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Araber auf den Spuren verfolgter Juden

Luckenwalde Araber auf den Spuren verfolgter Juden

Eine Delegation von zehn Arabern aus Israel besuchte am Dienstag das Friedrich-Gymnasium in Luckenwalde. Hier informierten sie sich über die Geschichte einer örtlichen Widerstandsgruppe, die während der Nazidiktatur verfolgte Juden versteckte. Die Araber engagieren sich für eine Verständigung mit den Juden, aber auch für ihre eigene Gleichberechtigung.

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Gäste und Gastgeber vor der einstigen Kneipe „Zur kleinen Hütte“, wo sich die Widerständler zur NS-Zeit unauffällig trafen.

Quelle: Hartmut F. Reck

Luckenwalde. Es mutet schon seltsam an, aber es ist so. Arabische Staatsangehörige des jüdisch dominierten Staates Israel begeben sich auf die Spuren des Holocaust, also der Judenverfolgung während der Nazidiktatur in Deutschland.

Spannendes Geschichtsprojekt

Ein Beispiel dafür fanden sie am Dienstag in Luckenwalde beim Besuch des Friedrich-Gymnasiums. Den Kontakt hatte die Heinrich-Böll-Stiftung vermittelt. Sie hat in diesem Schuljahr ein Geschichtsprojekt der 10. Klassenstufe begleitet. Die Schüler hatten bereits vorher mit ihrer Kursleiterin Anne Richter die Geschichte der Luckenwalder Widerstandsgruppe „Gemeinschaft für Frieden und Aufbau“ erforscht. Mit Hilfe von Nora Bosse und Susann Karnapke von der Böll-Stiftung und deren Projekt „Zeitspuren“ entwickelten die Schüler eine Internetseite und einen Stadtspaziergang zu den Orten in Luckenwalde, in denen die Widerstandsgruppe Anfang der 1940er-Jahre gewirkt hat. Die Gruppe druckte und verteilte Flugblätter, versteckte Juden und versorgte sie mit Lebensmitteln.

Auf Englisch informierten die Schüler ihre Gäste aus Tamra, einer fast ausschließlich von Arabern bewohnten Stadt in Galiläa, über ihr Projekt, das mit modernen Mitteln die untersuchte Geschichte veranschaulicht.

Mit Geocaching Orte erkunden

So wurde ein so genanntes Geocaching entwickelt, also eine Art digitale Schnitzeljagd, bei der man mit Hilfe von Koordinaten und einer Navigationssoftware im Smartphone zu den gesuchten Orten geleitet wird. Dort muss man dann einen versteckten Behälter finden, in dem nähere Informationen über den jeweiligen Ort zu finden sind sowie die Koordinaten für die nächste Station des Stadtspaziergangs. Genau das probierten nach Schulschluss die arabischen Gäste mit den Tutoren aus.

Zuvor hatten sie aber jede Menge Fragen zur Schule: Wie viele Schüler sie hat? 720 Schüler. Was für einen Ruf sie genießt? Natürlich einen guten. Und was man hier gegen Rassismus tut? Weitere Projekte zum Holocaust, Besuche von ehemaligen Konzentrationslagern und auch im nächsten Schuljahr wieder ein Flüchtlingsprojekt.

Viele Fragen

Ebenso viele Fragen hatten die Gäste zu beantworten. Etwa wie es komme, dass sie als unterprivilegierte Araber in Israel Interesse und Mitgefühl am Schicksal der Juden in Nazideutschland haben, ob sie da nicht auch Probleme mit anderen Arabern bekommen? „Ja“, meinte Mohamed Abo Elhega, „bei vielen gelten wir als Verräter.“ Rassisten gebe es auf beiden Seiten. Aber genau diesen Rassismus wolle man bekämpfen und ebenso gegen Gewalt und soziale Ungerechtigkeit vorgehen.

Die fünf Ehepaare, die zum Teil einer sozialdemokratisch orientierten Gemeinschaft junger Studenten und Arbeiter angehören, engagieren sich in Schulen für das gegenseitige Verständnis von Juden und Arabern, wozu auch die Vermittlung der Geschichte des Holocausts gehört. Vielleicht, so Mohamed Abo Elhega, könne man eine Schulpartnerschaft zwischen Luckenwalde und Tamra ins Leben rufen. Mit einer Schule in Berlin-Kreuzberg pflege man schon eine solche Partnerschaft. Sie ist benannt nach Refik Veseli, einem albanischen Muslim, der während der deutschen Besetzung Albaniens im Zweiten Weltkrieg mehrere jüdische Familien gerettet hatte.

Von Hartmut F. Reck

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