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Andrea Wicklein räumt ihr Büro

Ludwigsfelde Andrea Wicklein räumt ihr Büro

Vier Legislaturperioden saß die SPD-Abgeordnete Andrea Wicklein im Bundestag, drei davon hatte sie das Direktmandat im Wahlkreis 61 inne. Nun tritt sie nicht mehr an. Ihre Bilanz ist positiv: Man könne im Parlament mehr bewegen, als sie sich habe vorstellen können.

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Die Potsdamerin Andrea Wicklein verlässt den Bundestag und das Büro im Paul-Löbe-Haus mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Quelle: Abromeit

Ludwigsfelde. Sie ist 59, Diplom-Ökonomin und Lehrerin, war nach dem Mauerfall arbeitslos und ist mit vier Legislaturperioden im Deutschen Bundestag Politprofi: die Potsdamerin Andrea Wicklein (SPD). Zu ihrem Wahlkreis gehört mit Ludwigsfelde auch ein Stück Teltow-Fläming. Jetzt tritt sie, die dem Linken Rolf Kutzmutz dreimal das Direktmandat wegschnappte, nicht mehr an. „Es gibt noch was anderes als Politik“, sagt sie. Bis Mitte Oktober, wenn der neue Bundestag vereidigt ist, muss sie ihr Büro Nummer 7834 ganz oben im Paul-Löbe-Haus geräumt haben.

15 spannende und arbeitsintensive Jahre

Ihre 15 Jahre im höchsten deutschen Parlament nennt sie „spannend und arbeitsintensiv“. Am Anfang hatte sie Respekt vor der Aufgabe und machte in der Nacht vor der ersten Rede kein Auge zu. Routine beim öffentlichen Sprechen habe sich aber nie eingestellt: „Es blieb immer eine besondere Herausforderung für mich, vor den Augen der Nation zu reden.“

Agenda 2010 war eine Zäsur

Ihre erste Legislaturperiode sei ihre spannendste gewesen: „Als Kanzler Gerhard Schröder 2003 die Agenda 2010 verkündete, war es mucksmäuschenstill. Wir spürten alle, dass es eine Zäsur würde.“ In der Fraktion rangen Schröder und Franz Müntefering um Geschlossenheit, die Regierungskoalition hatte nur drei Stimmen mehr als die Opposition. „Das vergesse ich nicht. Das Ergebnis waren vorgezogene Bundestagswahlen, aber auch ein überfälliger Modernisierungsprozess im Land.“

Viele Projekte angeschoben

Zu Wickleins Bilanz gehört: „Man kann mehr bewegen und mitgestalten, als ich mir hätte vorstellen können.“ Viele Projekte im Wahlkreis habe sie befördern können. Aktiv beteiligt war sie für Brandenburg an Entscheidungen wie der Hochschulfinanzierung, der Beteiligung des Bundes an Munitionsbergungskosten oder Förderungen von Filmproduktionen und strukturschwachen Regionen. Wütend mache sie die langsame Rentenangleichung Ost. „Erst 2025 soll es gleiche Renten geben“. Das sei ein Armutszeugnis und unakzeptabel. „Auch dass meine Initiative zur Mehrwertsteuerbefreiung von Schulessen vor einigen Jahren scheiterte, ärgert mich.“ Insgesamt jedoch gehe sie ohne Groll, mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Der Brunnen muss mit

Manches Foto nimmt sie beim Büro-Aufräumen mit, hofft, dass sich Enkel mal dafür interessieren. Auch den kleinen Brunnen vom Schreibtisch packt sie ein; „das Wasser hat was Beruhigendes“, sagt sie. Und will nun nachholen, was zu kurz kam – Familie, Freunde, Hobbys. Doch sie sagt auch: „Mein Team wird mir definitiv fehlen. Ohne diese Mitarbeiter und ihr Vertrauen wären meine Erfolge unmöglich gewesen.“ Zu denen gehören für sie in Ludwigsfelde die Unterstützung für den Museumsanbau und die Sicherheitspartnerschaft am Bahnhof, der Einsatz fürs Waldhaus, fürs Frauenhaus und die neue Polizeiwache oder die Hilfe für die Musikschule Blankenfelde sowie der Einsatz für lärmarme Flugrouten am BER.

Von Jutta Abromeit

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