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Arbeitskampf bei Coca Cola

Warnstreik in Genshagen Arbeitskampf bei Coca Cola

Jetzt ’ne kalte Limo? Nicht, wenn es nach den Angestellten des Genshagener Coca-Cola-Werks geht. Die haben nämlich am Montag gestreikt. Sie wollen mehr Lohn. Der Brausehersteller wiegelt ab, er sagt, sein Angebot sei ausreichend. Aber Süßschnäbel müssen keine Angst haben, schon am Dienstag werden wieder bis zu fünf Millionen Flaschen das Werk verlassen.

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Nichts gehts mehr: Rund 150 Angestellte bestreiken am Montag das Coca-Cola-Werk in Genshagen.

Quelle: Saskia Kirf

Genshagen. In den Produktionshallen des Erfrischungsgetränke-Herstellers Coca-Cola haben am Montag alle Bänder stillgestanden. Die komplette Frühschicht des Genshagener Standorts sowie Kollegen von anderen Produktionsstätten, insgesamt rund 150 Angestellte des Getränkeriesen, befand sich im Streik. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will mit dem Ausstand in der aktuellen Tarifrunde Druck auf den Arbeitgeber ausüben.

160 Euro mehr Lohn fordert die Gewerkschaft für die 8000 deutschen Coca-Cola-Angestellten. Auszubildende sollen ein rund 100 Euro höheres Entgelt erhalten. Die Arbeitnehmerseite argumentiert, durch die europaweite Umstrukturierung bei Coca-Cola und den damit verbundenen Arbeitsplatzabbau in Deutschland sei die Arbeitsbelastung für die verbleibenden Beschäftigten stark angestiegen, da der Volumenausstoß weiterhin stetig ansteige. Tatsächlich hat das Unternehmen in ganz Europa die Zahl der Beschäftigten in den vergangenen Jahren drastisch reduziert. In Deutschland sank die Zahl von rund 12 000 Angestellten im Jahr 2007 auf etwa 8000 Ende 2016.

Arbeitgeber zeigt sich selbstbewusst

Im März 2015 konnte die Gewerkschaft NGG ein Tarifvertragspaket durchsetzen, das den Arbeitsplatzabbau für die Dauer von fünf Jahren sozial verträglich regelt.

Brigitte Faust, die Geschäftsführerin und Arbeitsdirektorin der CCEP DE sagt: „Dieses Angebot ist aus unserer Sicht eine klare Basis für die weiteren Verhandlungen.“ Um auch künftig im hart umkämpften Markt für alkoholfreie Getränke in Deutschland zu bestehen, habe das Unternehmen nur begrenzten Spielraum für Entgelterhöhungen. „Vor diesem Hintergrund ist unser erstes Angebot angemessen und würdigt die Leistungen unserer Mitarbeiter“, so Faust weiter, „zudem tragen wir mit der Erhöhung der Altersvorsorge einer wichtigen Forderung der Gewerkschaft Rechnung.“

Die Gewerkschaft NGG vertritt zahlreiche Sparten der Nahrungsherstellung,  darunter auch Backhandwerk sowie Fleisch- und Süßwarenbranche

Die Gewerkschaft NGG vertritt zahlreiche Sparten der Nahrungsherstellung, darunter auch Backhandwerk sowie Fleisch- und Süßwarenbranche.

Quelle: Saskia Kirf

Das sehen die streikenden Angestellten vor den Werkstoren naturgemäß anders. „Ich bin Servicetechniker und trage viel Verantwortung“, sagt einer, „dafür möchte ich angemessen bezahlt werden.“ Gewerkschafter Uwe Ledwig nickt anerkennend bei diesen Worten: „Es geht uns um einen fair gestalteten Unternehmenstarifvertrag.“

Für einen solchem kämpft auch der örtliche Betriebsratsvorsitzende Jürgen Uffelmann. Er zeigt sich erfreut über die Beteiligung beim Warnstreik. „Niemand arbeitet, sogar Kollegen von der längst beendeten Nachtschicht haben sich uns für einige Stunden angeschlossen.“

Uffelmann zufolge seien Lagerarbeit und Produktion damit für diesen Vormittag gestoppt – und damit nicht genug. „Sogar viele Fahrer sind mit leerem Wagen wieder abgedreht, als sie uns gesehen haben“, sagt der Betriebsrat. Diese haben sich den Streikenden nicht entgegenstellen wollen.

Weltunternehmen im Brandenburg Park

Das Coca-Cola-Werk in Genshagen besteht seit 1998. Auf mehr als 150 000 Quadratmetern produzieren 160 Angestellte Limonaden.

Jährlich verlassen das Werk im Gewerbegebiet Brandenburg Park etwa 250 Millionen Flaschen an fertigen Getränken, abgefüllt in 1-, 1,25-, 1,5- und 2,0-Liter-Flaschen. Sie werden vor allem an Kunden in Berlin-Brandenburg geliefert.

Neben Coca-Cola werden hier auch Fanta in verschiedenen Geschmacksrichtungen sowie Sprite und Mezzo Mix mit und ohne Zucker produziert.

Warnstreiks gibt es indes nicht nur am Genshagener Standort. An allen 37 Coca-Cola-Standorten in Deutschland sind die Angestellten zu achtstündigen Warnstreiks aufgerufen. Den Anfang hatten vor einer Woche die süddeutschen Niederlassungen in Memmingen und Ravensburg gemacht.

Am Genshagener Standort produzieren 160 Mitarbeiter im Drei-Schicht-System die Brause und ihre weiteren Marken wie Sprite und Fanta. Beliefert werden vor allem regionale Verkaufsstellen.

Dem Vernehmen nach sind weitere Streiks am Standort zunächst nicht geplant. Arbeitgeber und Arbeitnehmer haben einen zweiten Verhandlungstermin am 24. April 2017 vereinbart.

Von Saskia Kirf

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