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„Adäquate Betreuung“

Teltow-Fläming „Adäquate Betreuung“

Teltow-Fläming ist eine Boomregion und das Finanzamt Luckenwalde zuständig für eine „adäquate Betreuung“, also für eine gerechte Besteuerung aller Steuerzahler – ob internationaler Konzern oder ausländischer Erntehelfer. Brandenburgs Finanzminister besuchte am Mittwoch das Finanzamt, um sich über die dortigen besonderen Herausforderungen zu informieren.

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Kerstin Rosner (l.), Sachbearbeiterin der Lohnsteuerarbeitgeberstelle erläutert Finanzamtsvorsteherin Sabine Rothe und Finanzminister Christian Görke (Linke) die Besteuerung von ausländischen Saisonarbeitern und polnischen Grenzpendlern, die bisher nur in Papierform erfolgen kann.

Quelle: FOTO: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Finanzminister Christian Görke (Linke) kam am Mittwoch zu einem Arbeitsbesuch ins Finanzamt Luckenwalde. Er wollte sehen, wo dort die besonderen Herausforderungen liegen. Eine Besonderheit sei die „überdurchschnittliche Wirtschaftsentwicklung“ des Kreises Teltow-Fläming vor allem im Bereich des Speckgürtels und entlang der ausgebauten B101. Dies sei die viertgrößte Logistikstraße Europas, sagte Sabine Rothe, Vorsteherin des Finanzamtes Luckenwalde. Dieses bekomme die weitreichenden Folgen der anhaltend guten Konjunktur, der hier ansässigen großen Unternehmen, dem starken Zuzug vermögens- und grundstücksverwaltender Unternehmen und der boomenden Logistikbranche deutlich zu spüren.

Mehr lohnsteuerpflichtige Arbeitnehmer erfordert mehr Arbeit

Und je mehr Firmen sich niederlassen, desto mehr Menschen finden Arbeit und geben in Luckenwalde ihre Steuererklärung ab. Außerdem wirkt sich die positive Entwicklung auch auf die Zahl der lohnsteuerpflichtig beschäftigten Arbeitnehmer in den schon länger bestehenden Unternehmen aus. So ist das Gesamtjahresaufkommen allein an der Lohnsteuer im vergangenen Jahr im Finanzamt Luckenwalde um rund 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen und betrug zuletzt rund 250 Millionen Euro.

Bei aller Freude über das wirtschaftliche und fiskalische Wachstum wächst auch der Arbeitsaufwand im Finanzamt. So waren die personellen Anforderungen ein Thema der gestrigen Gespräche und eine mögliche „Nachsteuerung“ der Personalausstattung.

Luckenwaldes Finanzamts-Vorsteherin Sabine Rothe und Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) vor dem Luckenwalder Verwaltungsgebäude

Luckenwaldes Finanzamts-Vorsteherin Sabine Rothe und Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) vor dem Luckenwalder Verwaltungsgebäude.

Quelle: Hartmut F. Reck

Besonders komplex wird die Arbeit der Luckenwalder Finanzverwaltung bei sehr großen Unternehmen, vor allem bei denen mit „Auslandssachverhalten“, wie es im Amtsdeutsch heißt, also bei ausländischen Firmen oder solchen mit ausländischer Beteiligung. Davon gibt es im Landkreis Teltow-Fläming einige. Darunter sind auch sehr große Konzerne, über deren Präsenz man in der Region zwar sehr froh ist, die aber auch hier besteuert werden und nicht irgendwelche Schlupflöcher finden sollen. „Dazu haben wir Spezialisten, um solche Großbetriebe und Konzerne adäquat zu betreuen“, wie es Finanzamtschefin Sabine Rothe freundlich umschreibt. Je größer die Unternehmen seien, desto intensiver werde geprüft, berichtete sie. Hierbei helfe auch der Datenaustausch zwischen den Staaten, der immer besser funktioniere.

Augenmerk auf Vermögensverwaltungen

Ein weiteres Augenmerk liege auf Vermögensverwaltungen. Solche Firmen haben sich mit Vorliebe in Zossen angesiedelt, weil dort der Gewerbesteuersatz auf der gesetzlich untersten Erhebungsstufe von nur 200 Prozent liegt. Im Durchschnitt liege die Gewerbesteuer im Land Brandenburg bei 323 Prozent, sagte Görke. Ihm gefalle das Vorgehen Zossens gar nicht. Er müsse es aber so hinnehmen, weil darüber die Kommunen selbst zu bestimmen haben. „Das ist natürlich lukrativ für solche Unternehmen“, räumt der Finanzminister ein. Wer zum Beispiel in Zossen nur eine Gewerbesteuer von 20 000 Euro abzuführen habe, der müsste einer „Durchschnittsgemeinde“, also bei 323 Prozent Steuersatz, 12 300 Euro mehr an den Fiskus abführen. Wer aber denke, dass man neben der niedrigen Gewerbesteuer auch andere Vorteile in Anspruch nehmen könne, liege falsch, sagte Görke. Um so genannte Briefkastenfirmen zu verhindern, achte man darauf, ergänzte Rothe, dass die Firmen nicht nur zum Schein dort angemeldet seien: „Wir überprüfen, wo die Geschäftsführungen wirklich sitzen.“

Steuerpflichtige Grenzpendler und Erntehelfer

Zunehmende Digitalisierung und Automatisierung wie das bald freigeschaltete neue und einfachere Elster-Onlineportal, soll die Arbeit der Finanzinspektoren erleichtern. Das geht aber (noch) nicht überall. So gibt es – eine weitere Besonderheit in Teltow-Fläming – eine große Anzahl von polnischen Grenzpendlern, die jeden Tag zur Arbeit zu den großen Logistikfirmen vor allem in Großbeeren fahren und danach wieder zurück nach Hause. Da man normalerweise am Wohnsitz besteuert wird, muss alles noch mit Papierunterlagen geregelt werden. Ähnlich sehe es auch mit den ausländischen Erntehelfern aus.

Das Steueraufkommen des Finanzamtes Luckenwalde hat sich von 2004 bis 2016 mehr als verdoppelt – von 278 Millionen Euro auf 615 Millionen Euro. Das sind etwa sechs Prozent des Gesamtsteueraufkommens des Landes.

Die Zahl der im Landkreis Teltow-Fläming Steuern zahlenden Arbeitgeber sind in den vergangenen zweieinhalb Jahren um 8,2 Prozent gestiegen von 4838 Arbeitgebern am 30. September 2014 auf 5235 am 30. April 2017.

Die Beschäftigtenzahlen steigen stetig. Allein bei den zehn größten Arbeitgebern stiegen sie in den letzten sechs Monaten um 3,1 Prozent.


184 Beschäftigte und 19 Azubis hat das Finanzamt Luckenwalde.

Eine gerechte Besteuerung soll laut Görke jeder erfahren. Ob als multinationaler Konzern oder als ausländischer Spargelstecher.

Von Hartmut F. Reck

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