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Amt lehnt Entschädigung für Würge-Opfer ab

Altes Lager (Teltow-Fläming) Amt lehnt Entschädigung für Würge-Opfer ab

Kathrin B. (35) hat den absoluten Horror erlebt und nur knapp überlebt. Ein Unbekannter würgte die Frau im September 2015 fast zu Tode. Nur weil ihr Hund dem Täter ins Bein biss, hat sie überlebt. Jetzt muss sich die Frau mit der Bürokratie herumschlagen. Ein Amt lehnte eine Opferentschädigung ab. Die Begründung macht sprachlos.

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Opfer von Straftaten können beim Weißen Ring Hilfe bekommen.

Quelle: dpa (Genrefoto)

Luckenwalde. Seit Jahren kümmert sich Walter Meyer vom Weißen Ring um Opfer von Gewaltverbrechen. Der ehemalige Kriminalhauptkommissar aus Berlin ist ehrenamtlich im Kreis Teltow-Fläming unterwegs, um Menschen zu beraten und Opfern zu helfen. Doch jetzt ist selbst er sprachlos über einen Bescheid des Landesamtes Für Soziales und Versorgung Cottbus, das ein Überfallopfer aus Altes Lager die Unterstützung verweigert.

Im Dunkeln von hinten angegriffen und gewürgt

Es geht den Fall von Kathrin B. im September 2015. Die 35-Jährige kam abends von der Arbeit heim und stellte ihr Auto auf dem dunklen Mieterparkplatz vor dem Wohnhaus ab. Kaum war sie ausgestiegen, wurde ihr von hinten eine Schlinge, vermutlich eine Drahtschlinge, um den Hals gelegt. Der bis heute unbekannte Täter würgte die junge Frau. Sie wollte sich wehren, hatte aber keine Chance gegen den kräftigeren Angreifer. Er sprach kein Wort, zog die Schlinge fester zu, wie das Opfer später berichtet. Doch Kathrin B. hatte einen Retter: Ihr kleiner Hund biss dem Täter ins Bein, der daraufhin von der Frau abließ und flüchtete.

Polizeipressebericht vom 9. September 2015

In Altes Lager wurde eine 33 Jahre alte Frau am Dienstagabend von einem Mann angegriffen und gewürgt. Sie war gegen 20 Uhr mit ihrem Hund zu einem Spaziergang aufgebrochen, als sich in der Friedrich-Engels-Straße der unbekannte Täter von hinten anschlich. Erst als der Hund der sich wehrenden Frau den Würger gebissen habe, sei dieser humpelnd davongelaufen. Kriminalisten und Kriminaltechniker haben die weiteren Ermittlungen sowie Spurensuche und -sicherung aufgenommen. Nach gegenwärtigem Erkenntnisstand, liegen noch keine Anhaltspunkte für das Motiv der Tat vor. Der Täter ist 1,80 bis 1,85 Meter groß, hat laut Polizei eine „normale“ Statur und war mit einer dunklen Hose und einer dunklen Jacken mit weißem Schriftzug bekleidet. Die Polizei bittet um Hinweise zum Täter oder zur Tat, 0 33 71/60 00 oder www.polizei.brandenburg.de

Das Opfer erlitt starke Verletzungen am Hals und Kehlkopf, die bis heute nicht ausgeheilt sind. Noch schlimmer traf es die Seele. Die posttraumatische Belastungsstörung konnte trotz mehrerer Klinik- und Rehaaufenthalte nicht gemindert werden. Nach dem schrecklichen Erlebnis verlor Kathrin B. ihren Job und ist arbeitsunfähig. „Das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Brandenburg fahnden bis heute nach dem Täter. An der Tat und den Angaben von Katrin B. bestehen keinerlei Zweifel“, so Meyer.

Walter Meyer vom Weißen Ring Teltow-Fläming

Walter Meyer vom Weißen Ring Teltow-Fläming.

Quelle: Margrit Hahn

Weißer Ring hilft bei Antragstellung für Entschädigung

Mit Unterstützung des Weißen Rings Teltow-Fläming wurde im Oktober 2015 ein Antrag nach dem Opferentschädigungsgesetz gestellt. Alle Voraussetzungen wurden erfüllt. Dann am 1. Februar 2017 die erschütternde Nachricht: Das Versorgungsamt Cottbus hat den Antrag abgelehnt. Da kein Täter namhaft gemacht werden konnte, zweifelt das Versorgungsamt die Tat an und unterstellt sogar schriftlich, dass Katrin B. die Tat auch vorgetäuscht und sich die Verletzungen selbst zugefügt haben könnte.

Empörung bei den Helfern über Bescheid

„Das ist unmöglich. Auf Grund der Spurenlage, das heißt der Verletzungen am Hals, müsste sich die Frau selbst von hinten gewürgt haben“, sagt Walter Meyer. Er hat kein Verständnis für den Bescheid. „Der Weiße Ring lässt das Opfer nicht allein und geht selbstverständlich ins Widerspruchsverfahren, damit die Frau zu ihrem gesetzlichen Recht der Opferentschädigung kommt“, fügt Meyer hinzu.

Das Versorgungsamt in Cottbus konnte auf Anfrage keine Stellung zu dem Fall nehmen.

Der Weiße Ring berät an jedem letzten Freitag im Monat von 16 bis 18 Uhr im Luckenwalder Kreishaus.

Von Margrit Hahn

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