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Angst-Überwindung: Barfuß durch die Glut

Kloster Zinna Angst-Überwindung: Barfuß durch die Glut

Der Begriff „Feuertaufe“ erinnert an ein uraltes Menschheitsritual, auch wenn sein Ursprung den wenigsten bewusst ist. Die Erfahrung, stärker als die eigene Angst zu sein, war Ziel eines Feuerlauf-Workshops.

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Die Angst ist besiegt. Mit etwas Technik und viel Respekt vor dem Feuer gelingt der schwierige Gang.

Quelle: Uwe Klemens

Kloster Zinna. Tränen flossen reichlich in der Alten Grafschaft in Kloster Zinna. Dass er sich trauen würden, tatsächlich mit nackten Füßen über glühende Holzreste zu laufen, hätte vorab nicht jeder der 14 Teilnehmer des Feuerlauf-Workshops, der hier am vergangenen Wochenende stattfand, von sich behauptet. Die Tränen am Ende waren keine Tränen des Schmerzes, sondern des Glücks und der Freude, seine Zweifel und Ängste besiegt zu haben.

Denn was auf den ersten Blick aussieht wie ein exotisch-waghalsiger Zeitvertreib, ist in Wirklichkeit die Suche nach dem eigenen Ich. „Ein uraltes Ritual der Persönlichkeitsentwicklung, das die Menschheit seit Jahrtausenden kennt“, erläutert Mentaltrainer André Fritsch, der zusammen mit seiner Frau Daniela die Berliner Fritsch-Akademie betreibt. „Fast alle, die zu uns kommen, kommen deshalb, weil sie im Beruf erfolgreicher sein wollen. Meist sind es Leute, die alles haben – außer Gefühlen.“

Vorbereitung auf den Gang durch die Glut

Vorbereitung auf den Gang durch die Glut.

Quelle: Uwe Klemens

Während der Workshops, die aus mehreren Modulen bestehen, entdecken die Teilnehmer mit Erstaunen an sich selbst Defizite, die sie bisher verdrängt haben und spüren dem nach. Womit bin ich unzufrieden? Wovor habe ich Angst? Was hindert mich daran, mit anderen darüber zu sprechen? „Es ist wunderbar, mitzuerleben wie Menschen nach ein, zwei Tagen aufbrechen und gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen“, sagt Fritsch. Menschen, die sich sonst nie begegnet wären, liegen sich plötzlich in den Armen, entdecken ihre verschütteten Gefühle und sprechen miteinander darüber. Der gemeinsame Gang durchs Feuer ist der Höhepunkt und verschiebt die Relationen zwischen gefühlten und tatsächlichen Schwierigkeiten.

Teilnehmer behandeln lange vor sich hergeschobene Themen

„Wenn ich das geschafft habe, werde ich doch wohl auch das lange fällige, klärende Gespräch in der Verwandtschaft oder in der Firma schaffen“, beschreibt Fritsch das Ergebnis des Workshops. „Die Erfahrung sagt, dass die meisten Teilnehmer ihre offenen, lange vor sich her geschobenen Themen bereits ein, zwei Tage nach dem Workshop geklärt haben.“

Als Verstärkung mit ins Boot geholt haben sich Daniela und André Fritsch ihren Freund Udo Kerzinger, der 2004 zum ersten Mal selbst während eines Verkäuferseminars durchs Feuer ging und seit fünf Jahren zertifizierter Feuerlauftrainer ist. „Feuerlaufen ist eine Achterbahn der Gefühle. Neugierde, Angst, Ratlosigkeit, Respekt und Kribbeln wechseln einander ab. Jeder beschäftigt sich während der Vorbereitung darauf mit seinen eigenen Themen. Wenn er am Ende durchs Feuer läuft, weiß er genau, wofür er es tut“, sagt Udo Kerzinger.

Respekt vor dem Feuer

Respekt vor dem Feuer ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um die etwa eineinhalb Meter lange Glutstrecke unbeschadet zu überstehen. Dass man weder zu schnell, noch zu langsam gehen darf, haben die Feuerläufer zuvor bereits gelernt. Auch, dass die zwischen den Zehen eingeklemmten Glutreste sofort nach dem Lauf entfernt werden müssen. Etwa 20 Minuten lang halten sich die Teilnehmer an den Händen und schüren gemeinsam das Feuer, bevor der erste von ihnen durch die Glut schreitet.

Feuerrituale auf allen Kontinenten

Das Ritual des Feuerlaufens wird seit Jahrtausenden von Naturvölkern und religiösen Gruppen auf allen Erdteilen praktiziert.

Auf der Fidschi-Insel Beqa leiten sogenannte Feuerpriester noch heute dieses Ritual, das als Auszeichnung und Bewährungsprobe für die Auserwählten gilt.

Auch im Christentum , besonders auf dem südlichen Balkan, ist das Feuerlaufritual seit alter Zeit bekannt, wird heute aber nur noch im Südosten Bulgariens von orthodoxen Christen praktiziert.

Die Motive der Teilnehmer waren früher wie heute die Aussicht auf Heilung körperlicher Leiden und spirituelles Wachstum.

In den letzten Jahrzehnten ist Feuerlaufen auch in der westlichen Kultur vermehrt publik geworden und findet sich zunehmend als Element in der alternativ-therapeutischen Szene.

Die zwölfjährige Lilila aus Hamburg ist mit ihrem Vater Björn gekommen und die Jüngste in der Runde. „Es war ein ganz tolles Erlebnis. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass ich mich das trauen würde“, sagt die junge Hamburgerin. „Gelernt habe ich, dass ich keine Angst davor haben muss, wenn Mitschüler über mich lachen, weil ich mir in der Schule Mühe gebe oder etwas nicht schaffe. In Zukunft ist mir das egal.“

„Die Erfahrung zu machen, dass man tatsächlich übers Feuer laufen kann, lässt vieles Andere plötzlich als Witz erscheinen“, sagt ihr Vater, der Mobilfunk-Manager ist und nicht nur sich, sondern auch seiner Tochter diese Selbsterfahrung ermöglichen wollte.

Workshops dieser Art soll es in der Grafschaft in Kloster Zinna künftig regelmäßig geben.

Weitere Informationen gibt es unter www.fritsch-akademie.de

Von Uwe Klemens

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