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Alternatives Wohnen im Kampfjet-Hanger

Altes Lager Alternatives Wohnen im Kampfjet-Hanger

Wohlfühl-Oase statt Düsenjäger-Lärm: Für Helmut Stark war es Liebe auf den ersten Blick. Vor 19 Jahren erwarb der Malermeister auf dem stillgelegten Militärflugplatz einen Hangar für Kampfjets und erfüllte sich damit seinen Traum vom alternativen Wohnen. Wie lebt es sich dort eigentlich?

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Mit den Jahres ist das Betongrau des Shelters und des Vorplatzes der Natur gewichen und ist zu einer Oase zur Erholung geworden, die vom Hausherrn liebevoll gepflegt wird..

Quelle: Uwe Klemens

Altes Lager. „Ich kann nicht die Welt retten“, sagt Malermeister Helmut Stark, obwohl er es manchmal gern täte, „aber ich habe versucht, mir hier meine eigene kleine, friedliche Welt zu schaffen.“ 19 Jahre ist es her, dass der heute 63-Jährige auf dem gerade stillgelegten Militärflugplatz der Sowjettruppen in Altes Lager bei Jüterbog einen der nun überflüssigen Flugzeughangar erwarb, um daraus ein Wohnhaus zu machen. Nun, knapp zwei Jahrzehnte später, ist daraus eine viel bestaunte Attraktion geworden. Und auch deren Schöpfer ist meinem Werk durchaus zufrieden.

Anblick des Shelters nach dem Abzug der Sowjets, vor der Sanierung

Anblick des Shelters nach dem Abzug der Sowjets, vor der Sanierung.

Quelle: privat

„Die ganze Sache war natürlich schon ziemlich verrückt“, gesteht Stark, der das Flugplatzgelände von seinen ausgedehnten Hundespaziergängen her kannte. Zwei Monate, nachdem er auf seinem damaligen Grundstück neben dem selbstgebauten Wohnhaus noch ein Geschäftshaus für seinen Malerbetrieb fertiggestellt hatte, hat er sich in den alten Hangar, den Militärs Shelter nennen, verliebt und gewittert, dass sich dort alle seine Träume von alternativem Wohnen im Einklang mit der Natur verwirklichen ließen.

Zu den ersten, denen Helmut Stark von seinen Träumen erzählte, gehörten seine Frau Elke und der damalige Brandenburger Ministerpräsident Manfred Stolpe. Dieser weilte zum ersten Spatenstich für das zum Industrie- und Sondergebiet zu entwickelnde Flugplatzgelände im Ort, „Beide hatten zum Glück genügend Vertrauen“, blickt Helmut Stark lachend zurück.

Helmut Stark mit seinem steinernen Hauswächter

Helmut Stark mit seinem steinernen Hauswächter.

Quelle: Uwe Klemens

Das Konzept eines komplett aus dem Abrissmaterial alter Militärbauten hergestellten Wohnhauses, samt Niedrigenergietechnik und Dachbegrünung, hatte seine Wirkung nicht verfehlt und galt fortan als Paradebeispiel der so genannten Konversion. Wenige Monate später, am 16. Mai 1997, hielt Stark den unterzeichneten Kaufvertrag über das 4600 Quadratmeter große Gelände samt des 48 mal elf Meter großen Shelters in den Händen.

„Was ich danach erlebt habe, lässt mir noch in der Erinnerung manchmal die Haare zu Berge stehen“, sagt Stark. Um an Fördermittel zu kommen, mussten die Baupläne mehrmals überarbeitet und die Bauleistungen europaweit ausgeschrieben werden. „Plötzlich war ich umzingelt von habgierigen Leuten, die vom Europakuchen etwas abhaben wollten und überteuerte Angebote machten“, berichtet er, „das alles zu prüfen und die Pläne immer wieder zu überarbeiten, hat mich drei Jahre gekostet.“ Aber umkehren auf halber Strecke ging für ihn nicht. „Zum Glück hat Gott in dieser Zeit seine Hand über mich gehalten, dass ich das durchstehen konnte“, sagt der Christ.

Ein Wagenrad wurde zum Kalender umfunktioniert

Ein Wagenrad wurde zum Kalender umfunktioniert.

Quelle: Uwe Klemens

Irgendwann drehten sich dann doch endlich auf der Baustelle die Betonmischer. So viel wie ging und erlaubt war, hat der Bauherr selbst gemacht. Um Bauholz für die Fachwerkkonstruktion zu gewinnen, hat er tagelang die Dachstühle alter Kasernen, die abgerissen werden sollten, eigenhändig zerlegt. Auch der Lehm ist aus den eingefallenden Zimmerdecken dieser Gebäude geborgen und wurde für das Wohnhaus unter der Shelterkuppel neu eingesumpft.

Froh ist Stark über die Hilfe seines Kumpels Lutz Wecke, der das Projekt von Anfang an begleitete. „Immer wieder haben wir tagelang gemeinsam über den Plänen gebrütet und geguckt, was geht, was nicht geht und wie man etwas auch anders machen konnte. Tausende Details haben wir beleuchtet, denn bei einem Shelter kommt man ja hinterher von draußen nicht mehr ran, um Fehler auszubügeln“, sagt er, „zum Glück haben wir beide verstanden, uns auf unseren gesunden Menschenverstand zu verlassen. Was wir nicht wussten, haben wir uns eben angelesen.“

Das Kaminzimmer kann für Veranstaltungen gebucht werden

Das Kaminzimmer kann für Veranstaltungen gebucht werden.

Quelle: Uwe Klemens

Heute, in seinem Alter, ist sich Stark sicher, würde er sich eine solche Herausforderung nicht mehr zutrauen. Dass er es gemacht hat, bereut er nicht. „Es war eine enorme Herausforderung nach allen Seiten, geistig und körperlich, die auch mit Niederlagen gepflastert war und die ich heute vielleicht nicht mehr durchstehen würde“, sagt er, „so ein Projekt beginnt man nur, wenn man noch blauäugig genug ist.“ Zum Glück habe seine Frau ihm vertraut und in der ganzen Zeit hinter ihm gestanden.

Bei der Planung der Raumaufteilung hat Starks bessere Hälfte das letzte Wort gesprochen, sodass die Wohnräume nicht kuppelförmig, sondern im traditionellen Fachwerkstil gebaut wurden. Wer einen Eindruck von der Innenarchitektur eines Shelters bekommen will, kann diese im alten Abgaskanal erkennen, der zum gemütlichen Kaminzimmer wurde. Wo früher die Kampflugzeuge beim Anlassen ihre heißen Abgase gegen die Wand bliesen, wird heute unter der Shelterkuppel gesungen, musiziert und gefeiert.

Obwohl der Raum vermietet wird, macht Helmut Stark keine Werbung dafür. Auch so ist das Kaminzimmer fast jedes Wochenende ausgebucht. „Wenn nicht, genießen wir, dass mal kein Tumult ist.“ Ein wichtiges Element im Gesamtkonzept ist das Entstehen des Konversionsmuseums im benachbarten Shelter, den Stark zusammen mit dem Garnisongeschichtsverein „St. Barbara“ ebenfalls vor dem Abriss gerettet hat. Alles, was irgendwie mit der langjährige Geschichte des Militärflugplatzes zu tun hat, haben die Hobbyforscher dort zusammengetragen.

Luftschiffhallen waren der Beginn

Nahe des Schießplatzes Jüterbog wurde bei Altes Lager im Ersten Weltkrieg ein Luftschiffhafen eingerichtet, der aus zwei Luftschiffhallen und Kasernen bestand.


1933 erfolgte der Aufbau des Fliegerhorstes „Waldlager“, das im April 1945 von der Sowjetarmee besetzt wurde.

Von 1966 bis Mitte der 1990er-Jahre waren dort Kampfflugzeuge und Hubschrauber stationiert, für die es eine große Anzahl von Parkflächen neben der Start- und Landebahn gab.

Die Zeit, die Helmut Stark mit dem Aufbau alter Unterstände, der Aufbereitung von Karten, Fotos und Augenzeugenberichten und der Pflege der Exponate verbringt, lässt sich in Stunden nicht ermessen. Beim Denkmalstag am kommenden Wochenende kann man sich erneut davon überzeugen.

Von Uwe Klemens

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