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Als Zuschauer vor Gericht

Königs Wusterhausen Als Zuschauer vor Gericht

Ein Antigewaltprojekt der Bürgerstiftung Königs Wusterhausen macht Kinder stark: Grundschüler lernen, wie sie sich vor Gewalt schützen und verhindern können, dass sie überhaupt entsteht. Für Schüler der Fontane Grundschule Niederlehme endete nun das mehrwöchige Projekt mit dem Besuch einer Gerichtsverhandlung.

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Was passiert vor Gericht? Schüler der Fontane-Grundschule Niederlehme erhielten von Richterin Marion Haase Antworten auf ihre Fragen.

Quelle: Koormann

Königs Wusterhausen. Warum haben hier alle schwarze Mäntel an? Wann kann ich einen Rechtsanwalt bekommen? Wie lange dauert eine Verhandlung vor dem Familiengericht? Die Schüler der Klasse 6b der Fontane-Grundschule Niederlehme hatten am Donnerstag viele Fragen an Marion Haase. Die Jugendrichterin konnte den wissbegierigen Schülern viel über ihren Beruf und den Ablauf bei Gericht erzählen.

Im Rahmen des Gewalt-Präventions-Projektes „Held oder Feigling“, das zurzeit erfolgreich an Grundschulen in Königs Wusterhausen läuft, besuchten die 21 Schüler gemeinsam mit Klassenlehrerin Jutta Suckow und Schulsozialarbeiterin Franziska Schwarz eine öffentliche Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Wildau. Dort bekamen sie von der Richterin vorab eine Einführung und konnten im Anschluss ihre Fragen stellen. „Für die Kinder ist heute ein aufregender Tag“, sagte Jutta Suckow. „Die meisten kennen Gerichtsverhandlungen nur aus dem Fernsehen.“

Schüler werden über Konsequenzen aufgeklärt

Der Besuch im Wildauer Gericht beendete das seit acht Wochen an der Fontane-Grundschule laufende Projekt, das aus insgesamt sechs Modulen besteht und in dem sich die Kinder mit Gewaltprävention, Zivilcourage und Selbststärkung auseinandersetzten. „Die Pubertät steht bei den Sechstklässlern kurz bevor, und es ist ein guter Zeitpunkt, um ihnen beizubringen, welche Konsequenzen bestimmte Handlungen haben können“, sagte Franziska Schwarz. Die Schulsozialarbeiterin hofft, dass auch im kommenden Jahr das von der Bürgerstiftung Königs Wusterhausen ins Leben gerufene Gewaltpräventionsprojekt an der Fontane-Grundschule angeboten werden kann.

„Die Gespräche mit der Polizei, Übungen zur verbalen und physischen Selbstverteidigung und die Gerichtsverhandlung sind super für die Schüler“, sagte Schwarz. „Sie haben sich sehr darauf gefreut und haben im Projekt so ruhig und konzentriert mitgearbeitet wie nie.“ Am Nachmittag wurde die Projektarbeit mit den Grundschülern zum Abschluss ausgewertet.

Deeskalation und Prävention

Gina und Viktoria fanden es spannend, das Gericht zu besuchen. „Es war toll, dass man live dabei sein und sehen konnte, wie eine Verhandlung abläuft“, sagt Gina. Isalie staunte über die aufwendige Sicherheitskontrolle am Eingang und Emely-Sue war überrascht, dass alle Beteiligten einzeln in den Gerichtssaal gerufen wurden. „Das hatte ich mir anders vorgestellt“, sagt die zwölfjährige Schülerin. Tom, Nicolas und Sebastian demonstrieren in der Mittagspause, wie sie in der Projektarbeit gelernt haben, einen Angriff abzublocken.

„In dem Projekt geht es zum einen um Deeskalation: Wie vermeide ich Gewalt und wie verhalte ich mich, wenn jemand anderem Gewalt angetan wird“, sagte Thomas Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung. „Zum anderen sollen Voraussetzungen geschaffen werden, dass Schüler nicht selbst zu Gewalttätern werden.“

Im Frühjahr 2018 startet „Held oder Feigling“ an der Wilhelm-Busch-Schule, der Erich-Kästner-Schule und an den Grundschulen in Zernsdorf und Zeesen.

Von Christina Koormann

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