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Amerikaner in der Region: Entsetzen und Angst

Dahmeland-Fläming Amerikaner in der Region: Entsetzen und Angst

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in den USA wird von US-Amerikanern in der Region mit ungläubigem Kopfschütteln zur Kenntnis genommen – Anhänger von Donald Trump sind kaum unter ihnen. Vielen verschlug es am Mittwoch nach der Bekanntgabe des Ergebnisses die Sprache.

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Raban und Tracy von Studnitz erkennen ihr Land nicht wieder.

Quelle: Peter Degener

Jüterbog. Schockierend, enttäuschend, peinlich und sogar grotesk – mit diesen Vokabeln haben US-Amerikaner in der Region auf den Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentenwahl reagiert. Mehr als 130 000 Amerikaner leben in Deutschland, etwa 150 sind es in der Region Dahmeland-Fläming. Sie studieren an der Technischen Hochschule in Wildau, arbeiten als Sprachlehrer und in großen Unternehmen, teils pendeln sie täglich nach Berlin. Die „Ex-Pats“ genannten Exil-Amerikaner tendieren zu demokratischen Kandidaten, wenn sie nicht Teil des Militärs sind. Für Donald Trump ausgesprochen hat sich gegenüber der MAZ keiner der hier wohnenden Amerikaner. Clinton war ebenfalls kein Wunschkandidat. Am liebsten hätte man eine dritte Amtszeit von Barack Obama gesehen. Dass Hillary Clinton aber verlieren könnte, ahnte nur einer.

Jennifer Patton-Ertl hätte sich Hillary Clinton im Weißen Haus gewünscht

Jennifer Patton-Ertl hätte sich Hillary Clinton im Weißen Haus gewünscht.

Quelle: Peter Degener

Jennifer Patton-Ertl stammt aus dem Süden der USA, lebt aber seit zehn Jahren in Brandenburg. Die Englischlehrerin aus Blönsdorf wollte nach dem unendlich langen US-Wahlkampf die entscheidende Nacht gar nicht mehr anschauen. „Ich bin aber wach geblieben und um drei Uhr war Clinton wie erwartet vorne, doch zwei Stunden später war es damit vorbei“, sagt sie. „Ich halte das Ergebnis für wirklich gefährlich. Es wird Amerika verändern, aber auch für die übrige Welt sieht es nicht gut aus. Das Schlimmste ist, dass wir nicht wissen, was auf uns zu kommt“, sagt Patton-Ertl. Ihre 16-jährige Tochter ist gerade aus den USA nach Deutschland gekommen. „Sie hat mir gesagt, dass wir unbedingt in Deutschland bleiben sollen, wenn Trump gewinnt“, sagt die Mutter der Teenagerin.

„Purer Schock“ am Morgen

Für Raban von Studnitz begann die Wahlnacht zum Mittwoch mit großer Vorfreude, weil der Deutsch-Amerikaner siegesgewiss für Hillary Clinton war, doch dieses Gefühl wich am Mittwochmorgen einer „sorgenreichen Spannung“ und schließlich „purem Schock“. Staat für Staat machte sich Ungläubigkeit bei dem Jüterboger über das Wahlergebnis breit. Von Studnitz war bestens auf die lange Wahlnacht vorbereitet. Er genießt solche Polit-Krimis wie andere die Oscar-Verleihung. Mit interaktiven Karten verfolgte er die Auszählung mit seiner Frau Tracy – und schlief insgesamt nur eine halbe Stunde. „Man könnte positiv sagen, dass hier eine demokratische

Entscheidung stattgefunden hat. Aber das ist nur eine leere Phrase, denn in Bezug auf so viele Themen ist das Ergebnis eine Katastrophe“, klagt von Studnitz. „Trump sagt, er wolle Präsident aller Amerikaner sein, aber so etwas muss mit Leben erfüllt werden und ich weiß nicht, wie das bei seinen Positionen zu Umweltschutz, Zöllen, Einwanderung oder in militärischen Fragen gehen soll“, sagt er. Seine Frau Tracy wurde in Kalifornien geboren, wuchs auf Hawaii auf und machte in New York Karriere. Früher hieß es „Cheaters never prosper“ – Schummler kommen nicht durch – wenn Trump gewinne, könne man sich von diesem Sprichwort endgültig verabschieden, sagt sie vor der Wahl. Am Morgen danach will sie nicht über die Wahl reden. „Sie erkennt ihr Land nicht mehr“, sagt ihr Ehemann Raban.

Exil-Amerikaner verfolgten Wahl interessiert

Die meisten Exil-Amerikaner wählen gar nicht erst, weil ihr Heimat-Bundesstaat sowieso stets demokratisch oder republikanisch gewählt habe, aber auch weil man für die Briefwahl in ein Konsulat gehen muss. Joseph Curtis lebt seit 14 Jahren in Deutschland und seit 2013 in Jüterbog. Den Wahlkampf hat Curtis auch aus der Ferne verfolgt. „Er ging viel zu lange, aber ich sehe mir tägliche Nachrichten aus den USA an“, sagt der Exil-Amerikaner. Der 54-Jährige ist Musiklehrer an einer internationalen Schule in Berlin. Vor einem Monat hat er beim dortigen Konsulat seine Wahl-Entscheidung getroffen. „Ich fand eigentlich Bernie Sanders als Kandidat der Demokraten nicht schlecht, aber auch Hillary hatte mir schon als First Lady in der Präsidentschaft von Bill Clinton gefallen“, erzählt er.

„Mein Heimatstaat ist Arizona und ich hoffe, dass der blau, also demokratisch wird, aber das wird sehr knapp“, sagte Curtis am Tag der Wahl. Er besitzt dort noch immer ein Haus und auch seine Familie lebt dort. Alles andere als Hillary Clinton als Präsidentin könne er sich gar nicht vorstellen. Weil er wegen seines Unterrichts früh ins Bett ging, wachte er mit Clintons Niederlage auf. „Ich bin nicht in der Lage, über das Ergebnis zu sprechen. Ich bin zutiefst erschüttert und habe Angst vor der Zukunft“, sagt Curtis am Mittwoch. Auch in seinem Heimatstaat Arizona gewann Trump 11 Wahlmänner.

„Angsteinflößender Gedanke“

Kevin Bell Farrell hat den Wahlsieg von Trump für möglich gehalten, hatte diesen „gruseligen Gedanken“ im Hinterkopf. Farrell ist erst im Januar aus den USA nach Deutschland gezogen. Mit seiner kalifornischen Ehefrau Randi und drei Kindern lebt er in Luckenwalde und arbeitet in einem Berliner Restaurant als Koch. Farrell durfte nicht wählen, er ist Deutscher. Mit zwölf Jahren zog er 1992 nach Amerika. „Wir haben die USA verlassen, weil wir in Europa reisen und leben wollen. Aber ich hatte diese angsteinflößenden Gedanken, dass Trump gewählt werden könnte und das war bei der Ausreise auch ein Faktor für mich“, sagt er.

Der direkten Politik von Trump sind die Bell Farrells quasi entkommen. „Wir werden sehen, wie die Welt in ein paar Jahren aussieht. Vielleicht ziehen wir nach Irland oder Griechenland“, sagt er. Nach der Wahl sind seiner Frau vor allem die vielen Wähler Trumps peinlich. „Als Trump seine Kandidatur ankündigte, habe ich das als Witz betrachtet. Es ist entmutigend, bei wie vielen meiner Mitbürger seine Wahlkampagne gewirkt hat“, sagt sie. Sie ist zwar erst seit einigen Monaten in Deutschland, „aber heute morgen fühlte es sich sehr gut an hier zu sein.“

Von Peter Degener

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