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Anschlag in Jüterbog die Tat von Rechtsextremen?

Nach Brandanschlag auf Asylheim Anschlag in Jüterbog die Tat von Rechtsextremen?

Einen Tag nach dem Brandanschlag auf die Asylunterkunft für minderjährige Flüchtlinge in Jüterbog (Teltow-Fläming) gibt es noch keine konkreten Hinweise auf die Täter. Polizei und Staatsschutz ermitteln in alle Richtungen, gehen jedoch von einem rechtsextremen Hintergrund aus – und hoffen weiter auf Hinweise von Zeugen.

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Das Asylheim in der Badergasse in Jüterbog.

Quelle: Victoria Barnack

Jüterbog. Nach dem Brandanschlag auf das von der Johanniter-Unfall-Hilfe betriebene Asylheim in der Badergasse in Jüterbog (Teltow-Fläming) gibt es noch keine konkreten Hinweise auf die Täter. Das sagte Polizeisprecher Axel Schugardt am Sonntagnachmittag der MAZ.

Ermittlungen in alle Richtungen

Die gemeinsame Ermittlungsgruppe von Staatsschutz, Revier- und Kriminalpolizei ermittle in alle Richtungen, ein fremdenfeindlicher Hintergrund sei jedoch nicht auszuschließen. Konkrete Beweise dafür gebe es aber bisher nicht. Angaben zu den verwendeten Brandbeschleunigern wurden unter Hinweis auf laufende Ermittlungen nicht gemacht.

Brandspuren am Fenster und auf dem Rasen

Brandspuren am Fenster und auf dem Rasen.

Quelle: Victoria Barnack

Polizei hofft weiter auf Zeugen

Laut Schugardt waren bis Sonntagnachmittag auch keine Zeugenhinweise eingegangen. Die Polizei bittet weiterhin Personen, die Verdächtiges gesehen haben oder sonstige sachdienliche Hinweise geben können, sich bei der Polizeiinspektion Teltow-Fläming in Luckenwalde unter (03371) 6000 zu melden.

Heim nun stärker bewacht

In dem Heim in der Badergasse leben 20 Jugendliche unterschiedlicher Herkunft im Alter zwischen 15 und 17 Jahren. Wie die Flüchtlingshilfe Jüterbog in einer Erklärung nach dem Anschlag schreibt, seien die Jugendlichen bisher „durch ein außerordentlich freundliches, höfliches und friedliches Verhalten in der Stadt“ aufgefallen, die „niemandem Anlass zu irgendeiner Beschwerde gaben“. Die Polizei hat die Schutzmaßnahmen für das Heim nach dem Anschlag erhöht. Es werde nun rund um die Uhr bewacht, so Polizeisprecher Axel Schugardt. Der Träger des Heims, die Johanniter-Unfall-Hilfe, überlegt ebenfalls Konsequenzen zum Schutz der Jugendlichen.

Samstag früh flogen zwei Brandsätze

Am frühen Samstagmorgen flogen zwei Brandsätze gegen das Fenster eines Abstellraumes des Heims für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Dank der starken Verglasung der Fenster und des beherzten Eingreifens zweier Betreuer konnte Schlimmeres verhindert werden. Die Flüchtlingsunterkunft war bereits Mitte September Ziel eines Anschlages, als Unbekannte mit einem Stein eine Scheibe beschädigten.

Brandanschlag auf Asylheim in Jüterbog

Johanniter: Anschlag „absolut erschütternd“

Politiker zu dem Anschlag in Jüterbog

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) : „Das ist eine widerliche und verabscheuungswürdige Tat von völlig Irregeleiteten“. Das sei unerträglich und passe nicht zum weltoffenen Brandenburg, in dem sich Tausende täglich in wunderbarer Weise für Flüchtlinge engagierten. Jetzt gehe es darum, die Täter schnell zu fassen und zu bestrafen.

Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) : „Brandanschläge sind keine Asylkritik, sondern ein Verbrechen und sonst nichts. Sie sind die Argumente derjenigen, die sonst keine Argumente haben. Mich widert so was an.“

Landrätin Cornelia Wehlan (Linke) : „Das ist ein brutaler Angriff auf die Schwächsten unter den Schwachen, den ich auf das Schärfste verurteile.Wie unmenschlich muss man sein, um so etwas zu machen? Ich bin sprachlos und in Gedanken bei den Kindern, Jugendlichen und natürlich auch ihren Betreuern. Zum Glück haben diese umsichtig reagiert und so vielleicht noch Schlimmeres verhindert, dafür bin ich sehr dankbar. Umso mehr treiben mich Entsetzen und Wut über so eine unfassbare Tat um. Ich hoffe, dass die Schuldigen schnell gefunden und zur Rechenschaft gezogen werden.“

Jüterbogs Bürgermeister Arne Raue (parteilos) erfuhr während einer Dienstreise in die Jüterboger Partnerstadt Aßlar durch die Polizei von dem Vorfall. Er veröffentlichte daraufhin ein Statement auf Facebook. Darin heißt es: „Ich bin entsetzt. Jede Form von Gewalt ist zu verachten. Wer sich gegen die Gesundheit und das Leben anderer wendet, hat mit aller Schärfe und allen rechtsstaatlichen Mitteln verfolgt zu werden. Ich bin sehr froh, dass niemand verletzt wurde.“ Raue warnte vor Spekulationen zu Hintergründen und Tätern des Anschlags. Gleichzeitig forderte er allerdings, dass „bei der Bewertung derart unmenschlicher Taten“ auch die aus seiner Sicht „katastrophale Flüchtlingspolitik“ der Bundesregierung diskutiert werden müsse.

Flüchtlingshilfe Jüterbog: Der Anschlag „erschüttert uns umso mehr, da die Jugendlichen aus der Einrichtung bisher durch ein außerordentlich freundliches, höfliches und friedliches Verhalten in der Stadt auffallen und bisher niemandem Anlass zu irgendeiner Beschwerde gaben. Wir möchten den jugendlichen Bewohnern des Heimes und allen Mitarbeitern der Einrichtung sagen, wie sehr wir uns für diese Tat in den Mauern unserer Stadt Jüterbog schämen. Wir wollen unser Bestes geben, ihr Vertrauen zurückzugewinnen. Wo immer wir können, wollen wir dazu beitragen, dass das Miteinander von Einheimischen und Flüchtlingen in gegenseitigem Respekt geschieht und sie hier keine Angst vor Gewalt haben müssen“.

Danny Eichelbaum, CDU-Landtagsabgeordneter und CDU-Kreisvorsitzender aus Teltow-Fläming : „Die CDU verurteilt den Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterbringung in Jüterbog.Die Täter müssen schnell ermittelt und hart bestraft werden.Wer das Leben von unschuldigen Menschen hinterhältig aufs Spiel setzt, muss die volle Härte des Gesetzes spüren.“

Erik Stohn, SPD-Landtagsabgeordneter und SPD-Kreisvorsitzender aus Teltow-Fläming : „Diese Einzeltaten werfen kein gutes und ein falsches Licht auf unsere Heimatstadt Jüterbog. In Jüterbog gibt es viele Menschen, die sich in Flüchtlingsinitiativen engagieren und sich dafür einsetzen, dass das Zusammenleben von Alteingesessenen und Neueinwohnern gelingt. [...] Jüterbog ist seit jeher als gastfreundliche Stadt bekannt. Im nächsten Jahr möchten wir viele Touristen zum Reformationsjubiläum empfangen. Solche Einzeltaten schaden sowohl dem guten Ruf unserer Stadt als auch allen Bürgern und Bürgerinnen von Jüterbog.“

Norbert Müller, Linke-Bundestagabgeordneter aus Potsdam : „Ich verurteile diesen feigen Anschlag auf unbegleitete Minderjährige auf das Schärfste. [...] Wir können von Glück reden, dass niemand verletzt wurde. Der Tod der Bewohner_innen und Angestellten wurde billigend in Kauf genommen. Leider ist dieser Anschlag nicht der erste dieser Art und wird vermutlich auch nicht der letzte sein. Die rassistische Hetze der letzten Monate, wie sie beispielsweise durch die AfD oder auch den Jüterborger Bürgermeister betrieben wurde, ist mitverantwortlich dafür, dass sich potenzielle Täter_innen zu solchen Taten ermutigt fühlen. Diese Hetze muss ein für alle Mal beendet werden.“

Von MAZonline

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