuten. Stattdessen pfeife ich ein bisschen vor mich hin. Eines der Hühner schaut kurz etwas interessiert, wendet sich dann aber auch ganz schnell wieder ab und verschwindet im Gewusel der anderen.

Durch eine weitere Gittertür gelangen wir in den zweiten Teil des Gangs. Bei den Kontrollgängen geht es vor allem darum, kranke Tiere zu finden und den allgemeinen Gesundheitszustand der Tiere zu beurteilen. Natürlich bin ich kein Experte. Aber die Tiere scheinen wohlauf zu sein. Auch Petra Brose ist mit dem Zustand der Tiere zufrieden. „Das wichtigste ist, dass die Tiere genügend Futter und Wasser haben. Dreimal am Tag werden die Junghennen gefüttert. Dies geschieht vollautomatisch über einen Futterschleife, die, wie ein Fließband, einmal durch die ganze Halle läuft. Über eine Trinkleitung werden sie zudem ständig mit frischem Wasser versorgt.

Am Ende muss immer die Wasserleitung überprüft werden

Am Ende muss immer die Wasserleitung überprüft werden.

Quelle: G.I.

„Am Ende jedes Ganges überprüfen wir immer, ob die Wasserleitung aktiv ist“, erklärt Petra Brose. Um zu schauen, ob Wasser durch die Leitung läuft, halte ich meinen Finger ans Ende des Wassergebers, drücke ihn leicht nach oben und schon tropft es angenehm und kühl von meinem Finger runter. Die Wasserleitung funktioniert.

Zwei- bis dreimal am Tag macht Petra Brose diese Kontrollgänge. Der Geruch, die Wärme und die vielen Hühner sind für sie kein Problem. „Wissen sie, ich liebe einfach alle Tiere“, sagt sie. Nur Spinnen und Schlangen seien dann doch nicht ihr Fall, gibt sie später zu. Doch mit Hühnern habe sie noch nie Schwierigkeiten gehabt. „Ich habe das ja gelernt und mein ganzes Leben lang gemacht“, sagt sie. Ihr sei aber auch bewusst, dass dieser Job längst nicht für jeden das Richtige sei. „Man muss schon gut mit Tieren auskommen, sonst macht das keinen Sinn“, sagt sie. Es sei auch kein Problem zuzugeben, dass man sich in dem Stall nicht wohlfühlt. Und auch ich bin froh, als ich wieder an die frische Luft komme. Endlich durchatmen. Denn etwas beklemmend war es schon, durch einen Stall mit 25 000 Hennen zu gehen.

Von Danilo Hafer

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