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Ärztemangel beim Rehasport für Herzkranke

Jüterbog Ärztemangel beim Rehasport für Herzkranke

130 Patienten bekommen derzeit allein in Jüterbog und Luckenwalde Reha-Sportkurse verschrieben, weil sie an koronalen Herzkrankheiten leiden, einen Infarkt erlitten oder einen Herzklappenfehler haben. Im Landkreis gibt es nur einen Verein für Herzsportkurse. Dieser bangt nun um die Zukunft dieses Angebots, weil Ärzte fehlen.

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Ergometer sind wichtige Sportgeräte für Herzkranke.

Quelle: Victoria Barnack

Jüterbog. Einmal in der Woche treffen sich mehr als 100 Herzpatienten in Jüterbog und Luckenwalde in mehreren Sportgruppen. Dann Strampeln sie entweder eine Viertelstunde lang auf dem Ergometer oder drehen zu Fuß mehrere Runden durch die Turnhalle und machen lustige Aufwärmübungen, um ihr Herz und den Kreislauf in Schwung zu bringen und damit die Kondition ihrer mitgenommen Herzen zu trainieren. „Insgesamt betreuen wir circa 130 Personen in sechs Gruppen“, berichtet Claudia Mager. Sie ist die Vorsitzende des Vereins „Integration – Gesundheit – Lebensfreude“, der die Herzsportkurse organisiert.

Doch jetzt stehen Mager und ihre Vereinskollegen vor großen Problemen: Die alternde Gesellschaft und der Ärztemangel im ländlichen Raum führten zu einem Ungleichgewicht in den Kursen. „Die Bereitschaft der Ärzte. uns zu betreuen, war über viele Jahre hinweg vorhanden. Nun wollen sie ihre Rente genießen, aber es finden sich keine Nachfolger“, erklärt Mager.

Mit verschiedenen Geräten und Übungen werden die Kurse nicht langweilig

Mit verschiedenen Geräten und Übungen werden die Kurse nicht langweilig.

Quelle: Victoria Barnack

Zwei Ärzte begleiten derzeit regelmäßig die Herzsportkurse und überwachen dabei zum Beispiel den Blutdruck der Patienten. Den Puls messen die Sportler während der 60-minütigen Übungseinheiten eigenständig und haben anschließend im Gespräch mit den Doktoren die Möglichkeit, ihre Fragen und Bedenken zu klären.

Nachfolger bis Jahresende gesucht

Nun sucht der Verein mindestens zwei Nachfolger. „Wenn sich pro Standort eine Person finden ließe, die jede Woche regelmäßig die Kurse betreut, wäre unser Problem gelöst“, sagt Mager. Je mehr freiwillige Ärzte sich melden, desto besser könne die zeitliche Absprache geschehen. Denn dann könnten sich mehrere Ärzte die Stunden oder Wochen aufteilen.

Wenn bis zum neuen Jahr keine Doktoren die medizinische Betreuung übernehmen wollen, müssen die Kurse geschlossen werden. Denn die Anwesenheit eines Arztes ist Pflicht. Immerhin ist mit den Krankheiten und der operativen Vergangenheit vieler Patienten nicht zu spaßen. Einen Ernstfall gab es in den sechs Gruppen in Jüterbog und Luckenwalde zwar schon lange nicht mehr, „aber die Ärzte sind vor allem zur Überwachung und für Fragen und Probleme der Herzpatienten vor Ort“, sagt Claudia Mager.

Herzsportler bleiben auf der Strecke

Sie gönnt ihnen den Ruhestand zwar, ist aber vor allem um ihre Sportler besorgt. In ganz Teltow-Fläming ist der Verein „Integration – Gesundheit – Lebensfreude“ der einzige Anbieter für Herzsportkurse. Diese werden von den Krankenkassen beispielsweise nach überstandenen Herzinfarkten, bei koronalen Herzkrankheiten oder Herzklappenfehlern teilweise sogar für mehrere Jahre verschrieben und bezahlt.

„Wir haben auch junge Teilnehmer in den verschiedenen Kursen“, berichtet Mager. Die jeweils drei Gruppen pro Standort sind nach Leistungsniveau gestaffelt. „In der letzten Gruppe trainieren beispielsweise auch 40-Jährige“, sagt die Vereinsvorsitzende, die selbst Kurse leitet. Den Herzsport, der in Luckenwalde immer am Montag und in Jüterbog am Dienstag stattfindet, überlässt sie allerdings anderen Übungsleitern.

Kontakte zu vielen Medizinern – ohne Erfolg bisher

Was sie den Patienten sagen soll, falls sich nicht wenigstens ein Nachfolger für die ärztliche Überwachung finden lässt, weiß Claudia Mager nicht. „Wir haben schon versucht, verschiedene Praxen anzuschreiben, aber darauf hat niemand reagiert“, berichtet sie. Nun sind sogar schon die Kursteilnehmer selbst auf Ärztesuche. Sie fragen persönlich bei ihren Hausärzten nach, ob nicht Interesse bestehe. Denn die Geduld der bereits pensionierten Ärzte neigt sich langsam dem Ende zu.

Einer von ihnen ist Rudolf Popp, der den meisten Jüterbogern zwar als Kinderarzt bekannt ist, „aber auch in den Herzsportgruppen kenne ich die meisten Patienten“, sagt er. Regelmäßig übernimmt er Vertretungen, wenn die anderen Ärzte es nicht zu den Kursen schaffen. Er schätzt den Job als relativ ruhige Aufgabe. Der finanzielle Anreiz ist für Popp eher nebensächlich. „Denn hier sind vor allem die Arbeitsbedingungen sehr ordentlich“, sagt er mit Verweis auf die moderne Sporthalle mit zahlreichen Trainingsgeräten und der Möglichkeit, bei gutem Wetter draußen im Garten zu trainieren.

Hintergrund

Der Verein Integration-Gesundheit-Lebensfreude Jüterbog wurde 1994 gegründet.

Er hat das Ziel, chronisch Kranke und Behinderte in passende Reha-Sport- und Übungsgruppen unterzubringen.

Das Hauptaugenmerk des Vereins liegt auf dem Bereich der Bewegungstherapie. Es gibt unter anderen Kurse für Kreislauferkrankte, Diabetiker und Rheumapatienten. Weitere Schwerpunkte sind die Selbsthilfearbeit und präventive Angebote zur Gesundheitsförderung.

Kurse werden in Jüterbog und Luckenwalde angeboten und finden auch in der Fläming-Therme statt.

Für die Kontrolle der Sportler und die Überwachung des Trainings muss ein Arzt nicht zwingend Kardiologe sein. Dennoch fehlen offenbar Anreize, die Position zu übernehmen. Denn mit den geringen finanziellen Mitteln, die dem Verein zur Verfügung stehen, können sie die Ärzte nicht locken. „Wir haben auch schon versucht Alternativen zu finden“, erklärt Claudia Mager. Die Ausweichmöglichkeit beispielsweise auf Rettungsdienste ist jedoch per Gesetzt nicht erlaubt.

Von Victoria Barnack

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