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Teltow-Fläming Aktionstag an Kitas in freier Trägerschaft
Lokales Teltow-Fläming Aktionstag an Kitas in freier Trägerschaft
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02:22 28.05.2018
Leon (5) und Niklas (5) aus der Ludwigsfelder Kita „Regenbogen“ werden von Erzieher Robert Dunkel für ein Piratenspiel geschminkt. Die Vorschüler mussten am Freitag früher aus der Kita abgeholt werden, weil die Erzieher mit einer Protestaktion auf die prekäre Betreuungslage aufmerksam machten. Quelle: M. Ujlaki
Ludwigsfelde

Der vergangene Freitag war kein normaler Freitag in der Kita „Regenbogen“ in Ludwigsfelde. Im Turnraum saßen am Vormittag ungewöhnlich wenig Kinder und viele Erwachsene. Die Stimmung war auch nicht ganz so ausgelassen, wie sonst in diesem Raum zum Toben. Grund dafür war der Landesweite Protesttag, den viele Kitas in freier Trägerschaft ausgerufen hatten, um auf die schwierigen Betreuungsverhältnisse in den Einrichtungen aufmerksam zu machen. Der Aktionstag stand unter dem Motto: „7,5 Stunden sind nicht genug!“.

Der DRK-Kreisverband Fläming-Spreewald, Träger der Kita „Regenbogen“, hatte anlässlich des Protesttages zu einem Gespräch in den Turnraum geladen, um der Öffentlichkeit die Lage in den Kitas zu verdeutlichen. Die Kita hatte an diesem Tag nur von 8 bis 16 Uhr geöffnet. Gekommen waren Vertreter der Kitas, der Eltern und der Trägerschaft.

Deshalb protestieren die Kitas

„Es muss etwas passieren“, sagt Simone Klawonn, Kita-Praxisberaterin im DRK-Kreisverband. „Die Bedingungen, unter denen die Kitas in freier Trägerschaft im Moment arbeiten müssen, können wir nicht mehr hinnehmen.“ Täglich würden Kinder in den Kitas bis zu zehn Stunden oder noch länger betreut werden. Die von den Kommunen finanzierte Personalbemessung reiche aber nur für 7,5 Stunden aus. Die Lage habe sich in den vergangenen Jahren enorm verschlechtert und die Erzieher müssten es buckeln, so Klawonn.

Durch die längere Betreuungszeit verschlechtere sich das Fachkraft-Kind-Verhältnis und die Erzieher wie auch die Eltern würden erheblich unter Druck gesetzt. Laut Klawonn seien die Folgen dieser Situation verheerend. Die Erzieher würden am absoluten Limit arbeiten und auch die Eltern könnten nicht damit zufrieden sein, wenn die Qualität der Kita-Arbeit gefährdet sei. „Die Leidtragenden sind am Ende die Kinder“, sagt Klawonn.

So sieht der Alltag in der Kita aus

Nicole Böttner, Leiterin des Kinderhauses „Regenbogen“ in Ludwigsfelde, erzählt aus dem Kita-Alltag: „Wenn eine Erzieherin mehrere Stunden lang alleine auf 20 Kinder aufpassen muss, ist es kein Wunder, dass sie es nicht schafft, besondere Aktionen mit den Kleinen zu machen.“ Der Druck auf die Erzieher werde immer größer. Das habe auch zur Folge, dass Kollegen wegen der Überlastung krank würden und ausfielen, so Böttner. Wenn Kitas den bestmöglichen Betreuungsschlüssel anbieten wollten, könnten sie nur von 8 bis 16 Uhr geöffnet sein, alles andere könne nach der aktuellen Gesetzeslage nicht finanziert werden.

Im Turnraum der Kita „Regenbogen“ entstand eine emotionale Diskussion darüber, wie die Situation an den Kitas in Zukunft verbessert werden kann. Dabei merkte Simone Klawonn an, dass längst nicht alle Kitas aus der Region an der Gesprächsrunde teilnehmen könnten, die eigentlich eingeladen waren, weil der Personalmangel vielerorts zu groß sei.

Elternbeirat sieht noch andere Probleme

Der Kita-Elternbeirat des Kreises Teltow-Fläming, der vertreten durch seinen Vorsitzenden, Mathias Vogel, ebenfalls am Gespräch teilnahm, äußert Verständnis für die Lage der Erzieher. Gleichzeitig betont Vogel aber auch, dass die Betreuungszeit nicht das einzige Problem an den Kitas sei: „Wir Eltern befinden uns in einem schwierigen Spannungsfeld. In manchen Kommunen sind die Kitagebühren so teuer, dass sich Eltern die Kita kaum leisten können.“ Vogel fordert eine generelle Beitragsfreiheit an allen Kitas, damit würden auf einen Schlag viele Probleme gelöst.

Mathias Vogel, Vorsitzender Kita-Elternbeirat Teltow-Fläming Quelle: Jonas Nayda

Die Situation an den Kitas, die direkt einer Stadt oder Kommune unterstehen, sei nicht so schlimm, berichtet Steffen Große, Regionalbüroleiter des Paritätischen Verbandes Süd-West-Brandenburg. „Die Kommunen finanzieren ihre eigenen Kitas ganz anders. Die freien Träger sind schlechter gestellt, deshalb brauchen wir ein neues Kitagesetz“, sagt Große. Er habe allerdings das Gefühl, dass die Politik die Probleme der Kitas in freier Trägerschaft nicht ernst nimmt. „Wenn alle Kitas sich konsequent an die 7,5 Stunden halten würden, gebe es ein Problem“, sagt Große.

7,5 Stunden sind für viele Eltern unmöglich

Am Freitag konnten die Eltern bereits spüren, wie es wäre, wenn die Kitas tatsächlich nur 7,5 Stunden geöffnet hätten. Kita-Leiterin Nicole Böttner beschreibt, wie morgens schon eine lange Menschenschlange vor der Eingangstür gewartet hat, bis es endlich acht Uhr wurde und die Kita öffnete. „Die Eltern müssten kreativ werden, wenn sie ihre Kinder nur von acht bis 16 Uhr abgeben können“, sagt Böttner. Lange Fahrtzeiten oder Schichtdienst würden es den meisten unmöglich machen, sich an diese Zeitrahmen zu halten.

Bei den Eltern wäre inzwischen angekommen, dass die Erzieher in der Kita weit mehr als 7,5 Stunden täglich arbeiten. Nun müsse diese Erkenntnis auch in der Landesregierung ankommen, da waren sich alle Beteiligten der Gesprächsrunde im Turnraum der Kita „Regenbogen“ einig. Der Aktionstag müsse ein deutliches Zeichen setzen und dürfe nicht folgenlos bleiben.

Viele Kitas am Aktionstag beteiligt

Gemeinsam mit der Kita in Ludwigsfelde beteiligten sich in ganz Brandenburg viele weitere Einrichtungen an der Protestaktion. Die Liste der Träger, die sich beteiligten, ist lang: Neben dem DRK haben Awo, Caritas, der Paritätische Landesverband, Diakonie sowie Fröbel Bildung und Erziehung ihre Unterstützung zugesagt. Zusammen vertreten sie knapp die Hälfte aller Kitas im gesamten Land Brandenburg.

Der DRK-Kreisverband ruft alle Eltern, Erzieher und Kinder dazu auf, am Mittwoch, dem 30. Mai, von 8 bis 11 Uhr vor den Landtag in Potsdam zu ziehen und für ein neues Kitagesetz zu demonstrieren.

Von Jonas Nayda

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