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AfD-Politikerin meint Kopftuch-Streit bringt Wahlkampf-Plus

Gefeuerte Praktikantin mit Kopftuch AfD-Politikerin meint Kopftuch-Streit bringt Wahlkampf-Plus

Luckenwaldes Bürgermeisterin bleibt dabei: In ihrem Rathaus herrscht Kopftuchverbot für Muslime. Die Entscheidung bringt einer AfD-Politikerin zufolge der Stadtchefin viele Pluspunkte im Wahlkampf ein. Doch Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) hält dagegen. Für die Palästinenserin hat sie indes eine Alternative gefunden – und räumte Fehler ein.

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Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide mit Wohnungsbau-Geschäftsführer Horst-Ulrich König bei der Pressekonferenz.

Quelle: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Die volle Bandbreite von Zustimmung bis Ablehnung erlebt derzeit Luckenwaldes Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD). Der Grund ist ihre Entscheidung, einer palästinensischen Praktikantin die bereits zugesagte Stelle im Rathaus wieder abzusagen, weil sie nicht auf ihr Kopftuch verzichten wollte.

Die Bürgermeisterin beruft sich auf die strikte Neutralität einer Verwaltung. „Das gilt für alle Beschäftigten“, sagte sie am Donnerstagnachmittag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz, „egal ob Festangestellte, Auszubildende oder Praktikanten.“ Das Rathaus sei eine „religionsfreie Zone“.

Herzog: „Ich bleibe bei meiner Meinung.“

Sie habe nichts gegen das islamische Kopftuch einzuwenden, vor allem wenn es als selbstbewusstes Bekenntnis zum islamischen Glauben verstanden“ werde. Am Rathausarbeitsplatz überschreite es aber die hier geltenden Regeln der Neutralität. „Bei dieser Meinung bleibe ich“, betonte Herzog.

Die Bürgermeisterin räumte aber ihren Fehler ein, dass dies der Flüchtlingsfrau nicht schon bei der Anbahnung des Praktikums deutlich gemacht wurde. „Ich bedaure es sehr“, sagte die Verwaltungschefin, dass durch ihre strikte Haltung „die Praktikantin nun die Leidtragende ist.“

Wohnungsgesellschaft bietet Ersatzpraktikum an

Das habe sie die ganze Zeit umgetrieben bis sie am Mittwochabend eine Idee hatte. Gegen 22 Uhr rief sie Horst-Ulrich König, den Geschäftsführer der städtischen Wohnbaugesellschaft „Die Luckenwalder“ an, ob er die abgewiesene Praktikantin nicht bei sich beschäftigen könne.

König beriet sich am Donnerstag erst mit seinen Mitarbeitern und teilte bei der Pressekonferenz mit: „Wir werden die Flexibilität der städtischen Tochtergesellschaft nutzen.“ Dies komme der „Luckenwalder“ sogar entgegen, weil es in der Stadt viele Flüchtlinge gebe, die aus den Übergangswohnheimen heraus müssten und nach Wohnungen suchten. Dabei könne man eine Übersetzerin mit guten Deutschkenntnissen sehr gut gebrauchen, was besser sei, als dass sich seine Mitarbeiter mit „Google-Arabisch“ behelfen.

Vertrag „mit freudigem Gesicht“ unterschrieben

Der Flüchtlingsfrau sei über den Maßnahmenträger des Integrationspraktikums die Stelle über sechs Wochen angeboten worden, die sie sofort angenommen und den Vertrag „mit freudigem Gesicht“ unterschrieben habe, berichtete König. Er habe ihr klar gemacht, was man von ihr erwarte. Er sei aber zuversichtlich, so der Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft, die keine öffentlichen Aufgaben wahrnimmt und von daher auch keine Probleme mit dem Kopftuch bestünden, dass die Zusammenarbeit für beide Seiten hilfreich sei. So habe die Praktikantin in ihrem Herkunftsland bereits 18 Jahre in einer Verwaltung gearbeitet.


Medieninteresse in Luckenwalde

Medieninteresse in Luckenwalde.

Quelle: Hartmut F. Reck

Während die Entscheidung der Bürgermeisterin vielerorts kritisiert wird, kriegt sie Unterstützung vom SPD-Landtagsabgeordneten Erik Stohn. Luckenwalde sei vorbildhaft bei der Unterbringung von Geflüchteten und die Bürgermeisterin nehme klar Stellung gegen Rechtsextreme und Gewalt. Der linke Stadtverordnete Hans-Jürgen Akuloff kritisiert allerdings, dass Herzogs „Alleinentscheidung im Widerspruch zu ihrer bisher sehr deutlich gewordenen Integrationspolitik“ stehe. „Sie war übereilt getroffen worden und unverhältnismäßig“, sagt Akuloff.

AfD: „Pluspunkte im Bürgermeisterwahlkampf.“

Die AfD-Landtagsabgeordnete Birgit Bessin hält die Entscheidung Herzogs für richtig. Das werde zwar ihrem Ansehen in der SPD schaden, „aber wenn sie es im Rahmen des bevorstehenden Bürgermeisterwahlkampfs getan hat, wird es ihr Pluspunkte bringen“.

„Wer mich lobt aufgrund mir fernstehender politischer Motive, hat meine Argumentation nicht verstanden“, sagt dagegen Elisabeth Herzog-von der Heide.

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» So diskutieren Facebook-Nutzer über den Fall

» Kopftuch-Verbot? Pro & Contra

AfD klatscht Beifall für Kopftuchverbot

Die Erklärung der Bürgermeisterin im Wortlaut

Von Hartmut F. Reck

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