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Teltow-Fläming Amputation an der Turmspitze
Lokales Teltow-Fläming Amputation an der Turmspitze
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00:37 27.06.2015
Bauberatung auf der Spitze des eingerüsteten Jühnsdorfer Kirchturms. Quelle: Christian Zielke
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Jühnsdorf

Pfarrer Steffen Wegener nennt die Jühnsdorfer Kirche gern ein Schätzchen. Steckt in dem Schätzchen auch ein Schatz? Diese Frage stellte sich Bärbel Wunsch, die Vorsitzende des Gemeindekirchenrates (GKR) von Blankenfelde und Jühnsdorf seit langem. Als am Dienstag offiziell die Sanierung des maroden Kirchturmes begann, sollte sich zeigen, ob sich in dessen Spitze Gold, Diamanten oder andere wertvolle Dinge befinden, wie Bärbel Wunsch hoffte.

Groß war die Spannung, als Metalldrückermeister Christoph Müller mit seinem Trennschleifer die Kirchturmspitze amputierte und damit den Startschuss für die Sanierung gab. Die Kapsel, ein grauer Zylinder aus Kunststoff, enthielt statt Gold nur ein paar Alu-Münzen aus DDR-Zeiten und historische Dokumente. So erfuhr man, dass ein Brot 1969 für 78  Pfennige zu haben war, ein Brötchen gab es für fünf Pfennig. Ein Pfund Butter kostete fünf Mark. In erstaunlich offenen Worten sprach der damalige Dachdeckermeister vom Verfall vieler Kirchtürme zur damaligen Zeit und von der Schwierigkeit, Fachkräfte zu finden. „Unglaublich spannend, was da zu Tage gekommen ist“, sagte Pfarrer Steffen Wegener. Wenn die Spitze voraussichtlich im November wieder aufgesetzt wird, sollen die Dokumente von damals wieder dorthin zurück – natürlich ergänzt mit aktuellen Zeugnissen.

Bis dahin liegt vor den Handwerkern eine Menge Arbeit. Das Schieferdach hatte mit den Jahren Löcher bekommen, die Feuchtigkeit hat die Holzkonstruktion verfaulen lassen. Lose Ziegelsteine aus dem Mauerwerk waren zu gefährlichen Wurfgeschossen geworden. Viel Arbeit für Architekt Stefan Winkler aus Brandenburg/ Havel, der in den vergangenen Jahren viele Kirchen im Land saniert hat. Der Zustand des Jühnsdorfer Kirchturms sei nicht ungewöhnlich. Nach spätestens 80 Jahren seien die meisten Schieferdächer renovierungsbedürftig. In Jühnsdorf liegt die letzte Dachsanierung erst gut 45 Jahre zurück. „1969 hatte man einen anderen Wissensstand und ganz andere Materialien als heute“, sagt Stefan Winkler. Beim neuen Kirchturm wird die Schieferschicht dicker und damit widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit. Wichtige Stellen der Unterkonstruktion entstehen aus massivem Eichenholz. Damit die Krone nicht so schnell rostet, wird sie aus Edelstahl gefertigt. Die Kugel bekommt ihre von der Witterung weggespülte Schicht aus Blattgold zurück.

„Eine Kirche zu sanieren ist immer etwas besonderes“, sagt der Architekt. Die Jühnsdorfer Kirche gefällt ihm wegen ihrer klar strukturierten Form und der von Karl-Friedrich Schinkel inspirierten Konstruktion mit den offenen Dachbalken. Noch mehr begeistert ihn das Engagement der Kirchengemeinde, die es geschafft hat, innerhalb eines Jahres mehr als 100 000 Euro zur Rettung des Turms zu sammeln. Eine Leistung, die auch Pfarrer Steffen Wegener nicht müde wird zu loben. Ein großer Teil kam von privaten Spendern. 30 000 Euro hat die Gemeinde Blankenfelde-Mahlow dazu gegeben. „Das kann man gar nicht genug würdigen“, sagt Wegener. Nicht überall sei man auf ein derart offenes Ohr gestoßen. „Wir haben viele Klinken geputzt“, sagt Bärbel Wunsch, die Vorsitzende des GKR. Selbst viele Jühnsdorfer, die sonst nichts mit der Kirche am Hut haben, wollten auf einmal bei der Rettung des Wahrzeichens helfen. Damit sich künftig noch mehr Menschen mit dem Gebäude identifizieren, soll sie zu einer Kulturstätte werden. Das Konzept dazu wird derzeit erarbeitet.

Auch die nächste Baustelle ist schon in Sicht. Ist die Hülle saniert, geht es ans Innenleben des Turms. Der hölzerne Glockenstuhl fault, die beiden Glocken rosten. Für sie ist bereits Ersatz da. Aus einer ehemaligen Kirche in Schleswig-Holstein gab es zwei Bronze-Glocken als Geschenk. Steffen Wegener hofft nun, dass sie mit Hilfe Vieler bald in Jühnsdorf läuten.

Von Christian Zielke

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