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Anschlag in Jüterbog „absolut erschütternd“

Reaktionen auf den Brandanschlag Anschlag in Jüterbog „absolut erschütternd“

Nach dem Brandanschlag auf das Asylheim für alleinreisende, minderjährige Flüchtlinge in Jüterbog (Teltow-Fläming) zeigen sich Politiker und die Johanniter-Unfall-Hilfe als Träger der Einrichtung erschüttert. Der erneute Angriff – bereits der zweite innerhalb von drei Wochen – soll Konsequenzen haben.

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Das Asylheim der Johanniter-Unfall-Hilfe in Jüterbog.

Quelle: Victoria Barnack

Jüterbog. Nach dem Brandanschlag auf das Asylheim für alleinreisende, minderjährige Flüchtlinge in der Jüterboger Innenstadt reagiert die Johanniter-Unfall-Hilfe als Träger der Einrichtung erschüttert.

Ralf Boost , Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe in Potsdam-Mittelmark-Fläming, bezeichnet den Anschlag auf die Jugendeinrichtung in Jüterbog als „absolut erschütternd“. Er war noch in der Nacht informiert worden und hatte sich am Vormittag selbst ein Bild von der Lage gemacht.

Zwei Brandsätze flogen gegen diese Fensterscheibe

Zwei Brandsätze flogen gegen diese Fensterscheibe.

Quelle: Victoria Barnack

Fremdenfeindlicher Hintergrund?

Boost vermutet ein fremdenfeindliches Motiv und setzt den Vorfall auch mit dem Steinschlag, der vor drei Wochen auf die Unterkunft verübt wurde, in Zusammenhang. Dabei war mit einem schweren Steinbrocken ein Fenster der Unterkunft durchschlagen, aber niemand verletzt worden.

Sorge um die Psyche der Jugendlichen

Nun ist er vor allem über den Gemütszustand der minderjährigen Flüchtlinge besorgt. Als Träger der Einrichtung zog die Johanniter-Unfallhilfe sofort Notfallseelsorger hinzu, die mit Hilfe von Dolmetschern alle Jugendlichen in den Vormittagsstunden über die Geschehnisse informierten. „Ein Teil von ihnen hat den Anschlag sofort mitbekommen“, erzählt er, „andere schliefen zu dem Zeitpunkt bereits.“ Die Maßnahme sei jedoch „rein vorsorglich“, da die Johanniter die Schutzbefohlenen der 20 Jugendlichen in Deutschland sind. Wichtig sei es, traumatische Sachverhalte die Psyche der jungen Männer betreffend vorzubeugen.

Maßnahmen für mehr Sicherheit

Die Integration der Jugendlichen verlief den Johannitern bisher sehr gut. Erst vor wenigen Tagen berichtete Heimleiterin Lisa Schlage im Rahmen des Jüterboger Runden Tischs Asyl, dass die Jugendlichen große Erfolge beim Erlernen der deutschen Sprache machten. „Sie wurden gut in das soziale Umfeld eingegliedert“, bestätigt auch Boost. Gemeinsam mit der Polizei und dem Jugendamt werde man nun Maßnahmen erarbeiten, um die Sicherheit in der Einrichtung zu gewährleisten. Boost kündigte beispielsweise an, dass die Rückkehrzeiten der Jugendlichen reduziert werden, sie also in den Abendstunden künftig früher in die Unterkunft zurückkehren müssen. „Außerdem sollten die Jugendlichen ihr Umfeld in Zukunft verstärkt mit offenen Augen betrachten“, sagte er.

Politiker zu dem Anschlag in Jüterbog

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) : „Das ist eine widerliche und verabscheuungswürdige Tat von völlig Irregeleiteten“. Das sei unerträglich und passe nicht zum weltoffenen Brandenburg, in dem sich Tausende täglich in wunderbarer Weise für Flüchtlinge engagierten. Jetzt gehe es darum, die Täter schnell zu fassen und zu bestrafen.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) : „Brandanschläge sind keine Asylkritik, sondern ein Verbrechen und sonst nichts. Sie sind die Argumente derjenigen, die sonst keine Argumente haben. Mich widert so was an.“

Landrätin Cornelia Wehlan (Linke) : „Das ist ein brutaler Angriff auf die Schwächsten unter den Schwachen, den ich auf das Schärfste verurteile.Wie unmenschlich muss man sein, um so etwas zu machen? Ich bin sprachlos und in Gedanken bei den Kindern, Jugendlichen und natürlich auch ihren Betreuern. Zum Glück haben diese umsichtig reagiert und so vielleicht noch Schlimmeres verhindert, dafür bin ich sehr dankbar. Umso mehr treiben mich Entsetzen und Wut über so eine unfassbare Tat um. Ich hoffe, dass die Schuldigen schnell gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.“

Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos) erfuhr während einer Dienstreise in die Jüterboger Partnerstadt Aßlar durch die Polizei von dem Vorfall. Er veröffentlichte daraufhin ein Statement auf Facebook. Darin heißt es: „Ich bin entsetzt. Jede Form von Gewalt ist zu verachten. Wer sich gegen die Gesundheit und das Leben anderer wendet, hat mit aller Schärfe und allen rechtsstaatlichen Mitteln verfolgt zu werden. Ich bin sehr froh, dass niemand verletzt wurde.“ Raue warnte vor Spekulationen zu Hintergründen und Tätern des Anschlags. Gleichzeitig forderte er allerdings, dass „bei der Bewertung derart unmenschlicher Taten“ auch die aus seiner Sicht „katastrophale Flüchtlingspolitik“ der Bundesregierung diskutiert werden müsse.

Flüchtlingshilfe Jüterbog: Der Anschlag „erschüttert uns umso mehr, da die Jugendlichen aus der Einrichtung bisher durch ein außerordentlich freundliches, höfliches und friedliches Verhalten in der Stadt auffallen und bisher niemandem Anlass zu irgendeiner Beschwerde gaben. Wir möchten den jugendlichen Bewohnern des Heimes und allen Mitarbeitern der Einrichtung sagen, wie sehr wir uns für diese Tat in den Mauern unserer Stadt Jüterbog schämen. Wir wollen unser Bestes geben, ihr Vertrauen zurückzugewinnen. Wo immer wir können, wollen wir dazu beitragen, dass das Miteinander von Einheimischen und Flüchtlingen in gegenseitigem Respekt geschieht und sie hier keine Angst vor Gewalt haben müssen“.

Danny Eichelbaum, CDU-Landtagsabgeordneter und CDU-Kreisvorsitzender aus Teltow-Fläming : „Die CDU verurteilt den Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterbringung in Jüterbog.Die Täter müssen schnell ermittelt und hart bestraft werden.Wer das Leben von unschuldigen Menschen hinterhältig aufs Spiel setzt, muss die volle Härte des Gesetzes spüren.“

Erik Stohn, SPD-Landtagsabgeordneter und SPD-Kreisvorsitzender aus Teltow-Fläming : „Diese Einzeltaten werfen kein gutes und ein falsches Licht auf unsere Heimatstadt Jüterbog. In Jüterbog gibt es viele Menschen, die sich in Flüchtlingsinitiativen engagieren und sich dafür einsetzen, dass das Zusammenleben von Alteingesessenen und Neueinwohnern gelingt. [...] Jüterbog ist seit jeher als gastfreundliche Stadt bekannt. Im nächsten Jahr möchten wir viele Touristen zum Reformationsjubiläum empfangen. Solche Einzeltaten schaden sowohl dem guten Ruf unserer Stadt als auch allen Bürgern und Bürgerinnen von Jüterbog.“

Norbert Müller, Linke-Bundestagabgeordneter aus Potsdam : „Ich verurteile diesen feigen Anschlag auf unbegleitete Minderjährige auf das Schärfste. [...] Wir können von Glück reden, dass niemand verletzt wurde. Der Tod der Bewohner_innen und Angestellten wurde billigend in Kauf genommen. Leider ist dieser Anschlag nicht der erste dieser Art und wird vermutlich auch nicht der letzte sein. Die rassistische Hetze der letzten Monate, wie sie beispielsweise durch die AfD oder auch den Jüterborger Bürgermeister betrieben wurde, ist mitverantwortlich dafür, dass sich potenzielle Täter_innen zu solchen Taten ermutigt fühlen. Diese Hetze muss ein für alle Mal beendet werden.“

Auch die Jüterboger Pfarrerin Mechthild Falk war vertretend für die gesamte Jüterboger Flüchtlingshilfe bereits seit dem frühen Vormittag vor Ort und wurde unterstützend tätig. „Ich möchte den Jugendlichen zeigen, dass wir sie auch in dieser Lage unterstützen“, erklärte sie.

Die Polizei hat unterdessen die Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen.

Brandanschlag auf Asylheim in Jüterbog

Von Victoria Barnack

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