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Teltow-Fläming Angebote für Luther-Touristen
Lokales Teltow-Fläming Angebote für Luther-Touristen
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00:18 20.02.2016
Der Pfarrer Bernhard Gutsche (l.) und Daniel Menzel vom Tourismusverband Fläming wollen die Reformation für Touristen greifbar machen. Quelle: Peter: Degener
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Jüterbog

Zu Fuß, per Rad und sogar mit der Draisine sollen Touristen die Bedeutung der Reformation künftig im Fläming kennenlernen. „Der Fläming macht die Reformation mobil“ heißt das neue Konzept des Tourismusverbands Fläming, das am Dienstag in der Jüterboger Nikolaikirche im Vorfeld der Internationalen Tourismusbörse ITB vorgestellt wurde.

Neben den Hauptstädten des Reformationsjubiläums, Berlin und Lutherstadt Wittenberg, wird der Fläming ab sofort verstärkt direkt bei Reiseveranstaltern als Ziel des Luther-Tourismus beworben. „Der Fläming liegt strategisch günstig in der Mitte der wichtigen Reformationsstätten. Alle müssen durch unsere Region – und das geht ganz aktiv auf unseren bestens ausgebauten Wegen. Diese Verbindung von Aktivitäten und Kulturgeschichte wollen wir auch über das Reformationsjubiläum hinaus erlebbar machen“, erläuterte Daniel Menzel, Geschäftsführer des Verbands, das Konzept. Er hofft auf „Strahleffekte“, weil gar nicht alle Touristen in Wittenberg unterkämen, sondern auf den Fläming ausweichen müssten.

Hintergrund

Das Jubiläum der Reformation wird als welthistorisches Ereignis nicht nur am 31. Oktober 2017 gefeiert, wenn der Thesenanschlag Martin Luthers sich zum 500. Mal jährt. Stattdessen ist dieses Datum der Zielpunkt eines ganzen Jahrzehnts voller Veranstaltungen seit 2008.

Themenjahre zu Bildung, Freiheit, Musik, Toleranz oder der Bibel sind bereits absolviert. Das Jahr 2016 trägt den Titel „Reformation und die Eine Welt“. Dabei stehen globale Auswirkungen der Reformation im Fokus.

In vielen Flämingstädten von Ziesar bis Dahme gibt es bereits heute kulturelle und touristische Angebote wie Wanderungen und Ausstellungen, die sich auf die Reformation beziehen. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf Jüterbog als „Stadt des Anstoßes“ zur Reformation.

Höhepunkt im Jahr 2016 wird für Jüterbog eine Fachtagung mit Historikern, die am 29. und 30. April 2016 unter dem Titel „Tetzel – Ablass – Fegefeuer“ den Streit um den Ablasshandel und die Person des Johann Tetzel wissenschaftlich aufarbeiten.

Eine Broschüre „Reformation und Rad“ erscheint bereits im März zum Start der Tourismusbörse. Darin wird eine 295 Kilometer lange Rundtour vom südlichen Stadtrand Berlins bis in die Lutherstadt Wittenberg und nach Dessau-Roßlau mit zahlreichen geschichtlichen Zwischenstopps in Flämingstädten wie Bad Belzig, Treuenbrietzen und Jüterbog beschrieben. Im Juni erscheint ein umfangreiches Prospekt, das elf weitere Routen für Wanderungen oder Ausflüge mit der Draisinenbahn zusammenfasst. Mit einem „Sales Guide“ werden Veranstaltern erstmals buchbare Angebote für ganze Reisegruppen vom Verband präsentiert.

Tetzelkasten in Jüterbog. Quelle: Peter Degener

Jüterbog soll als „Stadt des Anstoßes“ der Reformation eine besondere Rolle bei dem historischen Jubiläum einnehmen. „Diese Stadt bietet einen eigenen Ansatz, der längerfristiger als das Jubiläum 2017 ist. Ungewöhnlich ist, dass die Kirche hier als Wirtschaftsförderer auftritt“, lobte Menzel deren Engagement in der Luther-Dekade.

Die Begeisterung der Kirche für das Jubiläum wurde bei den Erläuterungen des Jüterboger Pfarrers Bernhard Gutsche deutlich: „Mit den Bildern und Legenden dieser Zeit kann man leidenschaftliche Geschichten von Angst, Leid, Kampf und Tapferkeit erzählen, die auch heutigen Menschen, die fern von der damaligen Welt leben, etwas sagen“, sagte der Pfarrer. Er nutzte die Präsentation in der Kirche für eine Führung, die die Teilnehmer in das späte Mittelalter entführte. „Die Marienkapelle in der Nikolaikirche ist ein katholisches Wunderkabinett, das nach der Reformation zur Abstellkammer verkam. Gerade deshalb sind uns diese Schätze erhalten geblieben“, sagte Bernhard Gutsche.

Kulturquartier-Chef Jens Katterwe. Quelle: Peter Degener

Dazu gehört ein prächtiger Altar von Lucas Cranach und der berühmte Tetzelkasten, der schon im 18. Jahrhundert als „Reformations-Reliquie“ Fremde nach Jüterbog geführt hat. „Der Grund war diese Kiste“, sagte Jens Katterwe über Jüterbogs Rolle in der Reformation salopp. Der Leiter des Kulturquartiers kündigte die Sonderausstellung „Tetzel – Ablass – Fegefeuer“ im Stadtmuseum mit Leihgaben wie dem Altar der Nikolaikirche an. Auch die 106 „Gegenthesen“ des Ablasspredigers Johann Tetzel werden bei der Ausstellung im Herbst 2017 als bedeutende Leihgabe aus München zu sehen sein. In Jüterbog könne man die „Geschichte vor Wittenberg“, das heißt vor dem Thesenanschlag Luthers, erzählen, so Katterwe.

Von Peter Degener

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