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Äcker zu Blumenwiesen

Groß Machnow Äcker zu Blumenwiesen

Landwirtschaft und Umweltschutz müssen sich nicht ausschließen. Die Agrargenossenschaft Groß Machnow stellt einen Teil ihrer Flächen für den Naturschutz zur Verfügung und bekommt dafür Geld vom Flughafen. Am Freitag machte sich Brandenburgs Umweltminister ein Bild von dem Projekt.

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Umweltminister Jörg Vogelsänger (2.v.r) informierte sich bei Jürgen Zimmermann von der Agrargenossenschaft (r.)

Quelle: Christian Zielke

Groß Machnow. Hier ein neues Wohngebiet, dort ein Gewerbepark – fast immer expandieren Kommunen auf Kosten der Landwirtschaft. Jürgen Zimmermann, der Leiter der Agrargenossenschaft Groß Machnow kennt das Problem seit Jahren. 1990 bewirtschaftete der Betrieb noch eine Fläche von 4400 Hektar. Jetzt sind es noch 2600 Hektar. Es muss also schon einiges passieren, damit Jürgen Zimmermann freiwillig einen Teil seines kostbaren Landes abgibt.

Und er hat es getan – nicht für den Beton, sondern für die Natur. Mehrere Hundert Hektar Ackerfläche sind in den vergangenen Jahren zu Grünland, Feuchtwiesen, Biotopen, Hecken und Wildkräuterstreifen umgestaltet worden. Größere Ackerflächen werden kleinteiliger bewirtschaftet. Ziel ist es, seltenen Pflanzen- und Vogelarten mehr Lebensraum zu geben. Weil es sich um eines der größten Projekte dieser Art in Brandenburg handelt, machte sich Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) am Freitag ein Bild. Er lobte die ökologische Aufwertung, für die für das Land Brandenburg mit einer Richtlinie vom Juli dieses Jahres den gesetzlichen Rahmen geschaffen hat. Für die öffentliche Hand ist das, was zwischen Groß Machnow und Mittenwalde umgesetzt wurde, auch noch äußerst preiswert, denn das Geld, ein sechsstelliger Betrag, stammt vom Flughafen. Dieser zahlt sozusagen einen Ablass dafür, dass für Terminals, Start- und Landebahnen und die zahlreichen Nebengebäude fast 500 Hektar Fläche zubetoniert werden. Ein Teil des Geldes soll zumindest in der Nähe des Flughafen dem Naturschutz zugute kommen. Einer der größten Profiteure ist die mehr als 2600 Hektar umfassende Zülowniederung, in der sich auch ein Großteil der Flächen der Agrargenossenschaft befindet.

Flughaften zahlt für Kompensationsmaßnahmen

„Es ist das Pilotprojekt für betriebsintegrierte Kompensationsmaßnahmen“, sagt Karsten Holtmann, Leiter der Umweltabteilung bei der Flughafengesellschaft (FBB). Kompensiert werden nicht nur die Eingriffe in die Natur durch den Flughafen, sondern auch die finanziellen Folgen für die Landwirte. Jürgen Zimmermann bekommt also Geld vom Flughafen dafür, dass er seine Flächen zur Verfügung stellt – und zwar für 25 Jahre. „Zunächst war ich skeptisch“, sagt Zimmermann. Weil sich die landschaftspflegerischen Arbeiten positiv auf das Betriebsergebnis auswirken und keinen negativen Einfluss auf die landwirtschaftliche Förderung haben, habe er sich für den neuen Weg entschieden.

Hintergrund

1991 wurde die Agrargenossenschaft Groß Machnow gegründet.

Auf 2400 Hektar Fläche werden vor allem Roggen, Raps, Weizen, Gerste, Silomais und Lupinen angebaut.

In den Ställen werden 340 Sauen und 93 Mutterkühe gehalten.

Seit 2007 betreibt die Genossenschaft eine Biogasanlage mit 536 Kilowatt.

Insgesamt 24 Beschäftigte arbeiten in dem Unternehmen.

An den Maßnahmen sind seit 2013 Landwirte aus Groß Machnow, Zossen und Mittenwalde beteiligt.

Einen großen Anteil daran hat der Landschaftspflegeverein Mittelbrandenburg (LPV), der die Maßnahmen koordiniert. „Es ist ein tolles Beispiel, wie man Naturschutz und Landwirtschaft zusammen bringen kann, so dass beide davon profitieren“, sagte Reinhard Baier vom Landschaftspflegeverein. Erste Erfolge zeigen sich bereits. „Wir zählen mehr Tagfalter, Vögel und Kleinsäuger als zuvor“, sagt Lilian Guzman vom LPV. Sie wünscht sich, dass dem Beispiel aus Groß Machnow viele weitere folgen. „Wir brauchen mehr Landwirte, die den Mut haben.“

Von Christian Zielke

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