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Teltow-Fläming Anschlag auf Turmstube: Noch immer kein Täter
Lokales Teltow-Fläming Anschlag auf Turmstube: Noch immer kein Täter
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14:41 20.11.2016
Ein pyrotechnischer Sprengsatz verwüstete am 20. November 2015 gegen 22.25 Uhr die Begegnungsstätte Quelle: Peter Degener
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Jüterbog

Ein Jahr ist es am Sonntag her: Am 20. November 2015 wurde der kirchliche Jugendtreff Turmstube in Jüterbog durch einen Sprengsatz verwüstet. Der Anschlag, dessen Hintergründe und Täter bis heute unbekannt sind, hatte weit über die Stadt hinaus Aufsehen erregt und viel Hilfsbereitschaft ausgelöst, weil die Turmstube zuvor regelmäßig als Flüchtlingstreff genutzt worden war.

Die Jüterboger Pfarrer Bernhard Gutsche, Mechthild Falk und Ramona Rohnstock (v.l.) lehnen ein Gedenken an den Anschlag ab. Sie wollen ein Jahr danach positive Zeichen setzen. Quelle: Peter Degener

„Wir haben kein Bedürfnis, mit einem Gedenken daran zu erinnern“, sagt Pfarrerin Mechthild Falk kurz vor dem ersten Jahrestag, „in dieser Stadt passiert auch so viel Gutes, wofür wir unsere Kraft verwenden.“

Doch beim Blick zurück auf den Abend und die Nacht des 20. November ist Falk noch immer über die Ereignisse erschrocken. „Es war ein Freitag kurz nach den Terroranschlägen von Paris. An diesem Abend sollten die ersten Flüchtlinge in das Übergangswohnheim Große Straße einziehen und mit dem Zug in der Stadt ankommen“, erzählt sie. Als ein NPD-Politiker aus dem Havelland für dasselbe Datum einen „Abendspaziergang“ vom Bahnhof ins Zentrum anmeldete, wurde die Ankunft der Flüchtlinge verschoben. Stattdessen gab es eine Protestaktion gegen den „Abendspaziergang“ in Jüterbog. Als beide Veranstaltungen längst vorüber waren, kam es gegen 22.25 Uhr zu der Explosion in der Mönchenstraße 1.

Pfarrer: „Manche Jüterboger wollen es nicht wahrhaben.“

„Manche Jüterboger wollten das nicht wahrhaben und bastelten sich irgendwelche Theorien“, sagt Pfarrer Bernhard Gutsche über die Stimmung, die die Stadt in der Folge erfasste. So gab es Gerüchte, dass kein Sprengsatz, sondern ein Defekt der Heizungsanlage die Zerstörungen verursacht hätte. „Es war ein Anschlag, auch wenn wir nicht wissen von wem“, sagt der Pfarrer.

Die Turmstube befindet sich in einem Häuschen am Dammtor-Turm in Jüterbog. Quelle: Peter Degener

Ein Gutachten der Kriminaltechnik hat zweifelsfrei ermittelt, dass ein pyrotechnisches Sprengmittel, wie es bei Höhenfeuerwerken eingesetzt wird, die Explosion verursacht hatte. Es hatte auch mehrere Verdächtige gegeben, wobei sich bei keinem der Tatverdacht erhärten ließ, heißt es bei der Staatsanwaltschaft in Potsdam. Noch immer gebe es „umfangreiche Maßnahmen“. Doch weil keine direkten Zeugen der Tat bekannt geworden sind und keine Spuren gefunden wurden, die auf einen Täterkreis schließen lassen, gestalten sich die Ermittlungen schwierig.

Anschlag mobilisierte Jugendliche für die Flüchtlingsarbeit

Aus Sicht von Pfarrerin Ramona Rohnstock, die auch Jugendbeauftragte des Kirchenkreises ist, hat der Anschlag für viele Jugendliche in ihrer Gemeinde mobilisierend gewirkt. „Einige, die sich vorher nicht für das Thema Flüchtlinge interessierten, haben sich danach engagiert“, berichtet sie.

Lisa Lohrmann (r.) und Laura Richter sind in der Jungen Gemeinde aktiv. Quelle: Peter Degener

Etwa zehn Jugendliche treffen sich heute regelmäßig in der Turmstube, darunter Lisa Lohrmann und Laura Richter.„Wir waren nach dem Anschlag erschrocken, aber auch wütend“, sagt Lohrmann. Steine sind auch schon in der Vergangenheit durch die Fenster des Hauses geflogen. Auch Aufkleber mit rechten Parolen mussten entfernt werden. „Es ging den Tätern darum, dass wir die Flüchtlinge hier aufgenommen hatten, aber wir wollen uns davon nicht aufhalten lassen“, sagt die junge Frau.

Stelle der Explosion soll erkennbar bleiben

Die Jugendlichen haben die Turmstube wieder eingerichtet. Der Raum sei nun farbiger und schöner als vorher, sagt Laura Richter. Ein Detail wollen sie noch verändern: Dort wo der Sprengsatz explodierte, wurde eine Fliese im Boden zerstört. „Wir wollen dort eine neue Fliese einbauen, die heraussticht und uns daran erinnert, das hier mal etwas geschehen ist. Das Motiv suchen wir noch, aber es soll kein ‚Stolperstein‘ werden, sondern positiv besetzt sein und für uns als Junge Gemeinde stehen“, sagt sie.

Von Peter Degener

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