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Teltow-Fläming Anneliese Filla wünscht sich Neubauten
Lokales Teltow-Fläming Anneliese Filla wünscht sich Neubauten
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00:18 28.04.2017
Anneliese Filla aus Klein Kienitz. Quelle: Andrea von Fournier
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Klein Kienitz

Wer etwas über Klein Kienitz und seine Entwicklung wissen möchte, sollte Anneliese Filla fragen. Seit Sommer 1945 lebt sie hier. Damit ist die fast 90-Jährige wahrscheinlich diejenige, die am längsten im Dorf wohnt. Ihre Wiege stand allerdings in der Neumark, in Schwiebus, 70 Kilometer östlich von Frankfurt (Oder) im heutigen Polen. Nur zehn Minuten Zeit hatte ihre Mutter, um mit zwei Töchtern, einem Sohn und der Nichte im Kinderwagen 1945 zu fliehen. Der Krieg hatte Anneliese Vater und Bruder genommen.

Arbeit in der Landwirtschaft

Das Ankommen in Klein Kienitz hat die rüstige Seniorin noch vor Augen: Die Einwohner waren nicht glücklich über die Flüchtlinge, die nichts als das nackte Leben retten konnten. „Wir haben selbst nichts“, klagten sie. Doch Anneliese Fillas Familie kam an der Dorfstraße unter, sie selbst gewöhnte sich schnell ein. Die 18-Jährige bekam Arbeit in der Landwirtschaft. Später war sie in der Gärtnerei Kosch beschäftigt.

Sie mochte die anstrengende Arbeit auf den Beeten und der Kirschplantage. Am liebsten erinnert sie sich an die wunderbaren Umzüge auf den geschmückten Erntewagen und viele Feste wie den Maskenball, Silvesterfeier oder den ersten Mai, von denen manche noch bis nach der Wende gefeiert wurden. „Heute gibt es leider gar nichts mehr“, sagt sie etwas betrübt. Überhaupt habe sie nach dem Krieg und bis in die 80er Jahre einen großen Zusammenhalt im Dorf gespürt, ein Miteinander, das es so nicht mehr gäbe. Sie erinnert sich gern an das Gasthaus Sauerwald mit seinem großen Saal. „Wir hatten hinter dem Friedhof auch einen Bahnhof, der an der Strecke Neukölln-Mittenwalde lag“, sagt sie. Im Wald findet man noch Reste des Bahnsteigs. Und eine Jugendherberge gab es, am Ortsausgang nach Brusendorf.

Das erste gemeinsame Zuhause

Nach 1950, als Anneliese Filla ihren Richard geheiratet hatte, zogen sie auf das Grundstück des ausgebrannten Kolonialwarenladens neben der Dorfschule. Das kleine Hofgebäude wurde ihr erstes gemeinsames Zuhause, bevor Richard Filla die Ruine des Vorderhauses ausbaute. Überall in Klein Kienitz wurde zu der Zeit gebaut, Neubauern bekamen Land. Auch Familie Filla bekam einen halben Morgen Land als „Startkapital“. Das brauchten sie, denn drei Söhne stellten sich ein. Arbeit gab es auf der LPG, im Konsum oder im Kindergarten, der in der ehemaligen Schule untergebracht war. Hier war Anneliese Filla zehn Jahre beschäftigt. Die Zeit der LPG-Bildung hat sie in wenig guter Erinnerung. Die neuen Chefs, meist von auswärts, agierten wie Fürsten. Klein Kienitz wurde nach Rangsdorf eingemeindet. Besondere Gebäude wie das Fachwerkhaus von Bauer Woblack am Anger wurden abgerissen. „Man glaubt es kaum noch, aber früher war das Mitteldorf vollständig bebaut. Das hat mir besser gefallen als die jetzige Leere“, sagt die Seniorin.

Ein festes Wort fehlt

Heute fehlt ihr eine lebendige Dorfgemeinschaft. Und Gemeindevertreter, die ein festes Wort für den Ortsteil einlegen. „Hier müsste gebaut werden, damit wieder Kinder und junge Leute nachwachsen“, sagt sie. Von Rangsdorf fühle man sich abgehängt. Zufrieden ist die Klein Kienitzerin, dass das SüdringCenter zum Einkaufen erreichbar sei und sie, nachdem die Allee nach Rangsdorf gerodet wurde, doch noch hoffnungsvoll eine neue nachwachsen sähe.

Von Andrea von Fournier

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