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Teltow-Fläming Archäologen graben neben der Autobahn
Lokales Teltow-Fläming Archäologen graben neben der Autobahn
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10:53 24.04.2017
Grabungsarbeiter Bernd Helbing (r.) und Grabungszeichnerin Fränze Funk sieben Eimer um Eimer des abgetragenen Bodens. Quelle: Abromeit

Wo es zwischen Flughafen Schönefeld, dem Triebwerksbauer Rolls Royce Dahlewitz und der Industrie von Ludwigsfelde um die Zukunft einer Region geht, tauchen Archäologen gerade tief in die Vergangenheit: Direkt neben der Autobahn suchen sie zwischen den Abfahrten Rangsdorf und Genshagen nach Spuren der letzten Jäger und Sammler der Mittelsteinzeit (Mesolithikum), die hier in der Jühnsdorfer Heide vor 7000 bis 10 000 Jahren lebten, bevor ihre Nachfahren als Ackerbauern und Viehzüchter sesshaft wurden.

Unter Regie von Grabungsleiter Thilo Stapelfeldt tragen 20 Mitarbeiter des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) auf einem 130 Meter langen Streifen Quadratmeter um Quadratmeter Erdreich ab, immer in Schichten von zehn Zentimetern. Anlass, dort nach prähistorischen Hinterlassenschaften zu suchen, war eine geplante Kabelerneuerung des Landesbetriebes Straßenwesen. Dessen Autobahn-Bauüberwacher Thomas Mattuschka erklärt: „Seit dem Autobahnbau 1936 liegt da ein dickes altes Kupferkabel in der Erde, an dem auch die Notrufsäulen hängen.“ Weil es künftigen Anforderungen neuer Technik für Telekommunikation und Verkehrsbeeinflussung nicht mehr genügt, muss es erneuert werden. Voriges Jahr wurde der Wildzaun versetzt, um für die neuen Kabelschächte Platz zu haben. Dabei, so Mattuschka, stieß man auf das archäologisch bedeutsame Areal. Das heißt nach einer kurz vor dem Ersten Weltkrieg in Preußen begonnenen Kennzeichnung „Jühnsdorf 8“. „Jühnsdorfer Gruppe  – damit weiß in Europa jeder Fachmann Bescheid, der sich für’s Mesolithikum interessiert“, sagt Thilo Stapelfeldt.

Bekannt ist dieser Fundplatz seit dem Autobahnbau 1936. Damals wurden etwa 1700 Quadratmeter archäologisch untersucht. „Heimatforscher Dürr fand mesolithische Feuersteinabschläge und zahlreiche grubenartige Strukturen“, so der Grabungsleiter. Publiziert wurden die Ergebnisse 1976 von Bernhard Gramsch, dem damaligen Direktor des Museums Potsdam. Der vermutete, so Stapelfeldt, dass diese Gruben als Behausungen oder Hütten interpretiert werden könnten, ähnlich wie an anderen Fundplätzen in Europa. „Allerdings zeigten Untersuchungen wenig später, dass es sich oft um Baumwürfe handeln dürfte“, sagt Stapelfeldt, also um umgestürzte Bäume, deren ausgebrochener Wurzelballen eine Grube hinterlässt.

Noch bedeutender wurde „Jühnsdorf 8“ nach dem Mauerfall, als die Autobahn von vier auf sechs Spuren verbreitert wurde. Erwin Cziesla und Sabine Eickhoff entdeckten neben weiteren Baumwürfen und einigen als sicherlich mesolithisch bestimmten Gruben eine Feuerstelle, die erste in Brandenburg. „Solche Funde sind sehr selten“, sagt der Grabungsleiter.

Seine Leute füllen einen schwarzen Eimer nach dem nächsten. In jeden passt der Aushub von jeweils einem Viertelquadratmeter. Alles wird markiert, nummeriert, dokumentiert. „Die genaue Untersuchung findet dann am BLDAM-Sitz in Wünsdorf statt“, erklärt Stapelfeldt. Jedes Fundstück schauen sich die Archäologen zwar sofort an, suchen Rillen oder Schliffe an kleinen dünnen Silex-Stückchen, die sie als Teile von Feuerstein-Werkzeugen erkennen. Doch dann kommen sie wieder in den zugehörigen Eimer.

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Direkt an der A10, am Berliner Autobahn-Südring bei Jühnsdorf (Teltow-Fläming) graben derzeit Archäologen. Beim Erneuern eines Autobahn-Fernmeldekabels von 1936 wurden dort neue Siedlungsspuren aus der Mittelsteinzeit entdeckt. 20 Mitarbeiter des Landesamtes Denkmalpflege sind dort beschäftigt. Das Gebiet ist unter dem Begriff Gruppe Jühnsdorf inzwischen als europaweit bedeutsamer Fundplatz bekannt mit Zeugnissen der letzten Jäger und Sammler, die vor 7000 bis 10 000 Jahren im heutigen Brandenburg lebten.

Noch bis Ende April wird bei Jühnsdorf nach mesolithischen Hinterlassenschaften gesucht. Dann ist auch am Autobahnrand Richtung Dreieck Nuthetal wieder Gegenwart, um für die Zukunft zu bauen: Noch dieses Jahr verlegt der Landesbetrieb Straßenwesen dort ein Lichtwellenleiterkabel und ein neues Kupferkabel.

Von Jutta Abromeit

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