Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° Sprühregen

Navigation:
Aktuell keine Gefahr – aber Prävention

Tierseuchengefahr in der Region Aktuell keine Gefahr – aber Prävention

Schweinegrippe, Pferdepest, Rinderherpes: Immer wieder geistern Namen verschiedener Tierseuchen durch die Medien. Aber wie gefährlich sind die eigentlich und was bedeuten sie für die Halter der Tiere? Im Interview gibt die Amtstierärztin von Teltow-Fläming, Silke Neuling, Auskunft – und redet auch über Vorbeugung, Tollwut und die Seuchenkasse.

Voriger Artikel
Karrierechancen am Flughafen überzeugen Berufseinsteiger
Nächster Artikel
22-jähriger Mann bedroht Frau

Die afrikanische Schweinepest hat sich zuletzt von Russland bis nach Polen ausgebreitet.

Quelle: dpa

Luckenwalde. Die Jäger warnen vor der afrikanischen Schweinepest, die Landwirte sorgen sich wegen Rinder-Herpes. Silke Neuling hat alles im Blick. Ein Gespräch mit der Amtstierärztin von Teltow-Fläming über Tierseuchen.

Amtstierärztin Silke Neuling

Amtstierärztin Silke Neuling.

Quelle: Pressestelle Kreis TF

Frau Neuling, in den vergangenen Monaten gab es wiederholt Meldungen über Tierseuchen in Südbrandenburg. Mal ging es um die Pferdegrippe, mal um Rinderherpes, zuletzt um die afrikanische Schweinepest. Erklären Sie uns bitte, welche Auswirkungen diese Seuchen haben.

Silke Neuling: Generell sind Tierseuchen, vor denen die Amtstierärzte warnen, mit vielen kranken und toten Tieren verbunden und in der Folge auch mit wirtschaftlichen Verlusten für die Halter. Nehmen wir die afrikanische Schweinepest, eine bisher in Deutschland noch nie aufgetretene Tierseuche. Gegen den Erreger gibt es keinen Impfstoff. Gerade solche Seuchen versucht man deshalb schnell und umfassend zu bekämpfen.

Was heißt das konkret?

Neuling: Sobald ein Erreger durch die entsprechenden Labore in der Region nachgewiesen wird, müssen in einem gewissen Radius alle Wild- und Hausschweine dezimiert werden. Die Wildschweine werden bejagt, die Hausschweine getötet oder geschlachtet. Es werden Sperrbezirke eingerichtet, es ergehen Verhaltensrichtlinien an die Bevölkerung. Ein solcher Seuchenfall betrifft immer gleich eine ganze Region. Die von Ihnen erwähnten Krankheiten sind aber zum Glück in Teltow-Fläming noch nicht aufgetreten.

Mit welchen Seuchen hatte die Region denn schon zu tun?

Neuling: Das Land Brandenburg hatte in den Neunzigern mit der klassischen Schweinepest zu kämpfen. Die Älteren erinnern sich vielleicht noch an Fälle von Maul- und Klauenseuche und an die Tollwut. Viele Tierkrankheiten, die bis in die 90er Jahre aufgetreten sind, gibt es aber heute nicht mehr.

Die Tollwut ist ausgerottet?

Neuling: Zumindest die Variante, die vom Fuchs auf Menschen übertragen werden kann. Es gibt noch eine Variante bei Fledermäusen.

Generationen von Kindern wurden wegen der Tollwut vor zutraulichen Wildtieren gewarnt. Gilt diese Regel nicht mehr?

Neuling: Doch, natürlich. Wildtiere sollten immer wie Wildtiere behandelt werden. Es werden ja auch immer noch Krankheiten wie Staupe oder Hepatitis E nachgewiesen, nur eben keine Tollwut mehr.

Beschäftigen Sie sich eher mit Wild- oder mit Nutztieren?

Neuling: Man sollte sich als Amtstierärztin schon mit beidem auskennen.

Wie schätzen Sie den Gesundheitszustand der Wild- und Nutztiere in Teltow-Fläming ein?

Neuling: Im Moment sehr gut. Wir hatten zwar vor Kurzem den Verdacht auf eine mögliche Infektion mit dem Bovinen Herpesvirus (BHV1), aber die Testergebnisse waren negativ, wir haben derzeit keine Tierseuchen.

In den geltenden Verordnungen werden 23 meldepflichtige und 54 anzeigepflichtige Tierkrankheiten geführt. Was ist der Unterschied?

Neuling: Meldepflichtige Krankheiten werden nur statistisch erfasst, von denen verzeichnen wir mehrere im Jahr. Die anzeigepflichtigen Krankheiten dagegen sind Tierseuchen, bei denen große wirtschaftliche Schäden zu erwarten sind. Die müssen bekämpft werden. In der Verordnung sind aber auch Seuchen gelistet, die es in Deutschland noch nie gab. Man bereitet sich trotzdem auf sie vor, es gibt schließlich keine 100-prozentigen Garantien.

Was war der letzte Seuchenfall, bei dem Sie eingreifen mussten?

Neuling: Das war ein Fall von amerikanischer Faulbrut bei Honigbienen im vorigen Jahr. Wir hatten 2014 auch einen Fall von BHV1 im Landkreis, und ich erinnere mich auch an einen Fall von Vogelgrippe im Jahr 2006, wo ein Sperrgebiet ausgerufen wurde. Da waren wir aber nur mittelbar betroffen, damals hatte man eine tote Wildgans im Ort Pitschen-Pickel gefunden. Der liegt in Dahme-Spreewald direkt an der Kreisgrenze zu Teltow-Fläming. Deshalb gab es übergreifende Maßnahmen.

Bleiben Landwirte im Falle von Notschlachtungen auf ihren Verlusten sitzen?

Neuling: Nein, nicht komplett. Die Halter zahlen in eine Tierseuchenkasse ein. Im Fall einer Seuche bekommen sie daraus eine Entschädigung. Aber natürlich erleiden sie trotzdem wirtschaftliche Verluste.

Wie beugt man dem vor?

Neuling: Zunächst muss sich der Tierhalter überlegen, wie er sich schützen will. Dazu gehört, dass man Tiere nur mit Gesundheitszertifikat von verlässlichen Handelspartnern kauft, dass man Sauberkeit und Ordnung hält, dass das Betriebsgelände eingezäunt und auch gegen Nager gesichert ist. Ein Halter sollte sich so weit mit seinen Tieren auskennen, dass er Krankheiten erkennt. Bei einem Verdacht muss er seinen Hoftierarzt oder den Amtstierarzt in Kenntnis setzen.

Und was tun die Behörden?

Neuling: Wir führen in Zusammenarbeit mit dem Landeslabor Berlin-Brandenburg umfangreiche Untersuchungen durch. Füchse etwa werden immer noch regelmäßig auf Tollwut untersucht, die Krankheit tritt ja in Osteeuropa weiterhin auf. Rinder werden auf Brucellose und Tuberkulose untersucht, gegen bestimmte Krankheiten wird auch geimpft. Und dann gibt es staatliche Institutionen, die Tierseuchen auf der ganzen Welt beobachten und Strategien dagegen entwickeln.

Zur Person

Silke Neuling , 49, ist promovierte Tiermedizinerin und steht seit 2002 als Amtstierärztin im Dienst der Kreisverwaltung von Teltow-Fläming. Damit ist sie auch Chefin von 22 Mitarbeitern im Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt.

Seit Mai ist sie zudem Dezernentin. Damit unterstehen ihr unter anderem auch das Umwelt-, das Landwirtschafts- und das Ordnungsamt.

Im Fall der afrikanischen Schweinepest hatten zuletzt die Jäger gefordert, dass die Landkreise ihnen die Gebühren für Trichinen-Untersuchungen erlassen. Potsdam-Mittelmark macht das. Weshalb Teltow-Fläming nicht?

Neuling: Es wäre eine freiwillig Leistung und die ist nicht finanzierbar. Wir haben keinen ausgeglichen Haushalt. Meine persönliche Meinung ist: Die Kreisverwaltung muss Gebühren kostendeckend erheben. Wenn ich eine Gebühr erlasse, muss ich andere Leistungen teurer machen. Die Jäger hätten also relativ wenig davon. Außerdem wäre der bürokratische Aufwand hoch. Ich setze mich aber immer dafür ein, die Jäger durch finanzielle Hilfen bei der Probeneinsendung zu unterstützen.

Frau Neuling, es gab Jahre, in denen Tierseuchen noch deutlich stärker im Fokus standen als heute, man denke nur an die Vogelgrippe oder an BSE. Wie bewerten Sie die Aufregung damals im Rückblick?

Neuling: Hinterher ist man immer schlauer, aber man muss deutliche Warnungen aussprechen. Mit dem Wissen, das man damals hatte, waren die Warnungen gerechtfertigt. Es war schließlich eine Gefährdung für die Menschen da, und man kann Verbraucher nur durch rechtzeitige Warnungen schützen.


Von Oliver Fischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Teltow-Fläming
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg